Nach einer brutalen Prügelattacke auf einen Rentner ist die Lage im südostspanischen Ort Torre Pacheco eskaliert. In der Kleinstadt in der Region Murcia kommt es seit mehreren Nächten zu Ausschreitungen. Rechtsextreme Gruppen riefen in sozialen Netzwerken offen zur „Jagd auf Migranten“ auf. Die spanische Regierung reagierte mit einem massiven Polizeiaufgebot – doch die Lage bleibt angespannt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Torre Pacheco ist eine Gemeinde mit 42.000 Einwohnern, davon sind etwa 30 Prozent Einwanderer. Damit ist der Immigrantenanteil in diesem Ort doppelt so hoch wie im spanischen Durchschnitt. Größte Gruppe der Zuwanderer sind Menschen marokkanischer Herkunft, die zum Arbeiten nach Spanien gekommen sind. Die Stadt lebt hauptsächlich vom Agrarexport, doch durch ihre Nähe zur Mittelmeerküste liegt sie auch im Umfeld einer beliebten Ferienregion.
Spanien: Ausschreitungen gegen Migranten nach einer Gewalttat
Auslöser der Gewalt war der Angriff auf Domingo M., einen 68-jährigen Rentner, der am frühen Morgen beim Spazierengehen von einem Mann zusammengeschlagen wurde. „Er kam auf mich zu und fing an, mich zu verprügeln“, sagte er der Zeitung „La Verdad“. Zwei Begleiter des Täters sollen zugeschaut, aber nicht eingegriffen haben.
Inzwischen wurden die drei mutmaßlichen Tatbeteiligten festgenommen. Ihre Nationalität wurde offiziell nicht mitgeteilt. Medienberichten zufolge haben alle drei marokkanische Wurzeln, waren aber nicht in Torre Pacheco gemeldet. Das Motiv der Tat ist unklar, nur ein Raubüberfall wird ausgeschlossen.

Spaniens Innenminister: Rechtsradikale riefen in sozialen Netzwerken zu Unruhen auf
Nach dem Prügelangriff hatte die Stadt zu einer Demonstration gegen die Gewalttat aufgerufen. Doch der Protest kippte: Rechtsextreme, über soziale Netzwerke mobilisiert, nutzten die Empörung zur Stimmungsmache gegen Einwanderer. In San Antonio, einem mehrheitlich von marokkanischstämmigen Familien bewohnten Viertel, kam es zu schweren Übergriffen. Autos wurden beschädigt, Läden angegriffen, mehrere Menschen verletzt. Zu den Vorfällen zählt auch ein Angriff auf ein Kebab-Restaurant, in das etwa ein Dutzend vermummter Personen mit Messern und Knüppeln eindrangen und das Inventar verwüsteten. Die Angestellten konnten im letzten Moment fliehen. Zehn Personen wurden festgenommen.
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Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, dass nach den vorliegenden Erkenntnissen rechtsradikale Gruppen hinter den Ausschreitungen stehen. Die Radikalen hätten in den sozialen Netzwerken zu den Unruhen aufgerufen. Er machte Spaniens rechtspopulistische Partei Vox für die Gewalt mitverantwortlich, „die ohne jeden Beleg Einwanderung mit Kriminalität gleichsetzt“.

Bürgermeister Pedro Ángel Roca sagte: „Die Gewalt kommt von außen.“ Torre Pacheco sei ein friedlicher Ort, in dem ausländische und spanische Bürger seit Jahrzehnten zusammenlebten. Murcias regionaler Regierungschef, Fernando López Miras, rief zur Besonnenheit auf. Das Innenministerium schickte Sondereinheiten der Polizei in die Stadt, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Spaniens Rechtsaußenpartei Vox will Millonen Einwanderer ausweisen
Doch die Rechtsaußenpartei Vox gießt Öl ins Feuer. Sie ist im Land drittstärkste politische Kraft – mit aufsteigender Tendenz. Vox-Regionalchef José Ángel Antelo forderte massenhafte Deportationen von Immigranten. „Wir werden sie alle abschieben.” Die nationale Parteiführung von Vox hatte vor Kurzem erklärt, dass sie Millionen Einwanderer und ihre Nachkommen ausweisen wolle.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Polizeipräsenz in dieser Einwanderungshochburg die Situation stabilisieren kann – oder ob Torre Pacheco zu einem traurigen Symbol wird.






