Große Hitze, tropischer Regen, der durch die Dächer kam, und dann auch noch ein Brand auf dem Gelände. Die 56.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in den vergangenen zwei Wochen im brasilianischen Belém um einen gemeinsamen Kurs gegen die Klimakrise rangen, taten das unter zum Teil widrigen Umständen. Nach harten Auseinandersetzungen und mit einem Tag Verspätung einigten sich die rund 200 Staaten am Samstag auf eine Abschlusserklärung. Doch Klimaschützer kritisieren die als zu schwach.
Was die zwei Wochen am Rande des Amazonas gebracht haben und wie es jetzt weitergeht – ein Überblick:
COP30: Klimakonferenz endet – ohne Fahrplan aus der Krise
Fossile Brennstoffe:
Die Konferenzleitung und auch Brasiliens Präsident Lula da Silva selbst hatten sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt – sie wollten Staaten auf einen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verpflichten. Denn das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas ist der wichtigste Treiber der Erderwärmung, ein Stopp unerlässlich, um die Welt zu schützen. Und die Brasilianer hatten Unterstützung für ihr Ziel. 80 Staaten, darunter Deutschland, stellten sich hinter den Plan und forderten, die sogenannte „Roadmap“ in die Abschlussentscheidung aufzunehmen. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra erklärte noch am Freitag, einen Beschluss ohne Fahrplan werde man „unter keinen Umständen“ akzeptieren.
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Im finalen Beschluss findet sich ein solcher Ausstiegspfad trotzdem nicht. Denn die Beschlüsse auf den Klimakonferenzen werden einstimmig gefasst. Und Länder, die gut an Öl und Gas verdienen, wie Saudi-Arabien und Russland, verweigerten ihre Zustimmung. Im endgültigen Text findet sich lediglich ein Verweis auf einen Beschluss der Konferenz vor zwei Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Damals einigte man sich auf eine Reduzierung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Schutz der Wälder: Die brasilianischen Gastgeber hatten gehofft, dass eine Konferenz am Tor zum Amazonasregenwald die Teilnehmer motivieren könnte, Wälder weltweit zu schützen. Gelungen ist das nicht, es gibt einschlägigen Beschlüsse zum Stopp der Entwaldung. Als Erfolg verbuchen kann Brasilien den Waldschutzfonds Tropical Forest Forever Facility (TFFF). Länder, die ihre Wälder erhalten, sollen nach dessen Modell mit Einnahmen aus dem Fonds belohnt werden. Umgekehrt sollen sie für jeden zerstörten Hektar Wald Strafe zahlen. Überprüft würde dies mit Satellitenbildern. Deutschland beteiligt sich mit einer Milliarde Euro am Fonds.
Anpassung an den Klimawandel: Für viele, vor allem ärmere Länder, ist Anpassung ein zentrales Anliegen bei den Verhandlungen. Schon jetzt treffen die Folgen des Klimawandels viele von ihnen hart, und vielen Ländern fehlt das Geld, sich darauf vorzubereiten. Laut UN-Umweltprogramm UNEP waren die Summen, die reiche Länder dafür geben, zuletzt sogar gesunken. In Belém wurde jetzt beschlossen, dass die Mittel, die für Anpassung zur Verfügung gestellt werden, bis 2035 verdreifacht werden sollen. Nötig wären laut UNEP mindestens 310 Milliarden US-Dollar im Jahr.
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China-Hoffnungen haben sich nicht erfüllt
Die USA und China: Die USA sind unter Donald Trump ein zweites Mal aus dem Pariser Abkommen ausgetreten. Weil die Finalisierung des Austritts ein Jahr dauert, stand das Land in diesem Jahr aber noch auf der Liste der Teilnehmer. Eine Delegation hat Washington trotzdem nicht geschickt. Damit haben sich zumindest Befürchtungen nicht bestätigt, dass die USA unter Trump die Gespräche sabotieren könnten.
Ebenso wenig erfüllt haben sich allerdings Hoffnungen, China könnte in die Lücke stoßen, die die Amerikaner hinterlassen, und eine Vorreiterrolle übernehmen. Die Volksrepublik baut zwar in rasantem Tempo zuhause erneuerbare Energien aus und liefert gleichzeitig Bauteile für die Energiewende weltweit. Trotzdem gehörte Peking zu den Akteuren, die einen ehrgeizigen Beschluss zum Thema fossile Energie hintertrieben.
Enttäuschte Reaktionen: Für den deutschen Umweltminister Carsten Schneider (SPD) war es die erste Weltklimakonferenz, die er besucht hat. Er hatte sich mehr Fortschritt erhofft: „Ich bin ein bisschen enttäuscht“, sagte Schneider am Samstag. Er hätte sich etwa ein viel stärkeres Signal gegen die Abholzung der Wälder gewünscht. Trotzdem betonte er mit Blick auf den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen: „Das Entscheidende ist, dass die Welt am Tisch sitzt, dass ein großer Spieler das Land verlassen hat und sie trotzdem zu einem Ergebnis kommt, der einen Fortschritt bringt.“ Dieses reiche aber nicht, um die Erderwärmung wie vereinbart auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Beobachter sehen vor allem die gescheiterte Initiative zum Ausstieg aus fossiler Energie als Fehlschlag der Konferenz. Martin Kaiser, Chef von Greenpeace Deutschland, sprach von einer „herben Enttäuschung“. „Diese Weltklimakonferenz ist ein weiteres Opfer der Lobbymacht der Ölstaaten“, sagte er. US-Klimaforscher Michael Mann schrieb in sozialen Netzwerken, ein Klima-Abkommen, das nicht den Ausstieg aus fossilen Energien fordere, sei wie ein Waffenstillstandsabkommen, das nicht ausdrücklich das Einstellen von Kampfhandlungen verlange.
Grünen-Chef Felix Banaszak sieht eine Mitverantwortung der Bundesregierung für das Fehlen einer entsprechenden Einigung. „Wenn die Regierung der größten Volkswirtschaft Europas seit Amtsantritt jede Woche den Klimaschutz neu infragestellt, kann sie schwer bei anderen für Ambition werben“, sagte er dieser Redaktion.
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Die nächsten Schritte: Brasilien gibt die Idee eines Ausstiegsfahrplans aus den Fossilen nicht auf: André Corrêa do Lago, der für Brasilien die Konferenz leitete, kündigte an, sowohl zum Thema Entwaldung als auch fossile Brennstoffe Pläne aufzusetzen. Die Erklärung wurde im Plenarsaal in Belém mit Applaus begrüßt. Außerdem haben Kolumbien und die Niederlande für April zu einer eigenen Konferenz zum Ausstieg aus fossiler Energie im kolumbianischen Santa Marta eingeladen.
Und auch die nächste Weltklimakonferenz wird kommen – 2026 dann in der türkischen Stadt Antalya. Die Leitung soll Australien übernehmen.








