Die Bundesregierung im „U-Boot“? Was zunächst irritierend klingt, geht auf den Spitznamen eines abhörsicheren Raumes im Bundesverteidigungsministerium zurück, in dem sich die Ministerinnen und Minister mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) getroffen haben. Das Kabinett Merz tagte am Mittwoch statt im Kanzleramt im „U-Boot“, wie der Raum auch genannt wird. Der Tagungsraum befindet sich in der Stauffenbergstraße in Berlin; im Bendlerblock.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Die Inbetriebnahme des Tagungsraumes verursacht Töne, die an die Geräuschkulisse an Bord eines U-Bootes erinnern“, so erklärt das Verteidigungsministerium auf seiner Website den Spitznamen des Raumes. Der abhörgeschützte Besprechungsraum wird insbesondere für sensible Gespräche genutzt. Dass die Bundesregierung ihn für Mittwoch gebucht hat, um über die Reform der Wehrpflicht zu beraten, ist eher eine Ausnahme. Und als Signal zu deuten, wie ernst die Lage ist, wie historisch eine mögliche Reaktivierung der Wehrpflicht sein könnte.

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In der Corona-Pandemie hatten sich zwar ebenfalls Teile der Bundesregierung für Videokonferenzen mit Geheimhaltungsstufe in dem Raum einquartiert. Dass die Bundesregierung eine Sitzung dort abhielt, ist laut Verteidigungsministerium das letzte Mal Ende 2006 unter Bundeskanzlerin Merkel vorgekommen.

Bilder aus dem Inneren des Raumes gibt es keine. Bekannt ist, dass sich ein Pendant des „U-Boots“ auf der Hardthöhe in Bonn befindet, dem anderen Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung. Auf der Website heißt es weiter: „Vor dem Umzug großer Teile der Bundesregierung Ende der 1990er-Jahre war der abhörgeschützte Konferenzraum auf der Bonner Hardthöhe ein regelmäßig genutzter Ort für Sitzungen des Bundeskabinetts.“

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Der Raum in Bonn hat historische Bedeutung. Über verschiedene Lagen und Krisen wurde dort beraten: In den 1960er-Jahren wurden der Vietnamkrieg, später Krisen im Kalten Krieg oder auch die Reaktionen der Warschauer Pakt-Staaten auf den NATO-Doppelbeschluss abhörgeschützt analysiert und diskutiert. Lagen im Irak-Krieg oder um den Konflikt im Kosovo wurden dort ebenfalls besprochen. Auch wurde nach der Wiedervereinigung 1990 in dem Besprechungsraum das Lagezentrum Deutsche Einheit eingerichtet, heißt es vom Verteidigungsministerium.