Es ist erst zwei Jahrzehnte her, dass führende Politiker hierzulande im Brustton der Überzeugung behaupteten, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Das war schon damals Unfug und ist es heute erst recht. Fast jeder dritte Mensch hierzulande hat einen Migrationshintergrund. Bei allen berechtigten Debatten über Integrationsprobleme und Grenzen der Aufnahmefähigkeit: Kein Politiker, der nicht dem Wunschdenken verfallen ist, würde heute noch behaupten, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei. Ausländische Wurzeln zu haben ist hierzulande inzwischen normal – fast so normal wie der Umstand, ein Bio-Deutscher zu sein.

Selen als neuer Verfassungsschutz-Präsident: Er gilt als exzellente Wahl
So gesehen sollte es auch normal sein, dass eine besonders sensible Bundesbehörde nun erstmals einen Chef bekommt, der nicht in Deutschland zur Welt kam: Der bisherige Vize-Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, soll neuer Präsident des Inlandsgeheimdienstes werden. Selen wurde 1972 in Istanbul geboren, kam einige Jahre später mit seinen türkischen Eltern nach Deutschland und wuchs in Köln auf. Der Jurist kann eine beeindruckende Karriere im deutschen Sicherheitsapparat vorweisen. Unter Fachleuten gilt er als exzellente Wahl.
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Das ist das moderne Deutschland: Menschen mit ausländischen Wurzeln werden Behördenchef, Abgeordnete, Parlamentspräsidentin, Ministerin oder Oberbürgermeister, Konzernlenker oder Betriebsratsvorsitzender. Es ist das Aufstiegsversprechen der offenen Gesellschaft: Wenn Du fleißig bist und Dich an die Regeln hältst, ist alles möglich. Es kommt nicht darauf an, woher jemand kommt. Sondern darauf, was er kann. Das ist die Einstellung, die Deutschland voranbringt. Und alle, die eine zweite Heimat haben, auch.




