Die Führungsspitze des Verbandes der Familienunternehmer hat sich öffentlich für Gespräche mit der AfD ausgesprochen. Es hagelte Kritik. Nun ziehen erste Mitglieder Konsequenzen: Die „Lebensmittelzeitung“ meldet, dass die Drogeriemarktkette Rossmann seine Mitgliedschaft im Verband der Familienunternehmer gekündigt hat. Vorher hatte bereits die Deutsche Bank dem Verband der Familienunternehmer künftig die Nutzung ihrer Räume in Berlin untersagt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur einigten sich beide Seiten darauf, die Räumlichkeiten dem Verband nicht länger zur Verfügung zu stellen. Zuvor hatte unter anderem das „Handelsblatt“ berichtet.

Der Verband mit rund 6500 Mitgliedern hatte zu seinem Parlamentarischen Abend in einer Niederlassung der Deutschen Bank nahe dem Brandenburger Tor im Oktober erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. Das Vorgehen sorgte nun sowohl in der Politik als auch in Wirtschaftskreisen für Empörung.

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Einladung für AfD-Politiker: Deutsche Bank hatte „keine Kenntnis von der Gästeliste“

Ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt bestätigte, dass Berliner Räumlichkeiten für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat. Die Bank habe „aber keine Kenntnis von der Gästeliste und auch keinen Einfluss darauf“ gehabt. Im Atrium der Deutschen-Bank-Filiale Unter den Linden finden immer wieder interne und externe Veranstaltungen statt.

Die Präsidentin des Familienunternehmerverbands, Marie-Christine Ostermann, hatte dem „Handelsblatt“ gesagt, das „Kontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei mit dem jüngsten Parlamentarischen Abend Anfang Oktober aufgehoben worden. Bereits im Frühjahr sei im Verband beschlossen worden, „dass wir mit einzelnen AfD-Fachpolitikern ins Gespräch kommen“, sagte Ostermann. Die Partei müsse inhaltlich gestellt werden.

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Kritik an Verband der Familienunternehmen: AfD soll dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden

Dieser Aussage widersprach die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), Gitta Connemann (CDU) nun gegenüber dem „Handelsblatt“. Das Programm und die Haltung der AfD würden dem Standort Deutschland massiv schaden. Vor allem, weil viele Unternehmen auf Exporte angewiesen seien. „Eine nationalistische Wirtschaftspolitik à la AfD würde diese Exporte torpedieren, Lieferketten und Arbeitsplätze zerstören“, so Connemann. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnte davor, die AfD als normale Partei zu betrachten. Das „könnte erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft im Ausland wie im Inland anrichten“, so Fratzscher.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, sagte im Gespräch mit dem Sender „Welt TV“: „Das ist nicht die Aufgabe von Wirtschaftsvertretung, über politische Brandmauern zu entscheiden.“ Der Handwerksverband müsse schauen: „Wer steht für die Wirtschaft, was wird dafür getan?“ Gleichzeitig gelte: „Und wir haben zu brandmarken, wenn Populismus der Wirtschaft schadet.“

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Das sieht der Verband der Digitalwirtschaft, Bitkom, anders. Die AfD sei „digitalpolitisch rückwärtsgewandt, gesellschaftlich auf Spaltung und Abgrenzung ausgerichtet und stellt den demokratischen Rechtsstaat infrage“, hieß es seitens des Verbandes. Man biete Politikerinnen und Politikern der AfD auf den Veranstaltungen und Digitalkonferenzen keine Plattform – „eine Änderung dieser grundsätzlichen Linie ist nicht geplant“.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Eine gesichert rechtsextreme Partei, vor der unsere Sicherheitsbehörden vehement warnen, kann kein Gesprächspartner für Demokratinnen und Demokraten sein“, erklärten auch die stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz und Andreas Audretsch, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sie vermuteten, dass Verbandspräsidentin Ostermann eine persönliche politische Agenda betreibe und nicht für die Mehrheit der Familienunternehmen spreche. Die in dem Verband organisierten Firmen sollten laut von Notz und Audretsch darüber nachdenken, ob Ostermann mit ihren Aussagen repräsentativ sei. „Insofern erhoffen und erwarten wir eine Korrektur dieser jüngsten, geschichtsvergessenen Aussagen“, fügten die Fraktions-Stellvertreter hinzu.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte am Dienstag auf dem Arbeitgebertag in Berlin mit Blick auf die Diskussion in der Unternehmenswelt über den Umgang mit der AfD: „Diese Partei schadet unserem Land.“ Die AfD sei eine arbeitgeber- und arbeitnehmerfeindliche Partei. Sie habe keine deutschen und europäischen Interessen. Die demokratische Mitte müsse Lösungen finden. „Aber dafür macht man nichts mit den Rechtsextremen“, sagte der SPD-Chef. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnte vor Populismus von rechts.