Annalena Baerbock (44) hat die öffentliche Aufmerksamkeit mit neuen Videos aus New York selbst befeuert, jetzt geht es wirklich los: Am Dienstagnachmittag trat die Ex-Außenministerin offiziell ihr Amt als Präsidentin der UN-Vollversammlung an. Baerbock legte ihren Amtseid auf die Charta der Vereinten Nationen ab, gleich danach bekam sie von ihrem Vorgänger Philemon Yang den Sitzungshammer überreicht. Aber was ist das eigentlich für ein Amt? Was verdient Baerbock in New York? Und warum ist ihr Job für Deutschland von großem politischen Interesse? Drei Fragen, drei Antworten zu Baerbock bei den Vereinten Nationen.

Was verdient Annalena Baerbock im UN-Amt?

Ihr Gehalt bezahlt Deutschland, das entspricht der Praxis der Vereinten Nationen. Die 44-Jährige hat mit dem Auswärtigen Amt einen Dienstvertrag geschlossen. Die Vergütung entspricht nach Angaben des Ministeriums der Besoldungsgruppe B 9 – das ist die Stufe, die für deutsche Botschafter in großen Auslandsvertretungen gilt. Das Gehalt dürfte damit bei etwa 13.000 Euro Grundgehalt im Monat liegen, hinzu kommen mehrere tausend Euro Auslandszuschlag und eine Wohnung in New York. „Es gelten für alle Aspekte der Entsendung, wie etwa Gehalt und Wohnung, die Vorschriften für ins Ausland entsandte Beschäftigte des Auswärtigen Amts analog“, erläutert das Ministerium. Baerbock wird das Jahr gemeinsam mit ihren beiden Töchtern in New York verbringen, die dort zur Schule gehen; von ihrem Ehemann Daniel Holefleisch hatte sie sich Ende 2024 getrennt.  

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Welche Aufgabe hat Baerbock bei den Vereinten Nationen?

Großer Titel, wenig Macht: Baerbocks Job ist offiziell das höchste Amt der Vereinten Nationen mit ihren 193 Mitgliedstaaten, der repräsentative Posten hat aber vor allem protokollarische Funktion. Die Präsidentschaft in der UN-Vollversammlung ist nicht zu verwechseln mit dem Amt des einflussreichen UN-Generalsekretärs – auf dem Stuhl des mächtigen Chefdiplomaten sitzt noch bis Ende 2026 der 76-jährige Portugiese António Guterres. Baerbocks Aufgabe ist dagegen, die Sitzungen zu leiten und zum Beispiel darauf zu achten, dass Redezeiten und Regeln eingehalten werden und sich niemand übergangen fühlt. Einfluss hat sie eher hinter den Kulissen.

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Prestigeträchtig ist der auf ein Jahr befristete Posten allemal: Er wird gern mit früheren Regierungsmitgliedern besetzt, ihr Vorgänger Yang war Präsident von Kamerun. Baerbock ist die fünfte Frau in der 80-jährigen Geschichte der Vereinten Nationen. Heikle Sitzungen stehen ihr bevor: Schon ab Dienstag in zwei Wochen leitet sie die Generaldebatte der Vollversammlung, eine Art UN-Gipfel, bei der viele Staats- und Regierungschefs auftreten – angemeldet ist als Redner auch US-Präsident Donald Trump. Ihrem Nachfolger Johann Wadephul (CDU) wird Baerbock dann ebenfalls für eine Rede das Wort erteilen. Die Vollversammlung wird sich in der Gipfelwoche auch mit der Anerkennung Palästinas als eigenständiger Staat befassen. In Baerbocks Amtszeit fällt die Wahl eines neuen Generalsekretärs. Sie selbst sagt zu ihrer Aufgabe, sie wolle „Brückenbauerin sein, die die unterschiedlichen Stimmen an einen Tisch bringt“. Und sie will die öffentliche Selbstdarstellung der UN verbessern, vor allem mit Blick auf jüngere Menschen – in sozialen Medien dürfte die Ex-Ministerin schon deshalb weiter präsent sein.

Warum ist Baerbocks Amt für Deutschland so wichtig?

Die Bundesregierung hat bei den Vereinten Nationen viel vor: Sie strebt für die Periode 2027/28  einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an, dem eigentlich entscheidenden Gremium der Vereinten Nationen. „Wir sind in der heißen Phase unserer Kandidatur für den Sicherheitsrat“, sagte Außenminister Wadephul bei der Eröffnung der jährlichen Botschafterkonferenz in seinem Ministerium zu Wochenbeginn. Der Sicherheitsrat sei „das höchste wirklich globale Gremium für die Sicherheit der Welt“, Deutschland gehöre als eines der zentralen europäischen Gewichte an diesen Tisch.

Baerbock in New York
Annalena Baerbock in New York.© abaerbock/Instagram | abaerbock/Instagram

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte vor den Botschaftern, Deutschland kandidiere für den Sicherheitsrat, um bei der Stärkung internationaler Regeln und Strukturen voranzugehen. Wadephul erteilte den Diplomaten einen dringenden Auftrag: Jeder Botschafter soll jetzt in seinem Gastland für Deutschlands Kandidatur werben. Klar, dass der Blick auch auf die Außenamts-Bedienstete Baerbock fällt. In der Bundesregierung ist die Ex-Ministerin nicht unumstritten – aber dass sie ihren Job gut macht und Deutschlands Einfluss stärkt, ist auch im großen Interesse von Merz und Wadephul.