Längere Wege, schlechterer Nahverkehr, mehr Ölheizungen: Wer auf dem Land wohnt, ist oft mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen als Bewohnerinnen und Bewohner von Städten. Steigende CO₂-Preise schlagen deshalb in ländlichen Regionen zum Teil härter durch als in Metropolregionen. Eine gezielte Entlastung könnte dem aber entgegenwirken – zu diesem Schluss kommt ein Team des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer neuen Untersuchung, die dieser Redaktion vorliegt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Konkret haben die Forschenden zwei Varianten des Klimagelds verglichen – eine, in der alle pauschal ein Klimageld in derselben Höhe ausgezahlt bekommen. Und eine, bei der die Auszahlung gestaffelt ist je nachdem, ob die Menschen in Städten und Ballungsräumen oder eher ländlich wohnen.
Auch interessant
Die Bundesregierung setzt auf den CO₂-Preis, aber ohne das Klimageld
In beiden Fällen sind die Forschenden von einem CO₂-Preis von 160 Euro pro Tonne im Jahr 2030 ausgegangen. Im ersten Szenario wird das Geld, das darüber eingenommen wird, pauschal für alle Verbraucher gleich zurückgezahlt. Daraus ergeben sich 360 Euro pro Person und Jahr. Im zweiten Szenario wurden vier Regionskategorien gebildet, von Metropole bis hin zum kleinstädtischen und dörflichen Raum. In diesem Modell würden Menschen in Metropolen weniger Klimageld bekommen (279 Euro pro Jahr), während die Auszahlung ansteigt, je weniger städtisch die Umgebung wird, bis hin zu 452 Euro in dörflichen Gegenden.
Die Rechnungen zeigen: Die höhere Belastung auf dem Land kann man so abfedern – verschiebt sie aber in Richtung Stadt. „Bei einem regional ausdifferenzierten Klimageld nimmt die Zahl der Härtefälle auf dem Land ab, während sie in der Stadt steigt“, sagt Lars Felder aus dem DIW-Team, das die Frage untersucht hat. „Insgesamt, also in ganz Deutschland, bleibt der Anteil der besonders belasteten Haushalte allerdings gleich.“ Härtefälle meint: In beiden Szenarien würde ein CO₂-Preis in dieser Höhe trotz Klimageld für knapp ein Fünftel der Haushalte eine zusätzliche Belastung bedeuten, die über einem halben Prozent ihres Netto-Einkommens liegt.
Auch interessant
Ab 2027 könnte der Preis pro Tonne CO₂ deutlich steigen
Schon jetzt gilt in Deutschland ein nationaler CO₂-Preis für das Heizen und die Fortbewegung mit fossilen Brennstoffen. Ab 2027 sollen diese Bereiche auch von einem europäischen Emissionshandelssystem erfasst werden. Wie viel dann eine Tonne CO₂ kostet – und viel teurer damit ein Liter Benzin oder Heizöl wird –, ist noch unklar. Das DIW-Team hat nach eigenen Angaben mit 160 Euro im Jahr 2030 einen Wert am oberen Ende des Erwarteten angenommen.
Weil Haushalte mit geringen Einkommen einen größeren Anteil ihres Geldes für Posten wie Mobilität und Heizen ausgeben müssen, trifft ein CO₂-Preis sie im Verhältnis stärker als andere. Umgekehrt würden sie am meisten von einem Klimageld profitieren. Über die Einzahlung eines solchen Klimagelds als Entlastungsmaßnahme wird seit Jahren diskutiert. Die Ampel-Koalition hatte das Modell erwogen, aber nie umgesetzt.

Die schwarz-rote Bundesregierung setzt auf den CO₂-Preis als zentrales Steuerungsinstrument, will Verbraucher aber über andere Wege entlasten – zum Beispiel, indem die Gasspeicherumlage für Verbraucher wegfallen soll. DIW-Experte Felder warnt vor widersprüchlichen Signalen: „Wenn man einfach die Kosten von fossilen Brennstoffen reduziert, konterkariert das die Klimapolitik“, sagt er. Mit dem Klimageld bliebe die Lenkungswirkung dagegen erhalten. „Wenn wir eine hohe CO₂-Bepreisung als Instrument nutzen, ist ein Klimageld zentral, um Haushalte zu entlasten und die Akzeptanz für den CO₂-Preis aufrechtzuerhalten“, glaubt er.







