Viel übrig ist von der ostukrainischen Industriestadt Tschassiw Jar nicht mehr: Seit mehr als einem Jahr versucht Russland, den strategisch wichtigen Ort im Donbass zu erobern. Inzwischen liegt die einstige Industriestadt vollständig in Ruinen – fast alle der einst 12.000 Einwohner sind geflohen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nun gibt Russland an, die Stadt eingenommen zu haben. Auf Telegram postete das russische Verteidigungsministerium eine entsprechende Mitteilung. Zugleich verbreiteten russische Militärblogger Videos, auf denen Soldaten russische Flaggen im Westteil der Stadt hissten.
Die Ukraine wies die russischen Behauptungen umgehend zurück: „Die Situation in Tschassiw Jar ist die gleiche wie in den letzten Monaten. Russland lügt einfach wieder, gerade damit sich die Behauptung durch Widerlegungen verbreitet“, sagte Viktor Tregubov, Sprecher der Streitkräftegruppe Khortytsia, der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine. Auch auf der Karte der ukrainischen OpenSource-Überwachungsgruppe Deep State sind Teile der Stadt weiterhin als unter ukrainischer Kontrolle stehend eingezeichnet.

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Tschassiw Jar: Darum ist die Stadt strategisch wichtig
Tschassiw Jar liegt wenige Kilometer östlich der im Mai 2023 von Russland eroberten Stadt Bachmut. Die Stadt liegt auf einem Hügel und ermöglicht deshalb einen strategisch guten Überblick über die Umgebung. Sollte sie fallen, könnte das die gesamte Verteidigung der noch unter ukrainischer Kontrolle stehenden Gebiete des Donbass gefährden. Nur wenige Kilometer westlich liegt etwa die wichtige Industriestadt Kostjantyniwka.
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Die Meldung über die angebliche Eroberung Tschassiw Jars platzt mitten in das Ultimatum, das US-Präsident Donald Trump am Dienstag an Russland gestellt hatte. Demnach hätte Moskau nach seinen Worten „noch zehn Tage“ Zeit, um den Krieg in der Ukraine zu beenden – sonst würde es schwerwiegende Sanktionen geben. Zuvor hatte er Mitte Juli eine 50-Tage-Frist ausgegeben.
Sechs Tote bei russischen Luftangriff gegen Kiew
Wie wenig Russland von Trumps Ultimaten beeindruckt ist, zeigt auch die nach wie vor anhaltenden Luftangriffe gegen ukrainische Städte. Erst vergangene Nacht sind bei einer Attacke gegen Kiew sechs Menschen getötet worden, darunter auch ein sechsjähriger Junge, wie der Militärverwaltungschef der ukrainischen Hauptstadt, Tymur Tkatschenko, bestätigte. Zudem wurden 52 Menschen verletzt, 30 von ihnen sind in Krankenhäusern.
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„Es ist ein schrecklicher Morgen in Kiew. Die brutalen russischen Angriffe haben ganze Wohnhäuser zerstört und Schulen und Krankenhäuser beschädigt“, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf X. Er forderte mehr Druck auf Russland. Kreml-Chef Wladimir Putin habe kein Interesse daran, „das Töten zu beenden“, sagte Sybiha. „Es ist Zeit für maximalen Druck auf Moskau.“
In einer Onlinerede bei einer Konferenz zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsink rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Welt auf, auf einen „Regimewechsel“ in Russland zu drängen. Andernfalls werde Putin weiterhin versuchen, Nachbarländer zu destabilisieren. Er forderte zudem eine vollständige Blockade von „Russlands Kriegsmaschinerie“: „Alle eingefrorenen russischen Vermögenswerte, einschließlich der durch Korruption gestohlenen Reichtümer“, müssten zur Verteidigung „gegen die russische Aggression“ genutzt werden.
mit dpa/AFP










