Japans Regierungschefin Sanae Takaichi macht kein Geheimnis daraus, dass sie von Work-Life-Balance nichts hält. Bereits im Wahlkampf sagte sie, wenn sie gewählt werde, werde sie „arbeiten und arbeiten und arbeiten und arbeiten“. Nun zeigt sich: Das war kein leeres Versprechen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Takaichi gilt in ihrem Land inzwischen als Workaholic. Ob ihre Mitarbeiter darunter leiden müssen, darüber ist nun eine Debatte entbrannt. Auslöser war ein nächtliches Meeting um 3 Uhr am vergangenen Freitag, das Takaichi spontan einberief. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend über den Fall. Und in Japan ist das Thema durchaus brisant.

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Erst 2019 wurde die Anzahl an Überstunden, die die Japaner in einem Monat anhäufen dürfen, auf 45 Stunden begrenzt. Auslöser waren mehrere Selbstmorde von Angestellten. Tod durch Überarbeitung hat in Japan sogar einen eigenen Namen: „karoshi“.

Überstunden steuerfrei: Auch Union will Mehrarbeit

Japans Ex-Premier (2011-2012) Yoshihiko Noda sagte in einem Interview, ein so spätes Meeting sei „verrückt“. Takaichi könne gern so viel arbeiten, doch „sie sollte ihre Mitarbeiter nicht mit reinziehen.“ Rückhalt erhielt Takaichi von Unternehmern und aus ihrer eigenen Partei. Dennoch sah sich die Premierministerin dazu gezwungen, das nächtliche Treffen zu rechtfertigen. Im Parlament gab sie zu, dass sie „Unannehmlichkeiten verursacht“ habe.

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Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Japan derzeit eine Debatte darüber, ob die maximalen Arbeitsstunden gesetzlich wieder angehoben werden sollen. Hierzulande will die Union einen Anreiz für mehr Überstunden schaffen, indem diese steuerfrei gestellt werden. Auslöser für den spontanen nächtlichen Einsatz in Japan soll übrigens unter anderem ein defektes Faxgerät bei Takaichi zuhause gewesen sein. Faxgeräte sind in Japan in der Verwaltung weiterhin im Einsatz – noch eine Parallele zu Deutschland.