Der Drohnen-Alarm an den Flughäfen von Kopenhagen und Oslo beschäftigt jetzt auch die Nato. Wie der Generalsekretär des Verteidigungsbündnisses, Mark Rutte, in Brüssel mitteilte, telefonierte er am Dienstag in dieser Angelegenheit mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. „Die Dänen untersuchen gerade, was vorgefallen ist“, sagte Rutte mit Blick auf die Drohnenüberflüge in Kopenhagen. Noch sei es aber zu früh, zu sagen, wer hinter den Vorgängen steckt.

Rutte äußerte sich unmittelbar nach einem Treffen des Nato-Rats, das Estland nach dem jüngsten Eindringen russischer Kampfjets in seinen Luftraum beantragt hatte. Das Treffen des höchsten politischen Entscheidungsgremiums der Allianz war das zweite seiner Art binnen zwei Wochen: Anfang September hatte Polen mitgeteilt, dass eine zweistellige Zahl russische Drohen weit in seinen Luftraum hineingeflogen waren. Die Regierung in Warschau beantrage daraufhin bereits Konsultationen mit den Verbündeten. Danach kam es auch zu vergleichbaren Vorfällen im rumänischen Luftraum und an einer polnischen Bohrplattform in der Ostsee.
Airport vorübergehend geschlossen: Rund 100 Flüge ausgefallen
Am Montagabend waren über dem Kopenhagener Flughafen drei Drohnen gesichtet worden. Betreiber und Behörden stellten daraufhin den Betrieb des wichtigsten Luftdrehkreuzes Skandinaviens für mehrere Stunden ein. Rund 100 Flüge fielen aus, darunter auch nach und von Deutschland. Das bedeutet, dass ein erheblicher materieller Schaden entstand. Ein ähnlicher Vorfall wurde aus Oslo gemeldet. Auch dort sollen Drohnen beobachtet worden sein, was aber laut Polizei bislang noch nicht verifiziert ist. Der Osloer Flughafen wurde in der Nacht aus Sicherheitsgründen ebenfalls gesperrt.
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Regierungschefin Frederiksen sprach vom „bislang schwersten Anschlag auf dänische kritische Infrastruktur“. Ein Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, sein Land habe mit den Vorgängen nichts zu tun.
Drohnen-Alarm: Dänemarks Ministerpräsidentin schließt russischen Hintergrund nicht aus
Frederiksen wollte am Dienstag aber ausdrücklich nicht ausschließen, dass Russland hinter der Angelegenheit stecken könnte. Sie legte dies sogar nahe, indem sie den Vorgang mit anderen der jüngsten Zeit in Verbindung brachte: „Wir haben Drohnen über Polen gesehen, die dort nicht hätten sein sollen. Wir haben Aktivitäten in Rumänien gesehen. Wir haben Verletzungen des estnischen Luftraums gesehen. Wir haben am Wochenende einen Hackerangriff auf europäische Flughäfen gesehen und nun Drohnen in Dänemark und auch in Oslo“, sagte die Ministerpräsidentin. Die Kopenhagener Polizei sprach davon, dass angesichts der Anzahl und der Größe der Drohnen ein „fähiger Akteur“ hinter den Vorfällen stecken müsse – also jemand, der die Fähigkeiten und die Mittel für ein derartiges Vorgehen hat.

Dänemark und Norwegen gehören zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Die Verteidigungsallianz umfasst heute 32 Staaten. Sie unterstützt im großen Stil die Ukraine bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs. Um die eigenen Fähigkeiten zur Abschreckung zu verbessern, wollen die Nato-Staaten in den kommenden Jahren ihre Verteidigungsausgaben drastisch ausweiten und die Schlagkraft ihrer Armeen erhöhen.
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Nach dem Treffen des Nato-Rates am Dienstag warnte die Allianz Russland ausdrücklich vor weiteren Luftraumverletzungen und drohte sogar mit der Anwendung von Gewalt. „Russland trägt die volle Verantwortung für diese Handlungen, die eine Eskalation darstellen, das Risiko von Fehleinschätzungen bergen und Menschenleben gefährden. Dies muss aufhören“, heißt es in einem veröffentlichten Statement des Bündnisses. Weiter ist zu lesen, Russland müsse sich darüber im Klaren sein, dass die Nato und die Verbündeten „im Rahmen des Völkerrechts alle notwendigen militärischen und nichtmilitärischen Werkzeuge nutzen“ würden, um sich zu verteidigen und Abschreckung zu leisten. Auf den jüngsten Drohnen-Alarm in Kopenhagen und Oslo nimmt die Erklärung aber keinen direkten Bezug.
Treffen des Nato-Rats: Estland sieht seine Sicherheit konkret bedroht
Estland hatte das Treffen im Brüsseler Nato-Hauptquartier unter Berufung auf Artikel 4 des Nordatlantik-Vertrags beantragt. Dieser sieht vor, dass ein Mitglied der Allianz Beratungen mit den anderen Verbündeten verlangen kann, wenn es sich in seiner Sicherheit bedroht sieht. Nato-Generalsekretär Rutte sagte nach dem Treffen: „Die Botschaft an die Russen ist eindeutig: Wir werden jeden Zentimeter unseres Bündnisgebietes verteidigen.“ Am Freitag waren drei russische Militärjets vom Typ MiG-31 zwölf Minuten im estnischen Luftraum über der Ostsee geflogen. Flugzeuge aus dem Nato-Land Italien, die in der Region stationiert sind, fingen sie ab und eskortierten sie in Richtung der russischen Enklave Kaliningrad.

Zu einem möglichen Abschuss von eindringenden russischen Kampfflugzeugen durch Nato-Jets sagte Rutte, dies müsse in einer konkreten Situation bewertet und entschieden werden. Zuletzt hatten bereits der polnische Regierungschef Donald Tusk und sein Außenminister Radoslaw Sikorski deutlich gemacht, dass ihre Regierung bereit ist, Flugzeuge und Raketen abzuschießen, die in den polnischen Luftraum eindringen und eine Gefahr darstellen. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte am Montag nach einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats wegen der jüngsten Verletzung des estnischen Luftraums: „Jeder muss wissen: Wir sind jederzeit reaktionsfähig.“





