Wieder ein mysteriöser Todesfall: Wenige Stunden nach seiner Entlassung durch Russlands Präsidenten Wladimir Putin hat sich Verkehrsminister Roman Starowoit wohl im Moskauer Nobelvorort Odinzowo erschossen. „Die Umstände des Vorfalls werden derzeit ermittelt. Die Hauptversion ist Suizid“, sagt Swetlana Petrenko, die Sprecherin der zuständigen Ermittlungsbehörde. Aber vieles ist unklar. Ist Starowoit in seinem Auto gestorben, wie zunächst behauptet wurde? Der Telegram-Kanal „Shot“ hingegen zeigte ein Video, wie sein Leichnam aus einem Gebüsch geborgen wurde. Angeblich gibt es auch einen zweiten Todesfall im Verkehrsministerium. Ein 42-jähriger Beamter soll am selben Tag an einem Herzanfall gestorben sein. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zum überraschenden Rauswurf des 53-jährigen Starowoit befragt, äußerte sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow einsilbig. Die Entlassung sei nicht „aufgrund von Vertrauensverlust“ geschehen, so Peskow. Viele hatten spekuliert, Starowoit sei wegen der chaotischen Zustände im russischen Flugverkehr entlassen worden. Peskow dazu laut der Nachrichtenagentur Interfax: „Ich wiederhole noch einmal, der Wortlaut des Dekrets enthält nicht den Ausdruck ‚Vertrauensverlust‘. Ich habe in diesem Fall nichts hinzuzufügen, dies ist die Entscheidung des Staatsoberhauptes.“

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Suizid aus Angst vor Strafverfolgung – oder Teil einer Serie?

Was also ist der Hintergrund für Rücktritt und Selbstmord? Mysteriös und ungeklärt wie andere Todesfälle in jüngerer Zeit? Andrej Badalow beispielsweise. Der Vizechef des russischen Ölkonzerns Transneft stürzte aus dem 17. Stock seines Wohnhauses in den Tod. „Suizid“, vermeldete die Nachrichtenagentur TASS. Aus dem Fenster eines Moskauer Krankenhauses stürzte 2022 der Vorstandschef des Ölkonzerns Lukoil, Rawil Maganow. Auch er starb. 2023 fiel auch Kreml-Kritikerin und Moskauer Bankmanagerin Kristina Baikowa aus einem Fenster und kam zu Tode, genau wie der Sänger und Putin-Kritiker Wadim Stroikin Anfang dieses Jahres. Die hochrangigen Generäle Igor Kirillow und Jaroslaw Moskalik verloren ihr Leben durch Bombenanschläge, vermutet werden ukrainische Attentate. Und nach wie vor gibt es Ungereimtheiten um den Flugzeugabsturz von Wagner-Söldnerchef Jewgeni Prigoschin.

Vermutlich aber ist der Hintergrund des angeblichen Selbstmordes von Roman Starowoit gar nicht so mysteriös. Möglicherweise hätten ihm viele Jahre Gefängnis gedroht. Denn vor seiner Zeit als Verkehrsminister war der Politiker Gouverneur des Gebietes Kursk. Sein Nachfolger, Alexej Smirnow, musste im Dezember 2024 zurücktreten, nachdem ukrainische Truppen bei Kursk ins Grenzgebiet eingedrungen waren.

207777_1325_207777_cover.jpg
#19 Carsten Linnemann über Merkel, Merz - und warum er in der Politik nicht alt werden will
Meine schwerste Entscheidung
 

Smirnow ist inzwischen verhaftet. Im Verfahren gegen ihn geht es darum, dass Gelder für den Bau von Befestigungsanlagen an der Grenze zur Ukraine nicht entsprechend ausgegeben worden sein sollen. Diese Befestigungslinien wurden angeblich bereits ab 2022 kurz nach Kriegsbeginn errichtet. Als Gouverneur hatte Starowoit die Fertigstellung dieser Anlagen bereits nach oben gemeldet. Von Ermittlungen gegen ihn ist zwar nichts bekannt. Allerdings könnte er ins Blickfeld der Fahnder geraten sein. Verschiedene Telegram-Kanäle behaupten, der inhaftierte Smirnow hätte gegen Starowoit ausgesagt. Hätte man seine Verwicklung in den Skandal beweisen können, dann wäre die Strafe wohl sehr hat gewesen.