Bei einem Schusswaffen-Angriff auf eine Einrichtung der Grenzschutz- und Einwanderungspolizei ICE im Nordwesten von Dallas im Bundesstaat Texas, die Abschiebehäftlinge beherbergt, sind am Mittwochmorgen gegen 6.40 Uhr Ortszeit vier Menschen angeschossen worden, wie aus Kreisen der Bundespolizei verlautete.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es gab zwei Tote, darunter der bisher nicht identifizierte Schütze. Zwei Menschen wurden in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. ICE-Beamte kamen nicht zu Schaden – jedoch Menschen, die auf ihre Abschiebung aus den USA warteten.

Das Abschiebegefängnis, das direkt an der Autobahn I-35 liegt, geriet nach vorläufigen Darstellungen der Behörden ins Visier eines Scharfschützen, der offenbar vom Dach einer Anwaltskanzlei aus einer Entfernung von einigen hundert Metern auf den Ausgangsbereich der Einrichtung angelegt haben soll. Das sagte der zuständige ICE-Direktor Todd Lyons gegenüber dem TV-Sender ABC. 

Der Leiter der FBI-Außenstelle in Dallas erklärte in der ersten Pressekonferenz nach der Tat, dass die in der Nähe des Schützen gefundenen Patronenhülsen Botschaften enthielten, die „gegen die Einwanderungsbehörde ICE gerichtet“ waren. Präzisere Angaben machte er nicht.

Tat könnte Racheakt an Einwanderern gewesen sein

Als Polizeibeamte sich dem Mann näherten, so erklärte Heimatschutzministerin Kristi Noem, nahm sich der Täter mit einem Kopfschuss das Leben. Über seine Identität und sein Motiv war zunächst nichts bekannt. Ein Racheakt an illegalen Einwanderern wird nach ersten Berichten lokaler Reporter nicht ausgeschlossen. Das FBI betonte, man ermittle in alle Richtungen, zumal sich unter den Opfern Häftlinge befanden, aber keine Bundesbeamten.

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Noem, die in der Regierung Trump mit verantwortlich zeichnet für die Durchführung der strikten Abschiebungspolitik des US-Präsidenten, der mehrere Millionen illegale Einwanderer außer Landes schaffen will, hatte zunächst den Eindruck erweckt, ICE-Beamte seien Zielpersonen und Opfer des Attentäters gewesen. Sie bat in einer Stellungnahme darum, für die Beamten zu beten, die erhöhter Gewalt ausgesetzt seien. Texas gehört zu den größten Fürsprechern einer harten Einwanderungspolitik. In den vergangenen Wochen gab es drei Anschläge auf ICE-Einrichtungen im „Lone Star State”.

Das Attentat ereignete sich in einem Gebäude, das in der Regel zur Bearbeitung von Festgenommenen nach ihrer Verhaftung und vor ihrer Überstellung in eine Langzeit-Haftanstalt genutzt wird. Seit dem Amtsantritt von Trump haben nach ICE-Angaben mehr als 8400 Menschen dieses Gebäude durchlaufen, wobei die überwiegende Mehrheit weniger als 24 Stunden dort verbrachte, bevor sie an einen anderen Ort zur Langzeit-Unterbringung transportiert wurden. 

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Arianny Sierra, 25, berichtete Reportern, ihr Mann sei gegen 6 Uhr morgens zur ICE-Einrichtung gegangen, um sich in seinem Asylverfahren zu melden. Sie und ihr neun Jahre alter Sohn warteten draußen auf dem Parkplatz auf ihn, als sie eine Reihe von Knallgeräuschen hörten. „Ich dachte erst, es wären Feuerwerkskörper“, sagte sie. Aber dann bemerkten sie Funken und Rauch, die aus einem nahe gelegenen Anwaltsbürogebäude kamen. Sierra geriet in Panik, schnappte sich ihren Sohn und sprang in ihr Auto. Sie kauerten sich auf den Vordersitzen zusammen und versuchten, sich zu verstecken, bis Beamte eintrafen und sie in die ICE-Einrichtung zum Check-in begleiteten. Dort habe Chaos geherrscht.

News aus den USA

ICE geht rabiat gegen Einwanderer vor

Das ICE-Zentrum in Dallas ist Schauplatz wöchentlicher Morgengebete, bei denen regelmäßig Dutzend Mitglieder der Gemeinde, die sich für Einwanderer engagieren, Schilder mit Botschaften wie „Familien gehören zusammen” und „Ordentliches Verfahren” hochhalten und Einwanderern auf dem Weg zu ihren Behörden-Terminen Mut zusprechen.

Die ICE steht in der Kritik, weil die Behörde vom Weißen Haus angehalten wird, rabiat gegen undokumentierte Einwanderer vorzugehen und nach Möglichkeit täglich 3000 Menschen dingfest zu machen, damit Präsident Trump seine Abschiebeversprechen gegenüber seinen Wählern einlösen kann. Selbst in Gerichten, wo sich Einwanderer zu offiziellen Anhörungsterminen einfinden mussten, klickten die Handschellen, wurden Dutzende Personen auf der Stelle festgenommen und in Einrichtungen wie die in Dallas verbracht.

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.