Noch vor wenigen Wochen verging kaum ein Tag, an dem sich Elon Musk nicht in die US- und die Weltpolitik einmischte – zunächst als brennender Unterstützer von Donald Trump, nach dem Bruch als Gegenspieler, der Trump in der Epstein-Affäre unter Druck setzte und dem US-Präsidenten später offen den politischen Kampf ansagte, indem er ankündigte, eine eigene Party gründen zu wollen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Doch seitdem ist es ruhiger um den Tech-Milliardär geworden, die Provokationen werden weniger oder bleiben aus. Und nun hat der reichste Erdenbürger offenbar auch noch seine Pläne, eine neue Partei in den USA zu gründen, auf Eis gelegt, wie zuerst das „Wall Street Journal“ berichtete. Was ist da los bei Elon Musk?
Elon Musk: Er hält sich auffallend zurück – und legt Pläne für „America Party“ wohl auf Eis
Angeblich hatte er die Sorge, damit republikanische Freunde zu verärgern. Stattdessen erwähnt er nun, den amtierenden Vizepräsidenten JD Vance als möglichen Spitzenkandidaten bei der Wahl im Jahr 2028 zu unterstützen. Der reichste Erdenbürger hat einschlägige Medienberichte zu seiner „America Party“ zwar nicht regelrecht dementiert. Gleichwohl sagte er, dass man „nichts glauben darf, was in dem ‚Wall Street Journal‘ steht“.

Der Ausflug des gebürtigen Südafrikaners in die amerikanische Politik unterlag ähnlichen Schwankungen wie der Aktienkurs von Tesla, Musks Flaggschiffprodukt. Nach dem Anschlag auf den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump im Juli 2024 sagte der reichste Erdenbürger dem Immobilienunternehmer seine volle Unterstützung zu.
Musk war erst Trumps wichtigster Helfer – und schwang sich dann zum Kontrahenten auf
Musk soll von dem Mut und Kampfgeist Trumps so fasziniert gewesen sein, dass er 300 Millionen Dollar in dessen Kampagne investierte. Auch siedelte der Unternehmer für einen Monat in den entscheidenden Swing State Pennsylvania über, um bei unschlüssigen Wechselwählern für den Republikaner zu werben. Das Engagement zeigte Wirkung. Denn Trump gewann nicht nur Pennsylvania, sondern auch alle übrigen Swing States.

Nach seinem Wahlsieg revanchierte sich der 47. Präsident, indem er Musk faktisch in seine Regierung holte. Der Milliardär wurde Chef der Effizienzbehörde DOGE. Er entließ tausende Bundesbeamte und behauptete, auf diesem Wege das Haushaltsdefizit um zwei Billionen Dollar drücken zu können. Die Männerfreundschaft zwischen Trump und dem Milliardär hatte aber ein abruptes Ende, als Musk sich über Trumps neues Steuergesetz ärgerte.
Der „Big Beautiful Bill” beendete nämlich Steuergutschriften für den Kauf von Elektroautos, worunter Tesla erheblich litt. Der Unternehmer brannte dann sämtliche Brücken zum Weißen Haus ab, als er in einem Post auf seiner Plattform X schrieb, dass Trumps Name auf der berüchtigten „ Epstein-Liste“ stehe. Das Notizbuch des verurteilten Kinderschänders soll sämtliche Personen enthalten haben, die den Epstein begleitet hatten, als er mit minderjährigen Mädchen auf seine Privatinsel flog.
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Elon Musk ist von der Realität eingeholt worden
Nach dem Zerwürfnis mit Trump wollte Musk dem Präsidenten in den Rücken fallen. Am 4. Juli hatte der Kongress das „BBB“ verabschiedet. Einen Tag darauf, also weniger als 24 Stunden nach dem US-Nationalfeiertag, kündigte Musk an, die America Party zu gründen. Deren erklärte Mission: „Eine Politik zu verfolgen, die Gerechtigkeit vor etablierte Interessen, Innovation vor Bürokratie und verantwortliche Haushaltspolitik vor leichtsinnige Geldverschwendung stellt“. Auch gelte es, „nationale Sicherheit durch strategische Selbstständigkeit zu erreichen“. Einfacher ausgedrückt, wie Musk auf „X“ formulierte: Die America Party habe das Ziel, „den Wählern eine Stimme zu geben“.
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Doch in den sechs Wochen seit der Gründung der Drittpartei ist der Idealist und Paradiesvogel von der Realität eingeholt worden. Weder hat Musk die Partei bei der zuständigen „Federal Election Commission“ (FEC) noch in einzelnen Bundesstaaten formal registrieren lassen. Auch hat er es versäumt, die Partei wie versprochen selbst zu finanzieren. Damit ist die America Party bis heute keine politische Partei, sondern nur ein Konzept.
Musk ist ein Freund von JD Vance
Auch meinen Experten, dass er den administrativen Einsatz, die Zeit und das Geld unterschätzt hat, die notwendig sein würden, um in einem traditionellen Zweiparteiensystem eine überlebens- und wettbewerbsfähige Drittpartei ins Rennen zu schicken. Hinzu kommt, dass Musks bisherigen Vorstöße in die politische Arena gescheitert sind. Dazu zählen die Millionen, die er in Swing States investiert hat, um erzkonservative Juristen in hohe Richterämter zu hieven.
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Unterdessen sind die entscheidenden Gründe, warum die America Party nicht aus den Startlöchern kam, ganz andere: Der Tesla- und SpaceX-Chef ist ein großer Fan von Vizepräsident Vance und versteht sich als dessen Kumpel. Und Vance ist nicht nur Trumps Stellvertreter und der designierter „Kronprinz“, der 2028 seine Nachfolge antreten soll. Auch ist er der Finanzchef der Republikanischen Partei und sammelt bereits eifrig Spenden für die Kongresswahlen im November 2026.
Musk weiß sehr wohl, dass er mit der America Party seinem „Freund“ das Leben schwer machen würde. Schließlich appellieren das Konzept der Drittpartei und ihre Mission direkt an Wähler der Maga-Bewegung „Make America Great Again“. Diese bildet wiederum die politische Basis des Präsidenten und Vizepräsidenten.

Musk bekommt zunehmend Druck von den Tesla-Großaktionären
Zu den Sympathien für Vance und dem Wunsch, die Republikaner bei Laune zu halten, gesellen sich bei Musk auch nüchterne geschäftliche Überlegungen. So rutschte die Tesla-Aktie nach dem Amtsantritt des Gespanns Trump-Vance-Musk innerhalb von zwei Monaten von 423 auf 220 Dollar.
Großaktionäre des Unternehmens hatten Druck auf den Gründer ausgeübt, sich von der Politik abzuwenden und sich stattdessen seinen Unternehmen zu widmen. Nach der Ankündigung vom 5. Juli, die America Party aus der Taufe zu heben, haben nervöse Anleger sich wieder zu Wort gemeldet. Auch das dürfte Musk veranlasst haben, sich wieder auf das unternehmerische Kerngeschäft zurückzubesinnen.










