Die Burschenschaft Markomannia Aachen zu Greifswald macht jungen deutschen Männern Angebote, die man besser ablehnt. Zumindest, wenn man dauerhaft das Büro eines Bundestagsabgeordneten leiten möchte. Neben „U-Boot-Kneipen“ und „Germanengelagen“ wurde zuletzt zur „Ostlandfahrt“ ins frühere Ostpreußen, heute Polen, geladen. „Alljährlich fahren wir in die Ostgebiete, um am malerischen Dadaisee zu weilen, der vertriebenen Deutschen zu gedenken und die gefallenen Soldaten und ermordeten Zivilisten zu ehren, (...), die im Verteidigungskampf gegen die vorrückende Rote Armee fielen“, heißt es auf der Instagram-Seite der Markomannen ganz im Stil der Nazi-Propagandasendung „Deutsche Wochenschau“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Auch Sandro M., Büroleiter des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor, war Mitglied der Markomannen, einer pflichtschlagenden Verbindung, die Mitglied im Kartellverband Deutsche Burschenschaft ist. „War“ – den, wie zuerst „Spiegel Online“ meldete, ist Sandro M. inzwischen ausgetreten, nachdem die „taz“ über den Fall berichtet hatte. Sandro M. soll demnach nicht nur als Student bei den Markomannen aktiv gewesen sein, sondern diesen auch nach seinem Studium als sogenannter „Alter Herr“ angehört haben. Dass Sandro M. vor allem auf Druck von Amthor aus der Burschenschaft ausgetreten ist, darf als sicher gelten.
| Name | Philipp Amthor |
|---|---|
| Geburtsdatum | 10. November 1992 |
| Amt | Bundestagsabgeordneter, Staatsminister für die Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kanzleramt |
| Partei | CDU |
| Parteimitglied seit | 2008 |
| Ausbildung/Beruf | Jurist |
| Familienstand | Ledig |
| Wohnort | Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern) |
Im Haus der Burschenschaft war auch Martin Sellner zu Gast
Er verteidige zwar das Recht seiner Mitarbeiter auf private Lebensführung, allerdings sei es völlig inakzeptabel, wenn Gruppierungen offenkundige Rechtsextremisten wie Martin Sellner salonfähig machten, erklärte Amthor, der Staatssekretär im Bundesdigitalministerium ist, Spiegel Online. Der Rechtsextremist Martin Sellner, ehemals Kopf der österreichischen Identitären Bewegung, referierte nach Recherchen der „taz“ 2019 im Haus der Burschenschaft in Greifswald zum Thema „Bewahrung unserer Identität“. Auch andere Köpfe der neurechten Bewegung gingen dort offenbar ein und aus, so etwa Erik Lehnert, ein Vertrauter des rechten Vordenkers Götz Kubitschek und ehemaliger Leiter des mittlerweile aufgelösten Instituts für Staatspolitik.
Amthor, der zwischen 2012 und 2017 selbst an der Universität Greifswald studiert hatte, bezeichnete den Austritt seines Büroleiters aus der Burschenschaft gegenüber Spiegel Online als „Konsequenz einer längerfristigen Entwicklung dieser Vereinigung“. Anders als einige seiner früheren Bundesbrüder, die bei der AfD gelandet sind, ist Sandro M. CDU-Mitglied und gehört dem Kreisverband Vorpommern-Greifswald an, wo er für Mitgliederfragen zuständig ist.
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Für Amthor scheint die Angelegenheit damit erledigt zu sein. Nicht aber für die Linkspartei in Mecklenburg-Vorpommern. Deren Vorsitzender Hennis Herbst fordere Amthor auf, sich von seinem Mitarbeiter zu trennen. Seine Begründung: rechtes Gedankengut könne nicht einfach durch einen Austritt abgelegt werden. Herbst führte auch Sicherheitsbedenken an, denn Sandro M. habe in seiner Funktion als Büroleiter möglicherweise auch Zugang zu sensiblen, sicherheitsrelevanten Informationen.
tok





