Auf 506 Milliarden Euro werden derzeit die Schäden in der Ukraine durch den russischen Angriffskrieg geschätzt. Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Nacht für Nacht lässt Russlands Präsident Wladimir Putin das Land bombardieren. „Um eine vom Krieg zerstörte Wirtschaft wieder aufzubauen, braucht es starke Partner und internationale Unterstützung“, sagt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und verspricht dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seine Hilfe.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Auf Einladung Selenskyjs und der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni ist Merz zu einer Wiederaufbaukonferenz nach Rom gereist, Vertreter von rund 60 Staaten sind in die italienische Hauptstadt gekommen. Bevor allerdings daran zu denken ist, Häuser, Brücken, Straßen oder Kraftwerke und Kliniken dauerhaft zu reparieren oder neu zu bauen, muss die Ukraine sich der fortwährenden russischen Attacken erwehren.

Ukraine-Krieg: Grüne fordern neues europäisches Hilfspaket
„Putin will, dass unser Volk leidet, dass es aus der Ukraine flieht“, schildert Selenskyj in Rom die Lage seines Landes. Deswegen greife Russland immer und immer wieder zivile Ziele auch weit hinter der Front an. Wieder einmal bittet der ukrainische Präsident um mehr Unterstützung bei der Abwehr der Drohnen und Raketen.
„Die Ukraine steht in Flammen“, die Lage sei „dramatisch“, warnt die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger. Nötig sei jetzt das größte europäische Hilfspaket aller Zeiten mit ziviler und militärischer Unterstützung und extrem härteren Sanktionen gegen Russland. „Angesichts der brutalen Luftangriffe braucht die Ukraine wie immer mehr Luftverteidigung, Luftverteidigung, Luftverteidigung“, sagt die Fraktionsvizechefin der Grünen dieser Redaktion.
Auch interessant
Merz schmiedet im Hintergrund einen Pakt
Die russischen Luftangriffe sind derzeit so massiv wie noch nie seit Kriegsbeginn vor fast dreieinhalb Jahren. Russland liefere täglich Beweise dafür, dass es seinen brutalen Angriffskrieg fortsetzen oder sogar intensivieren wolle, kritisiert Merz in Rom. „Tausende von Drohnen und Raketen, die zivile Infrastrukturen zerstören und ukrainische Männer, Frauen und Kinder töten und terrorisieren.“ Der CDU-Politiker fügt hinzu: „Das muss ein Ende haben.“
Der Bundeskanzler schmiedet deswegen im Hintergrund ein Paket, das die ukrainische Luftabwehr stärken soll. Zur Hilfe kommt ihm dabei ein Stimmungswechsel von Donald Trump. Der US-Präsident hatte versprochen, den Krieg in der Ukraine nach seinem Amtsantritt schnell zu beenden. Seine Initiative endete kläglich als diplomatisches Strohfeuer. Während der von Trump massiv unter Druck gesetzte Selenskyj zu Gesprächen bereit war, ließ Putin den US-Präsidenten zu dessen Verärgerung auflaufen.

„Bullshit“: Trump ist sauer auf Putin
Trumps Frust über den russischen Machthaber scheint momentan die Linie im Weißen Haus zu bestimmen. Jede Menge „Bullshit“ bekomme er von Putin zu hören, schimpfte der US-Präsident diese Woche in einer Kabinettssitzung. Nachdem Trump darauf zu setzen schien, die Ukraine durch einen Stopp von Waffenlieferungen militärisch auszuhungern und so zu einem Ende der Kämpfe zu zwingen, ist der US-Präsident nun offenbar wieder bereit, die Ukraine mit Waffen zu beliefern.
Der Kanzler befindet sich in Gesprächen mit Trump über neue Militärhilfen. Er sei „dankbar“ für Signale aus Washington, die Unterstützung der Ukraine „doch noch einmal zu überdenken“, sagte Merz am Vorabend seines Rom-Besuchs. „Wir haben besonders darüber beraten, wie wir gemeinsam die ukrainische Luftabwehr stärken können.“
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Trump zeigt sich offen für weitere Patriot-Lieferung
Während die Ampel-Regierung zuletzt die weitergegebenen Waffen detailliert auflistete, hatte Merz mit seinem Amtsantritt eigentlich Stillschweigen in der Frage angeordnet, um Putin über die Rüstungshilfe im Ungewissen zu lassen. In der Vergangenheit lieferte Deutschland unter anderem Luftverteidigungssysteme vom Typ IRIS-T und Patriot.
In diese Richtung soll die Unterstützung auch dieses Mal gehen, wie Merz in Rom selbst verrät: „Wir stehen bereit, zusätzliche Patriot-Systeme aus den USA zu erwerben und sie der Ukraine zur Verfügung zu stellen“, berichtet der Kanzler. Er habe Trump um die Lieferung gebeten. Die USA verfügten über „sehr viele“ Patriot-Systeme, brauchten diese aber zum Teil selbst.
Trump zeigt sich nach den Gesprächen mit Merz nun ebenfalls offen dafür, ein weiteres Patriot-System an die Ukraine zu schicken: „Sie würden es gerne haben. Sie haben darum gebeten.“ Allerdings, betont der US-Präsident, sei die in den USA hergestellte Waffe ein „sehr teures“ System.
Auch interessant
Merz appelliert an Trump: „Bleib bei uns!“
Ob der US-Präsident damit auf die Initiative Deutschlands einging oder selbst eine Lieferung erwägt, blieb zunächst unklar. Der Hinweis auf die Kosten deutet allerdings darauf hin, dass Trump bei aller Verärgerung über Putin in einer Patriot-Lieferung an die Ukraine ein Geschäft sieht. Berichten zufolge könnte Deutschland den USA zwei Patriot-Systeme abkaufen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reist nach Angaben seines Ministeriums Mitte Juli in die USA, er soll Merz zufolge das Geschäft mit seinem US-Kollegen Pete Hegseth verhandeln.
Ob es aber wirklich zu der Lieferung komme, sei „noch nicht endgültig“ entschieden, bleibt Merz vorsichtig. Trumps berüchtigte Wankelmütigkeit stellt den Plan infrage, bis das Militärgerät tatsächlich in der Ukraine steht. In Rom appelliert Merz noch einmal ausdrücklich an Trumps Unterstützung: „Bleib bei uns!“ Die USA und die Europäer seien auf derselben Seite.











