Der neue Wehrdienst ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Die Bundeswehr braucht innerhalb weniger Jahre zehntausende zusätzlicher Soldaten. Aber statt gleich die Wehrpflicht wieder einzuführen, setzt der Verteidigungsminister erstmal auf den Ausbau des freiwilligen Wehrdienstes. Mehr Geld und verbindliche Kontakte zur Bundeswehr, die alle 18-jährigen Männer wieder erfasst und mustert, sollen die Zahl der Freiwilligen in kurzer Zeit verdoppeln. Niemand weiß, ob das gut geht, auch Boris Pistorius nicht.

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Trotzdem ist der Kurs des Ministers richtig. Im Moment wäre die Bundeswehr ja gar nicht in der Lage, die Wehrpflicht umzusetzen: Es fehlt an Kasernen, Ausbildern, Material. Die Strukturen zu schaffen, dauert Jahre, der Umbau würde die Bundeswehr in einer Zeit großer Herausforderungen zusätzlich strapazieren. Doch klar ist auch: Politik und Militär müssen sich schon jetzt darauf vorbereiten, dass Ende des Jahrzehnts womöglich doch kein Weg an der Wehrpflicht vorbeiführt. Die Erfassung und Musterung sind der erste Schritt, weitere müssen folgen.

Bundeswehr muss attraktiver für Bewerber werden

Kommentarkopf Christian Kerl
Christian Kerl, Politik-Korrespondent© ZRB | ZRB

Um erstmal mehr Freiwillige zu locken, muss sich die Bundeswehr jetzt schnell attraktiver für Bewerber machen: Da ist Luft nach oben, ein höherer Sold allein genügt nicht. Wie wäre es mit Erleichterungen beim Studienzugang, zusätzlichen Rentenpunkten, einem kostenlosen Führerschein? Es geht auch um mehr gesellschaftliche Anerkennung der Soldaten – und um das Gefühl, vom ersten Tag an in der Truppe willkommen zu sein.

Gut möglich, dass es am Ende trotzdem nicht reicht. Aber wenn dann doch Wehrpflichtige in die Kasernen einrücken, werden auch sie von einer attraktiveren Bundeswehr profitieren.