Caroline Bosbach gilt als eine der auffälligeren Neuzugänge im Deutschen Bundestag – nicht nur wegen ihres bekannten Namens. Die CDU-Politikerin aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis soll Parteigelder privat entgegengenommen haben. Sie wehrt sich gegen die Vorwürfe. Doch wer ist Caroline Bosbach und was genau wird ihr vorgeworfen?

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Geboren wurde Bosbach 1989 in Bergisch Gladbach als älteste Tochter des langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach. Nach ihrem Abitur studierte sie Wirtschaftskommunikation in Berlin und arbeitete zunächst in der freien Wirtschaft – unter anderem als Marketing- und Strategieberaterin bei einer PR-Agentur. Nebenbei war sie als Moderatorin bei Veranstaltungen in Politik und Wirtschaft tätig, unter anderem als Referentin im Wiesbadener Rathaus.

Bosbach ist – wie ihr Vater – in der CDU aktiv. Doch während Wolfgang Bosbach oft dem konservativen Parteiflügel zugerechnet wurde, positioniert sich seine Tochter eher in der bürgerlichen Mitte. Ihre Ansichten beschrieb sie in ihrem 2021 erschienenen Buch „Schwarz auf Grün – Was die schweigende Mehrheit umtreibt. Für eine neue Politik der Mitte“. Im selben Jahr wurde sie zur Bundesvorsitzenden des Jungen Wirtschaftsrats der CDU gewählt. Im Februar 2025 gelang ihr schließlich der Einzug in den Bundestag: Mit 42,2 Prozent der Erststimmen sicherte sie sich das Direktmandat im Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis.

209674_1325_209674_cover.jpg
#21 Felix Banaszak über den Schimanski in sich - und sein beiläufiges Coming-out
Meine schwerste Entscheidung
 

Caroline Bosbach: In diesen Shows trat die Politikerin schon auf

Bekannt ist Caroline Bosbach allerdings nicht nur durch politische Inhalte: Schon zu Schulzeiten arbeitete sie als Model, war unter anderem auf dem Cover des Michael-Wendler-Titels „Nina“ zu sehen. 2019 trat sie gemeinsam mit ihrem Vater in der VOX-Dokumentation „7 Töchter“ auf – einem Format, das Einblicke in das Leben von Frauen aus prominenten Familien bot. Im selben Jahr war sie bei „Grill den Henssler“ zu Gast, später auch in Quizshows wie „Wer weiß denn sowas?“, „Quizduell Olymp“ oder „Das große Deutschland-Quiz“.

Für besondere mediale Aufmerksamkeit sorgte zudem ihre Teilnahme an der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ im Jahr 2022, wo sie gemeinsam mit Profitänzer Valentin Lusin auftrat und betonte, Politik müsse sich auch in neuen Formaten zeigen dürfen. „Politiker in Deutschland haben immer noch große Berührungsängste mit Unterhaltungsfernsehen“, sagte Bosbach dem Portal Rhein24. „In meinen Augen ist das nicht nötig, solange man nicht gleich in den ‚Dschungel‘ geht und man trotzdem noch seine Arbeit gut macht.“

Privat war Bosbach einige Jahre mit dem SPD-Politiker Oliver Strank liiert. Doch 2021 gab das Paar die Trennung bekannt: „Wenn beide ehrgeizig sind und etwas erreichen wollen, dann funktioniert das nicht, wenn man in zwei verschiedenen Parteien engagiert ist“, sagte Bosbach gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“.

Welche Vorwürfe gegen Caroline Bosbach im Raum stehen

Nun aber sieht sich Bosbach mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Den Ausgangspunkt lieferte Ende Juli eine gemeinsame Recherche von RTL/ntv und dem „Stern“. Demnach soll Bosbach im Zuge ihres Bundestagswahlkampfs Parteigeld in Höhe von 2500 Euro privat entgegengenommen haben. Ein ehemaliger Wahlkampfhelfer hatte angegeben, eine Scheinrechnung über den Betrag für Leistungen ausgestellt zu haben, die er aber nie erbrachte.

Auch interessant

Bosbach weist das entschieden zurück. Auf Instagram erklärte sie: „Gegen mich läuft aktuell eine Schmutzkampagne.“ In einem weiteren Video sagte sie: „Ich habe mich nicht bereichert, und der CDU Rhein-Berg ist kein Schaden entstanden.“ Das sagt auch ihr Anwalt, Ralf Höcker: „Die Vorwürfe sind falsch“, heißt es in einer Erklärung, die auch auf der Plattform X (ehemals Twitter) veröffentlicht wurde. Er bezeichnete die Anschuldigungen „als Teil einer perfiden Rachekampagne“. 

Weiter betont Höcker, die fraglichen Leistungen seien sehr wohl erbracht worden. Dies sei auch dokumentiert. Ein finanzieller Nachteil für die Partei sei nie entstanden. Zudem habe Bosbach nach dem Aufkommen der Vorwürfe zusätzlich 2500 Euro an die CDU überwiesen, „um jegliche Zweifel zu beseitigen und selbst einen in Wahrheit nie entstandenen, hypothetischen Schaden auszugleichen“. Der CDU-Kreisverband bestätigte den Zahlungseingang, sieht aber weiterhin Klärungsbedarf. In einer Stellungnahme heißt es, es gebe „zahlreiche Fragen“, die bislang „nicht zufriedenstellend beantwortet wurden“. Bosbach soll diese Fragen jetzt bis Freitag schriftlich beantworten. Am Samstag will der Vorstand dann erneut beraten.

Geld für Stimmen? Vorwürfe „sind falsch“, sagt Bosbach

Mittlerweile liegen die Unterlagen auch der Staatsanwaltschaft Köln vor. Der CDU-Kreisverband habe die Unterlagen übergeben, deren Inhalt nun unter strafrechtlichen Gesichtspunkten geprüft werden, teilte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mit. „Eine Strafanzeige hat der CDU-Kreisverband selbst ausdrücklich nicht erstattet.“ Die rechtliche Bewertung könne allerdings „geraume Zeit in Anspruch nehmen“. 

Auch interessant

Parallel wurde ein zweiter Vorwurf öffentlich. Es geht dabei um die Wahl Bosbachs in den Kreisvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in ihrem rheinisch-bergischen Wahlkreis im Jahr 2023. Nach Berichten von „t-online“ und dem ARD-Magazin „Kontraste“ soll Bosbach potenziellen Neumitgliedern eine Zahlung in Höhe von 90 Euro in Aussicht gestellt haben, was dem Jahresbeitrag entspreche. In einigen Fällen sei die Summe auf 100 Euro aufgerundet worden. Zudem soll kostenlose Bewirtung angeboten worden sein. Den Medienberichten zufolge sollte so die Wahl des Führungsteams gesichert werden, dem auch Caroline Bosbach angehörte. Bosbach bestreitet das. „Diese Vorwürfe, die basieren unter anderem auf manipulierten Chatverläufen, die der Presse zugespielt wurden, und sind falsch“, sagte sie in einem Video, das sie auf Facebook und Instagram veröffentlichte.