Der erhoffte Neustart bei der SPD ist abgesagt. Die Parteispitze um den Vorsitzenden Lars Klingbeil wollte nach dem Parteitag nach vorne blicken. Der befürchtete Frust über den Vorsitzenden fiel jedoch überdeutlich aus, die Enttäuschung stand Klingbeil ins Gesicht geschrieben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Sein Umfeld hatte damit gerechnet, dass der neue starke Mann der deutschen Sozialdemokratie einen Dämpfer erhält. Die 64,9 Prozent für Lars Klingbeil waren jedoch ein Tritt vors Schienbein des Pateichefs, Vizekanzlers und Finanzministers – und zwar mit Anlauf.

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Vor der Wahl der Parteispitze hoffte ein SPD-Politiker in Regierungsverantwortung noch auf die Vernunft der Delegierten nach dem Motto: „Stärke die Spitze, stärke das Ganze.“ Zwar erhielt die neu ins Amt gewählte Vorsitzende Bärbel Bas mit 95 Prozent ein Traumergebnis. Als es um Klingbeils Wiederwahl ging, wollten sich nicht wenige Delegierten aber lieber abreagieren als Disziplin zu zeigen.

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#5 Bärbel Bas über Armut als Kind und Frauen an der Spitze
Meine schwerste Entscheidung
 

Es hatte sich der perfekte Sturm zusammengebraut: das historisch schlechte Wahlergebnis, Klingbeils neue Machtfülle, seine Personalentscheidungen und die Ausbootung mancher verdienter Genossen. Seine klare Kante gegen diejenigen in der Partei, die einen neuen Kurs gegenüber Russland fordern und die vom Finanzminister organisierten Abermilliarden für Rüstung und Verteidigung ablehnen.

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Jan Dörner ist Chefreporter Politik in der FUNKE Zentralredaktion.© Reto Klar | Reto Klar

All das bekam Klingbeil zu spüren. Die Genossen haben ihren Parteichef und Vizekanzler empfindlich geschwächt – auch im Verhältnis zu Bas. Klingbeils steiler Weg nach oben hat auf dem SPD-Parteitag einen gefährlichen Knick bekommen.