- Donald Trump hat die Trauerfeier für Charlie Kirk für einen Angriff auf seine politischen Gegner genutzt
- Erika Kirk, die Witwe des getöteten Maga-Influencers, sprach hingegen von Vergebung
- Die hochkarätig besetzte Trauerfeier unterstrich, wie Trump versucht, aus dem Attentat politisches Kapital zu schlagen
Schon in den frühen Morgenstunden des heißen Sonntagmorgens hatten sich in der Wüste von Glendale, Arizona, lange Menschenschlangen vor dem State Farm Football Stadion gebildet. Die Charlie-Kirk-Fans hatten Maga-Baseball-Kappen auf dem Kopf, trugen T-Shirts mit einem großen Foto von Kirk und schwenkten Sternenbanner. Auf dem Footballplatz, wo die Arizona Cardinals der Profiliga NFL ihre Heimspiele austragen, hatten die Veranstalter eine riesige Bühne mit einem purpurroten Filzteppich aufgestellt. Dahinter prangten vor einem grellen, roten Hintergrund die Worte „Remembering Charlie Kirk“.

Darunter ein Bild, auf dem der Aktivist seine Ehefrau Erika küsst. Über den Jumbotron flimmerte dann das Logo von Kirks Aktionskomitee „Turning Point Action“. Auch Kirks Witwe Erika zählte zu den Gastrednern bei der Mega-Veranstaltung, deren hochkarätigen Teilnehmer direkt von einer VIP-Liste der berühmtesten und mächtigsten Republikaner stammten. Unter ihnen neben Donald Trump, der mit Familienmitgliedern und Freunden hinter einer kugelsicheren Scheibe saß, sein Stellvertreter JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Pentagon-Chef Pete Hegseth. Auch zahlreiche Parlamentarier, die im Kongress an den Schalthebeln der Macht sitzen.

Trauerfeier für Charlie Kirk: Jesus bei bibelfestem Publikum im Mittelpunkt
Die Veranstaltung begann mit einer Predigt des Pastors Rob McCoy. Dessen Ansprache illustrierte den religiösen Unterton, der die Gedenkfeier vor der bibelfesten Masse prägte. „Charlie Kirk hat schon als sehr junger Mann Jesus Christus als seinen Retter akzeptiert, und ich fordere Euch auf: Tut dasselbe, schämt Euch nicht, steht auf und lasst Gott in Euer Herz!“, appellierte der Pastor an die Menge. Dann folgte ein ehemaliger Lehrer des Verstorbenen. Er berichtete, wie Charlie eine Antwort nicht wusste und später fragte: „Was soll ich machen?“ Die Antwort seines Lehrers: „Lies jeden Tag die Bibel, lies die Klassiker, lies über die Gründung unserer Nation, alle werden Dir einen Weg in den Himmel zeigen.“
Andere, darunter leitende Mitarbeiter von Turning Point Action, nannten Kirk einen „Märtyrer“ und beschrieben ihn mit göttlichen Attributen. Charlie sei ein „Heiler“ gewesen, der in 31 Jahren „unzählige Menschen in die Erlösung geführt hat“. Es folgten Redner wie Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller und der rechtsgerichtete Talkshow Moderator Tucker Carlson. Beide priesen den immensen Einfluss, den Kirk auf junge Männer hatte. Seine Verdienste um Amerikas Jugend seien deswegen so bedeutend, weil der Aktivist Jugendliche für die Politik begeistern konnte. Genauer gesagt: Für eine konservative Politik, die Trump zu seinem zweiten Wahlsieg führte. Marco Rubio wagte sogar den Vergleich zum Messias. Auch Jesus habe unter Menschen gelebt, sein Leben geopfert und sei dann später wieder auferstanden.

Witwe Erika Kirk sagte über den Mörder ihres Mannes. „Diesem Mann, diesem jungen Mann, vergebe ich. Ich vergebe ihm, weil es das war, was Christus getan hat, und weil es das ist, was Charlie tun würde“, sagte sie auf der Trauerfeier für ihren Mann. Denn die Antwort auf Hass sei nicht Hass. Die Antwort aus dem Evangelium sei immer Liebe. „Liebe zu unseren Feinden und Liebe zu denen, die uns verfolgen.“
News aus den USA
60.000 warten geduldig auf Trump
Den überschwänglichen Lobgesängen zum Trotz harrten die über 60.000 Zuschauer gespannt der größten Attraktion, ihrem Helden Donald Trump. Die Marathon-Veranstaltung war viereinhalb Stunden alt, als Trump schließlich vor seinen jubelnden Anhängern erschien. Und er enttäuschte nicht. Begleitet von Feuerwerkskörpern betrat der Präsident die Bühne. Und er hielt zunächst an dem biblischen Narrativ fest. „Charlie wird ewig weiterleben“, sagte der Präsident.
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Es dauerte aber nicht lange, bis Trump wie gehabt den Bogen zur eigenen Person schlug. So erinnerte er daran, dass „wir bei der letzten Wahl mehr junge Wähler hinter uns hatten als jeder andere republikanische Präsidentschaftskandidat in der Geschichte“. Dann wiederholte Trump seinen jüngsten Slogan: „Vor einem Jahr war Amerika tot. Heute haben wir aber das heißeste Land der Welt.“ Es folgten die üblichen Hiebe gegen politische Gegner, die bösen und angeblich gewalttätigen Demokraten. Die linke „Antifa Bewegung“, die keine strukturierte Organisation ist und keinen Anführer hat, die Trump aber trotzdem offiziell als terroristische Gruppe eingestuft hat. Auch durfte es nicht an einer Dämonisierung der „linken Medien“ fehlen, die Charlie Kirk nur deswegen ablehnten, „weil er gewann“, weil er Erfolg hatte.

Eiskalte Politisierung eines Attentats
Die hochkarätig besetzte Trauerfeier unterstrich aber zugleich, wie Trump und die Maga-Bewegung versuchen, aus dem Attentat politisches Kapital zu schlagen. Während moderate Republikaner wie Utahs Gouverneur Spencer Cox zur politischen Versöhnung aufgerufen hatten, tat Trump das Gegenteil. Er schob das Attentat „gefährlichen, linksradikalen Demokraten“ in die Schuhe. Nicht einmal bei Kirks Gedenkfeier konnte der Präsident über den eigenen Schatten springen. Charlie habe immer Toleranz gepredigt und politischen Gegnern zugehört. „Das ist bei mir anders“, gab Trump zum Besten. „Ich hasse meine Gegner, ich hasse Sie. Und nun schaut her: Charlie blickt auf mich herunter und ist sauer“, fügte er einen geschmacklosen Scherz hinzu. Weil es aber Donald Trump war, applaudierte das Publikum trotzdem.









