Seit Jahren schwelt zwischen Thailand und Kambodscha ein Konflikt über ein Grenzgebiet. Berichten zufolge sind am Freitagmorgen erneut Feuergefechte entbrannt. Mindestens 14 Menschen sterben in den Kämpfen. Die Regierung in Thailand hat 100.000 Menschen aus vier Grenzprovinzen evakuiert und in fast 300 Notunterkünften untergebracht.

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„Warnung: Derzeit kommt es in mehreren Grenzgebieten zu Zusammenstößen“, teilte die thailändische Armee auf Facebook mit. Menschen in der Region im Nordosten Thailands wurden aufgefordert, das Gebiet unbedingt zu meiden.

100.000 Anwohner auf der Flucht

Die Geflüchteten aus dem Grenzgebiet wurden in 300 Evakuierungszentren untergebracht.
Die Geflüchteten aus dem Grenzgebiet wurden in 300 Evakuierungszentren untergebracht.© AP/dpa | Sakchai Lalit

Der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt zwischen den beiden südostasiatischen Nachbarn war am Donnerstag gefährlich eskaliert. Nach Schusswechseln an der Grenze hatte das thailändische Militär eigenen Angaben zufolge Kampfjets gegen kambodschanische Stellungen eingesetzt. Kambodscha reagierte mit Artilleriefeuer, auch auf Wohngebiete.

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Der Regierung in Bangkok zufolge ist die Zahl der Todesopfer in Thailand mittlerweile auf 14 gestiegen – 13 Zivilisten und ein kambodschanischer Soldat. 100.000 Anwohner aus vier Provinzen (Ubon Ratchathani, Si Sa Ket, Surin und Buriram) wurden laut Innenministerium in Sicherheit gebracht.

Thailand schließt Grenze zu Kambodscha

Die thailändische Regierung hatte veranlasst, die Grenze zu Kambodscha für Einreisende zu schließen, wie die „Washington Post“ berichtet. Zunächst war der Übertritt Studenten, Patienten und anderen Personen mit lebensnotwendigen Gründen gestattet. Am Donnerstag jedoch sollte die Grenze komplett geschlossen werden.

Kambodscha soll außerdem thailändische Filme und Fernsehsendungen verboten haben sowie den Import von thailändischem Treibstoff, Obst und Gemüse gestoppt haben. Das Land boykottierte die internationalen Internetverbindungen und die Stromversorgung einiger seiner Nachbarn.

Kämpfe zwischen Thailand und Kambodscha: Worum geht es?

Beide Länder trennt eine mehr als 800 Kilometer lange Grenze, deren Verlauf noch in der Kolonialzeit festgelegt wurde. Die Regierungen in Bangkok und Phnom Penh interpretieren diese Grenzziehung aber unterschiedlich. Im Zentrum des Streits steht der Tempel Prasat Preah Vihear (vermutlich aus dem 10. bis 12. Jahrhundert), der seit 2008 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört und von beiden Ländern beansprucht wird.

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Wie die Post weiter berichtet, sprach der Internationale Gerichtshof Kambodscha 1962 die Souveränität über das Tempelgebiet zu. Dieses Urteil wurde zu einem großen Ärgernis für die bilateralen Beziehungen. Kambodscha wandte sich 2011 erneut an das Gericht, nachdem es zu mehreren Zusammenstößen zwischen der Armee und thailändischen Streitkräften gekommen war, bei denen etwa 20 Menschen getötet und Tausende vertrieben worden waren.

Internationaler Gerichtshof soll Streit klären

Das Gericht bestätigte das Urteil 2013 zu Gunsten Kambodschas. Kambodscha hat sich zur Beilegung der Grenzstreitigkeiten erneut an den Internationalen Gerichtshof gewandt, Thailand erklärte den Gerichtshof jedoch für nicht zuständig.

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Wer die Kämpfe gestartet hat, war derweil weiter unklar. Beide Seiten werfen sich vor, das Feuer eröffnet zu haben und erklärten, in Selbstverteidigung gehandelt zu haben. Der kambodschanische Ministerpräsident Hun Manet hatte noch am Donnerstag den UN-Sicherheitsrat aufgefordert, dringend eine Sitzung zu dem „unprovozierten, vorsätzlichen und gezielten Angriff auf Kambodscha“ einzuberufen. Das UN-Gremium will am Freitagabend (MESZ) zu dem Thema zusammenkommen.

dpa/jle