Das Waffensystem FP-5 „Flamingo“ ist der neue Hoffnungsträger der Ukraine. Es befindet sich noch in der Testphase – laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist die bislang „erfolgreich“ verlaufen. Bis Ende des Jahres will die Ukraine deshalb so weit sein, dass sie Anfang 2026 in die Massenproduktion gehen kann.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die wichtigste Eigenschaft des Flamingos: Der Marschflugkörper hat laut seinem Hersteller eine enorme Reichweite. Bis zu 3000 Kilometer kann die Rakete demnach zurücklegen – und wäre damit für Russland eine ungemeine Bedrohung. Selbst Ziele weit hinter dem Uralgebirge könnten damit angegriffen werden.

3000 Kilometer Reichweite, große Sprengkraft: Was die FP-5 Flamingo so gefährlich macht

Allein der Sprengkopf der Rakete wiegt nach Angaben des Herstellers mehr als eine Tonne. Der Marschflugkörper kann zudem mehr als eine Tonne Sprengstoff transportieren, heißt es. Er ist zwölf bis 14 Meter lang und wiegt insgesamt etwa sechs Tonnen. Entwickelt wurde die FP-5-Rakete vom ukrainischen Rüstungsunternehmen Fire Point: Die Firma ist erst 2022 gegründet worden und seitdem stark gewachsen. Mehrere neuartige Kampfdrohnen wurden bislang von dem Unternehmen entwickelt.

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Iryna Terekh, CEO und technischer Vorstand des Unternehmens, sagte dem Nachrichtenportal „Politico“: „Ich werde Ihnen die genaue Geschwindigkeit nicht verraten, aber ich kann sagen, dass sie schneller ist als alle anderen Raketen, die wir derzeit haben.“ Mehrere Militärblogger schreiben von einer Endgeschwindigkeit von etwa 950 Kilometern pro Stunde; die Reisegeschwindigkeit dürfte jedoch niedriger sein.

Ukrainisches Rüstungsunternehmen Fire Point steckt hinter der FP-5 Flamingo

Reporter der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) haben die geheimen Fabriken des Herstellers Ende August exklusiv besuchen können. Dabei sagte Terekh gegenüber Journalisten zur Verteidigungsstrategie gegen Russland: „Der Kampf in der Luft ist derzeit unser einziger wirklicher asymmetrischer Vorteil auf dem Schlachtfeld.“ Ansonsten sei man Russland personell und finanziell unterlegen.

Was die Ukraine bislang auf ihrer Seite hat, sind weitreichende Drohnensysteme. Auch die Kampfdrohne FP-1 geht auf das ukrainische Unternehmen zurück. Mit mehr als 1500 Kilometern hat sie ebenfalls eine beeindruckende Reichweite. Ihr Vorteil gegenüber anderen Drohnensystemen liegt zusätzlich in der Eigenschaft, keine eigene Startbahn zu benötigen.

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Wie die ukrainische Rakete „Flamingo“ ihren Namen bekam

Laut „Politico“ produziert das Fire Point derzeit einen Flamingo-Marschflugkörper pro Tag – ab Oktober sollen es sieben am Tag sein. Das Ziel liege bei etwa 200 Exemplaren pro Monat. Ihren Namen hat die neue Super-Rakete übrigens einem Produktionsfehler zu verdanken: Erste Varianten wurden fälschlicherweise mit einer pinken – statt silbergrauen – Spitze produziert. Behalten konnte sie ihre Signalfarbe allerdings nicht; das würde militärischen Tarnvorschriften widersprechen.

Aber der Name „Flamingo“, der bleibt. Er war als firmeninterner Witz gestartet; als Anspielung auf den Fakt, dass die Welt der Waffen und des Militärs noch immer von Männern dominiert ist. „Man braucht keinen furchteinflößenden Namen für eine Rakete, die 3000 Kilometer weit fliegen kann“, sagte Terekh gegenüber „Politico“. „Das Hauptziel ist, dass eine Rakete effektiv ist.“

Ukraine will militärisch unabhängiger werden – durch eigene Waffenproduktion

Beeindrucken dürfte an dem neuen Raketensystem auch der Umstand, dass – nach Angaben von Fire Point – von der Idee bis zu ersten Tests auf dem Schlachtfeld laut Terekh nur neun Monate vergangen sind. Und, so Terekh: „Sie stammt vollständig aus ukrainischer Produktion.“

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Die Ukraine will im Kampf gegen Russland zunehmend unabhängiger von Partnern werden: Das bedeutet, Waffen in der Ukraine selbst zu produzieren. „Wir glauben, dass unsere beste Garantie nicht darin besteht, uns auf den Willen anderer zu verlassen, uns zu schützen, sondern vielmehr auf unsere Fähigkeit, uns selbst zu schützen“, sagte jüngst Arsen Zhumadilov, der Leiter der Waffenbeschaffungsbehörde des Landes.

Waffenexperte: FP-5 könnte „stärkste Sicherheitsgarantie für die Ukraine“ werden

Mehrere Militärblogger und Waffenexperten halten diesen Kurs für erfolgversprechend. Laut Fabian Hoffmann könnte sich die FP-5 tatsächlich als „stärkste Sicherheitsgarantie für die Ukraine erweisen“. Hoffmann ist Doktorand an der Universität Oslo mit den Forschungsschwerpunkten Verteidigungspolitik, Raketentechnologie und Nuklearstrategie.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Ihm zufolge ist die Flamingo-Rakete das erste „schwere“ Raketensystem, das große Reichweite und schwere Nutzlast miteinander verbinde. „Es bietet eine deutlich höhere Tödlichkeit durch eine bessere Durchschlagskraft des Sprengkopfes und eine höhere Sprengkraft“, schreibt der Blogger.

Militärexperte: Erfolg der Flamingo ist abhängig von zwei Faktoren

Den Erfolg des neuen Raketensystems hält er letztlich für abhängig von zwei Faktoren: dem Produktionsumfang und der Fähigkeit Russlands, die Marschflugkörper abzuwehren. „Die entscheidende Frage ist nicht, ob die FP-5 durchkommen, sondern wie viele“, schreibt Hoffmann.

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Der Experte ist sicher: „Wenn die Ukraine 3000 bis 5000 dieser (und ähnlicher) Raketen aufstellen kann, die innerhalb von 24 bis 48 Stunden einsatzbereit sind und über 25 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung zerstören können, wird eine weitere russische Aggression unhaltbar“, schreibt er auf der Plattform X.

Durch die Entwicklung des Flamingo-Systems müsse man sich auf zwei Szenarien vorbereiten, schreibt der Experte weiter: Russland werde erstens „die Atomtrommel rühren, um die westlichen Staaten unter Druck zu setzen und sie dazu zu zwingen, die Ukraine zum Abbruch der Angriffe auf die russische Industrie zu zwingen.“ Zweitens prophezeit er, dass Russland bei einem Friedensabkommen darauf bestehen dürfte, dass die Ukraine im Raketenbereich abrüsten muss.