Eine Woche nach ihrem Tod erlaubte Israels Militärzensur die Veröffentlichung: In einem schweren iranischen Angriff auf die israelische Stadt Petach Tikvah am 16. Juni kam die 95-jährige Holocaustüberlebende Yvette Shmilovitz ums Leben. Sie war eines von vier Opfern der tödlichen Raketensalve aus dem Iran. Eine ballistische Rakete war in ein mehrstöckiges Wohnhaus eingeschlagen. Shmilovitz wohnte zwar in einem Nachbargebäude, doch die Schockwelle war so stark, dass die betagte Frau sie nicht überlebte.

Shmilovitz zog wegen Antisemitismus nach Israel

Shmilovitz wurde in Rumänien geboren, als Tochter rumänischer Juden. Erst im Jahr 1973 zog sie nach Israel. Sie habe den tief verankerten Antisemitismus in Rumänien nicht mehr ertragen, erzählt Shirli, eine ihrer Enkeltöchter. Sie sei aber auch eine überzeugte Zionistin gewesen, bis zuletzt habe sie eine große Liebe zu ihrer Heimat Israel bewiesen.

Als sie nach Israel kam, tobte der Jom-Kippur-Krieg. Die wiederkehrende Schleife aus Kriegen und Terrorismus sollte die Überlebende des Zweiten Weltkriegs ihr Leben lang begleiten. Aus der Angst vor Judenverfolgung in Rumänien wurde in Israel die Furcht vor Terroranschlägen.

Raketeneinschlag: „Das ist etwas, was man sonst in Horrorfilmen sieht“

Shmilovitz‘ Leben war aber auch reich an persönlichen Schicksalsschlägen. Die ausgebildete Chemikerin und Chemielehrerin müsste mehrere schmerzhafte Verluste im engsten Familienkreis hinnehmen. Ihre Mutter, ihr Bruder und ihr Ehemann – sie alle starben nach schweren Krebserkrankungen. Ihre Tochter verlor sie, als diese erst 41 Jahre alt war und einen Herzstillstand erlitt. Shmilovitz‘ Zwillingsschwester kam bei einem Autounfall ums Leben. Trotz all dieser Schicksalsschläge sei ihre Großmutter stets voller Energie gewesen, sagt Shirli. „Jeder, der meine Oma persönlich kannte, wusste, dass sie eine stählerne Frau war. Sie hatte ein so schwieriges Leben, trotzdem ließ sie ihren Kopf nie sinken.“

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Eine andere Enkelin namens Dana war in der Nähe der Wohnung ihrer Großmutter, als die Rakete einschlug. Das Ausmaß der Zerstörung „war schwierig zu fassen“, sagt sie. „Das ist etwas, was man sonst in Horrorfilmen sieht.“

Zweite Holocaustüberlebende, die bei den Raketenangriffen stirbt

Israels Oppositionsführer und früherer Verteidigungsminister Benny Gantz widmete Shmilovitz auf X (ehemals Twitter) eine Würdigung. „Yvette Shmilovitch war eine 95 Jahre alte Holocaustüberlebende, die im Staat Israel ein neues Leben und eine Familie aufgebaut hat“, schrieb Gantz. Der Iran greife ganz bewusst Zivilisten an, während Israel auf präzise Weise militärische Ziele auswähle. Jetzt gehe es darum, die existenzielle Bedrohung Israels zu beseitigen. „‘Nie wieder‘ heißt jetzt“.

Shmilovitz war die zweite Holocaustüberlebende, die bei einem iranischen Angriff ums Leben kam. Vor ihr war die 94-jährige Bella Ashkenazi, eine aus Bulgarien stammende Überlebende der Shoa, bei einem schweren Raketeneinschlag in einem Wohnhaus in Bat Yam nahe Tel Aviv getötet worden.

206807_1325_206807_cover.jpg
#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Schmilovitz habe ihr Leben lang keine Ruhe gefunden, sagt ihre Enkelin, doch sie habe alle Kriege und Schicksalsschläge mit Würde überlebt. Nun sollte sie mit 95 Jahren zum Kriegsopfer werden. Ihre Enkeltochter Dana schreibt auf Facebook: „Meine Oma Yvette, jetzt hast du deine Ruhe.“