Zum ersten Mal seit der politisch motivierten Ermordung des rechtsgerichteten Aktivisten Charlie Kirk hat die Öffentlichkeit den mutmaßlichen Attentäter live zu Gesicht bekommen. Und der mutmaßliche Attentäter Tyler Robinson blieb emotionslos. Selbst, als der 22-Jährige erfuhr, dass er für das Attentat wohl den höchsten Preis zahlen muss, nämlich mit seinem eigenen Leben. 

Attentat auf Charlie Kirk: Tyler Robinsons Pflichtverteidiger hat „Erfahrung in der Todesstrafe“

Tyler Robinson wurde von einem Zimmer des Utah County Jail via WebEx zugeschaltet. Er saß vor einer Betonwand, gekleidet in einer dunkelgrünen, kugelsicheren Weste mit schwarzen Velcro-Streifen über der Schulter. Dann meldete sich Richter Tony Graf zu Wort. „Ich rufe hiermit den Fall 251403576 auf, der Staat Utah gegen Tyler James Robinson“, verlas Graf die ersten Zeilen der Anklageschrift. Vor Gericht stand Robinson wegen insgesamt sieben schwerer Verbrechen. Darunter die Ermordung Charlie Kirks, das Abfeuern einer geladenen Schusswaffe, die Gefährdung hunderter von Menschen, die Behinderung der Justiz und die Manipulation eines Zeugen.

Das Gericht habe festgestellt, dass der Angeklagte mittellos ist, fuhr der Richter fort. Und dann holte Graf zum Keulenschlag aus: Weil Robinson kein Geld hat, werde ihm der Staat einen Pflichtverteidiger zuweisen. Und zwar einen Verteidiger der ganz besonderen Sorte, „der nämlich Erfahrung mit Fällen hat, die mit einer Todesstrafe enden können“. Die ganze Zeit wirkte der junge Mann wie betäubt, schien aber dennoch aufmerksam den Worten des Richters zu folgen.

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Hin und wieder war sogar ein leichtes, zustimmendes Nicken auszumachen. Robinson hatte das Ausmaß und die tragischen Folgen seiner Tat offenbar begriffen. Tragische Folgen für den 31-jährigen Charlie Kirk, seine Frau und Kinder. Und nun tragische Folgen für den Angeklagten sowie die ganze Robinson Familie.  

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Zwölf Minuten dauerte die Anhörung. Darin betonte auch Staatsanwalt Chad Gunander, der den Staat vertreten wird, mit Nachdruck, dass er zuvor beim Gericht formal einen Antrag auf die Todesstrafe eingereicht hatte. Utah ist einer von 27 US-Staaten, in denen besonders schwere Verbrechen zu einer Hinrichtung führen können. Vollstreckt wurden die Todesstrafen seit 1976, als der Oberste Gerichtshof „capital punishment“ legalisierte, in Utah (USA) aber nur acht Mal. Entweder durch ein Erschießungskommando oder durch eine Giftspritze. Gunander und sein Anwaltsteam wollen nun sicherstellen, dass Tyler Robinson der neunte Verbrecher wird, der sein Leben verliert.  

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Tyler Robinson mit suizidalen Gedanken nach Attentat auf Charlie Kirk 

Vor der Gerichtsanhörung hatte Utahs Staatsanwalt Jeff Gray bei einer Pressekonferenz mit falschen Berichten über die Ermittlungen aufgeräumt, die vergangenen Donnerstag zur Festnahme des 22-Jährigen geführt hatten. So war es nicht Robinsons Vater – wie es zunächst hieß – der seinen Sohn auf den veröffentlichten Überwachungsvideos erkannt hatte. Es war seine Mutter. Sie rief Tyler an und fragte, wo er sei. Der Täter behauptete, er läge in seiner Wohnung krank im Bett.   

Das anschließende Gespräch mit ihrem Ehemann ergab, dass dieser auf den Bildern seinen Sohn ebenfalls wiedererkannte. Tyler soll gesagt haben, dass „ich keinen einzigen Tag ins Gefängnis kann und alles sofort beenden will“. Die Eltern konnten ihm die suizidalen Pläne aber ausreden und Tyler überzeugen, zu ihnen zu kommen. Daraufhin rief der Vater einen langjährigen Freund an, der früher Sheriff war. Der ehemalige Ordnungshüter traf sich bald danach sich mit den Eltern sowie dem mutmaßlichen Täter und überredete Tyler dazu, sich der Polizei zu stellen. 

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Beweislage gegen Tyler Robinson „vernichtend“: Tatwaffe, DNA-Spuren, Patronenhülsen

Gray berichtete auch von der Fülle von erdrückenden Beweisen gegen den mutmaßlichen Schützen, die sie bei Robinsons Strafprozess vorlegen werden. So fand die Polizei nicht nur auf dem Handtuch, in das der Attentäter das Gewehr gewickelt hatte, ehe er es in einem Busch versteckte, seine Fingerabdrücke. Auch konnten forensische Experten Spuren von Robinsons DNA auf dem Abzugsbügel der Tatwaffe sowie auf den Patronenhülsen der abgefeuerten Kugel sicherstellen, die Charlie Kirk das Leben kostete. Auch auf zwei der unbenutzten Hülsen, in die Robinson kryptische Worte graviert hatte, die offenbar beliebte Internet-Memes waren. 

Belastend ist für den Angeklagten auch, dass die Polizei über den Ausdruck des gesamten Dialogs verfügt, den Robinson nach der Tat mit seinem Partner geführt hatte. Darin schilderte er den gesamten Tatablauf. Und Tyler gestand die Tat. Seinen Eltern zufolge hatte sich während des letzten Jahres bei Robinson ein Linksruck vollzogen. Insbesondere habe er seit Beginn der Beziehung zu seinem Transgender-Partner begonnen, für LGBTQIA-Rechte zu plädieren. Der rechtsgerichtete Kirk sei „zu voll von Hass“ gewesen, begründete er dann die Tat. Auch erklärte er, die Waffe nicht zurückholen zu können, weil eine Polizeistreife in der Nähe des Buschs, wo das Gewehr versteckt war, Wache stand. Schließlich forderte Robinson seinen Partner auf, das Gespräch zu löschen und auf keinen Fall mit der Polizei zu sprechen.  

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Tyler Robinson chattete mit Transgender-Partner über Attentat auf Charlie Kirk

„Für den Angeklagten ist diese Beweislage schlichtweg vernichtend“ erklärt Andrew McCabe, der früher stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts FBI war. Denn laut McCabe dürfe nicht vergessen werden, „dass es sich im Kern um einen recht simplen Fall handelt“. Die Ermittler hätten eine Waffe mit der DNA des Tatverdächtigen. Sie haben zudem die tödliche Kugel, eine Videoaufzeichnung von Robinsons Flucht und den Austausch mit seinem Partner. „Unter normalen Umständen würde es in diesem Fall niemals einen Prozess geben, sondern eine außergerichtliche Einigung auf eine Strafe“, ist McCabe überzeugt. „Das wird hier nur wegen der politischen Relevanz und dem Wunsch der Staatsanwaltschaft, für Robinson die Todesstrafe zu bekommen, anders sein“.