Russland betreibt einer neuen US-Studie zufolge ein weit verzweigtes Netz von Lagern zur Umerziehung und Militarisierung verschleppter ukrainischer Kinder. Dafür seien mehr als 210 Standorte eingerichtet worden, geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Yale School of Public Health hervor.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Standorte liegen sowohl in den besetzten ukrainischen Gebieten als auch tief im russischen Staatsgebiet – von der Schwarzmeerküste bis nach Sibirien und an die Ostküste am Pazifik. Insgesamt erfasst das Netzwerk 59 Regionen und erstreckt sich über mehr als 3.500 Meilen (ca. 5.633 km).

Russische Umerziehungscamps: Granatenwurf-Wettbewerbe

Die Forschenden stellten fest, dass in rund 130 Einrichtungen Programme laufen, die auf die ideologische Umerziehung abzielen. Dort werden Kinder mit prorussischen Narrativen, patriotischer Indoktrination und kultureller Beeinflussung konfrontiert.

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In mindestens 39 Einrichtungen sei es zu militärischen Trainingsprogrammen gekommen, in 34 Fällen erstmals dokumentiert. Kinder zwischen acht und 18 Jahren hätten dort Waffenübungen, Paraden oder Fallschirmtraining absolviert. Teilweise seien sie auch beim Zusammenbau von Drohnen eingesetzt worden und in manchen Fällen in Wettbewerbe wie Granatenwurf oder taktische Sanitätsübungen eingebunden worden.

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Manche der Kinder würden auf unbestimmte Zeit festgehalten, andere seien in russische Pflegefamilien überführt, dort eingebürgert und zu russischen Staatsbürgern gemacht worden. Damit zeige sich, so die Yale-Forschenden, ein systematischer Versuch der Russifizierung.

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Laut Bericht wurden seit 2021 zwei neue Kadettenschulen gebaut und knapp ein Viertel der identifizierten Standorte erweitert oder mit neuen Gebäuden versehen. Mehr als die Hälfte der Lager werde direkt von russischen Behörden betrieben, wie aus öffentlich zugänglichen Unternehmens- und Verwaltungsdokumenten hervorgehe. Damit liege die Steuerung in hohem Maße beim Staat selbst.

US-Studie bezieht sich auch auf russische Regierungsangaben

Die Yale School of Public Health bezeichnete das gesamte Netz als ein „potenziell beispielloses System“, das Zehntausende Kinder über lange Zeiträume aufnehmen könne.

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Die Forschenden stützten sich auf offene Quellen – darunter russische Regierungsangaben und Medienberichte – sowie auf hochauflösende Satellitenbilder. Für jeden Standort seien mindestens fünf unabhängige Belege gesammelt worden, um die Präsenz ukrainischer Kinder zu bestätigen.

Russland spricht von freiwilligen Evakuierungen

Die Erkenntnisse stützen die Vorwürfe des Internationalen Strafgerichtshofs (IGH) in Den Haag. Im März 2023 hatte der IGH Haftbefehle gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und die Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erlassen. Ihnen wird die unrechtmäßige Verschleppung ukrainischer Kinder vorgeworfen – ein Kriegsverbrechen. Moskau bestreitet die Vorwürfe und spricht von freiwilligen Evakuierungen aus dem Kriegsgebiet. Auf den neuen Yale-Bericht reagierte die russische Regierung bislang nicht.

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Im Krisenmodus
 

„Was wir hier vor uns haben, ist ein beispielloses Netzwerk von Einrichtungen, die seit 2014 eigens dafür gebaut und erweitert wurden, um ukrainische Kinder zu Russen zu machen“, sagte Nathaniel Raymond, Direktor des Humanitarian Research Lab der Yale School of Public Health, gegenüber dem „Guardian“. „Es handelt sich um eine Pipeline, in der ukrainische Kinder umerzogen – einer Gehirnwäsche unterzogen – und zu Soldaten gemacht werden.“ Mehr als 1600 verschleppte Kinder sind nach ukrainischen Angaben inzwischen zurückgekehrt.

kmh