Im Italien von Giorgia Meloni prallen zwei sehr unterschiedliche Familienbilder aufeinander. Die rechtspopulistische Regierungschefin und ihre Partei Fratelli d‘Italia propagieren ein Familienmodell, das die „natürliche“ Kernfamilie aus Vater, Mutter und biologischen Kindern in den Mittelpunkt stellt. Dem gegenüber stehen die Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern oder anderen Familienkonstellationen. Unter Melonis konservativer Führung hat sich die Debatte zwischen katholisch-konservativen Positionen und progressiven Bewegungen spürbar verschärft.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Diskussion ist stark polarisiert – der politische Druck auf Regenbogenfamilien hat deutlich zugenommen. In Italien können sich gleichgeschlechtliche Paare seit 2016 zwar als Unione civile (eingetragene Lebenspartnerschaft) beim Standesamt registrieren lassen, diese ist jedoch der Ehe heterosexueller Paare nicht gleichgestellt. Homosexuelle Paare verfügen weder über das Recht zur Adoption noch ist ihnen der Zugang zu künstlicher Befruchtung oder Samenspenden gestattet; diese Möglichkeiten stehen ausschließlich verheirateten heterosexuellen Paaren offen.

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In Italien wird nur die Frau als Mutter anerkannt, die das Kind zur Welt gebracht hat

Leihmutterschaft ist verboten. In Italien kann nur die Frau als Mutter anerkannt werden, die das Kind zur Welt gebracht hat. Seit 2017 haben allerdings einige Gemeinden begonnen, auch gleichgeschlechtliche Paare, die ein Kind per Leihmutterschaft im Ausland bekommen haben, als Eltern zu registrieren – obwohl dies gegen das Gesetz verstößt. Die Eintragungen erfolgten meist in Kommunen unter der Führung von Linksparteien, die eine rechtliche Grauzone nutzten.

„Seitdem die Regierung Meloni vor drei Jahren eingesetzt wurde, hat sich das Leben für nicht traditionelle Familien wesentlich verschlechtert. Viele Gemeinden in Italien weigern sich, die standesamtliche Eintragung von zwei Müttern als rechtmäßigen Eltern für ihre gemeinsamen Kinder vorzunehmen. Das schafft enorme Schwierigkeiten im Alltag“, berichtet Alessia Crocini, Präsidentin des Verbands „Famiglie Arcobaleno“ (Regenbogenfamilien), der seit 2005 LGBTQ+-Eltern in Italien zusammenführt.

Die Regierung von Giorgia Meloni stellt die „natürliche“ Kernfamilie aus Vater, Mutter und biologischen Kindern in den Mittelpunkt.
Die Regierung von Giorgia Meloni stellt die „natürliche“ Kernfamilie aus Vater, Mutter und biologischen Kindern in den Mittelpunkt. © AFP | Filippo Monteforte

Die 51-jährige Fernsehautorin hat einen elfjährigen Sohn, den ihre inzwischen Ex-Partnerin Chiara dank einer künstlichen Befruchtung, der sie sich in Spanien unterzogen hat, im August 2014 zur Welt gebracht hat. „Ich war die erste Person, die unseren Sohn in den Armen hielt, und doch bin ich jahrelang nicht als Mutter anerkannt worden – zumindest nicht gesetzlich“, erzählt die Römerin gegenüber unserer Redaktion.

Italien: Eltern müssen vor Gericht ziehen und ihre Rechte einklagen

Gleichgeschlechtliche Paare können ihre Kinder bei der Geburt nicht gemeinsam anerkennen. Jedes Mal, wenn Alessia mit dem Sohn unterwegs war – etwa bei Auslandsreisen – benötigte sie die schriftliche Zustimmung ihrer Partnerin, die als Mutter des Kindes eingetragen ist. „Als unser Sohn mit zwei Jahren wegen einer Krankheit ins Krankenhaus musste, war Chiaras Unterschrift nötig, um ihm die lebensrettenden Medikamente zu verabreichen, die er brauchte. Und selbst bei einem kürzlichen Tagesklinik-Aufenthalt: Ohne ihre Unterschrift konnte mein Sohn nicht entlassen werden. Das war demütigend“, berichtet Crocini. Inzwischen hat sich einiges geändert: Dank des Verfahrens der auch in Italien zulässigen „Stepchild-Adoption“ konnte Alessia das offiziell als Sohn ihrer Partnerin eingetragene Kind adoptieren.

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Zu den gravierendsten Beschlüssen, die laut Crocini die Regierung Meloni ergriffen hat, zählt das im vergangenen Jahr verabschiedete Gesetz, mit dem Leihmutterschaft als „internationales Verbrechen“ geahndet wird. Um zu verhindern, dass Paare im Ausland auf Leihmutterschaft zurückgreifen, brachte die Regierung ein umstrittenes Gesetz durchs Parlament, das Paare strafrechtlich verfolgt, die Leihmutterschaft in Ländern nutzen, in denen diese legal ist. Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren und Geldstrafen von bis zu einer Million Euro sind bei Verstößen vorgesehen.

Alessia Crocini
„Ich war die erste Person, die unseren Sohn in den Armen hielt, und doch bin ich jahrelang nicht als Mutter anerkannt worden – zumindest nicht gesetzlich“, beklagt Alessia Crocini.© privat | Privat

Alessia Crocini empfindet es als unannehmbar, „unsere Kinder als das Ergebnis eines Verbrechens zu behandeln, nur weil sie im Ausland geboren wurden, wo Leihmutterschaft legal ist“. In Italien sei eine „echte Verfolgung von Kindern mit zwei Müttern oder zwei Vätern im Gange“, kritisiert die Aktivistin. Senatsvizepräsident Maurizio Gasparri hält dagegen: „Wir wollen das Geschäft mit Kindern stoppen, die durch Leihmutterschaft zur Welt kommen. Kinder kauft man nicht.“

Inzwischen haben Regenbogenfamilien in Italien einen Etappensieg errungen – nicht dank einer Konzession der Regierung Meloni, sondern dank eines Urteils des Verfassungsgerichts. Dieses entschied im Mai, dass sich zwei Mütter als gleichberechtigte Elternteile im Personenstandsregister des Heimatorts der leiblichen Mutter oder des Geburtsorts des Kindes eintragen lassen können. Bis zu diesem Grundsatzurteil konnten Städte und Gemeinden – je nach politischer Ausrichtung – unterschiedlich verfahren, und die Eintragung zweier Mütter konnte jederzeit angefochten werden.

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Die jüngsten Urteile gelten nun auch für männliche homosexuelle Paare. Das Verfassungsgericht entschied außerdem, dass auch der nicht leiblichen Mutter in einer lesbischen Beziehung bezahlter Vaterschaftsurlaub zusteht. „Diese Richtersprüche sind Meilensteine, aber das genügt nicht. Wir haben noch einen langen Weg vor uns“, sagt Crocini, „um in Italien als Regenbogenfamilie vollständig anerkannt zu werden.“