Seit dem Wochenende wüten auf der griechischen Insel Chios massive Waldbrände und bedrohen ganze Landstriche. Löschflugzeuge kreisen über den verkohlten Hügeln, Helikopter tauchen im Minutentakt ihre Wasserlast in die brennende Landschaft. Es sind Bilder, die sich Tag für Tag wiederholen und doch mit jeder Stunde dramatischer wirken.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wie die griechischen Behörden berichten, brachen am Samstagmorgen fast zeitgleich drei Brände an verschiedenen Stellen der Insel aus: bei Kofinas, Agia Anna und Agios Makarios. Die Ursache ist noch unklar. Feuerwehr und Polizei ermitteln inzwischen jedoch wegen möglicher Brandstiftung. Die Flammen fressen sich durch Pinienwälder, Buschland, trockene Felder. Begünstigt werden sie durch böige Winde, die das Feuer unberechenbar machen.
Auch das griechische Wetteramt spricht von einer „außergewöhnlich dichten Rauchentwicklung“. Die Rauchfahnen seien inzwischen so ausgeprägt, dass sie sogar auf Satellitenaufnahmen erkennbar sind. Ein entsprechender Beitrag wurde veröffentlicht, der eindrucksvoll zeigt, wie weit die Brandzonen reichen.
2025-06-22 🛰️ Meteor-M N2-4 LRPT image.
— Merkouris SV2HWM (@SV2HWM) June 22, 2025
137.9 MHz / OQPSK @ 72k symbol rate.
Raging wildfire in Chios island, 🇬🇷. pic.twitter.com/bEW1nYYeMN
Einsatzkräfte im Dauermodus – „äußerst kritische Lage“
Der griechische öffentlich-rechtliche Fernsehsender „ERT News“ meldet: Elf Fluggeräte, darunter Löschflugzeuge und Helikopter, sind pausenlos im Einsatz. Die Einheiten werden von über 190 Feuerwehrleuten unterstützt, die aus anderen Landesteilen wie Athen, Thessaloniki und Piräus nach Chios verlegt wurden. Die Lage gilt als „äußerst kritisch“. Trotzdem erschweren anhaltende Winde die Löscharbeiten.

Lesen Sie auch
Evakuierung auf Chios: 629 Menschen in Sicherheit gebracht
Besonders angespannt war die Lage am Sonntagmorgen: 16 Ortschaften – darunter Karyes und Vrontado – mussten aufgrund der heranrückenden Flammen evakuiert werden. Auch ein großes Aufnahme- und Registrierlager für Geflüchtete lag im Gefahrenbereich. Laut dem griechischen Migrationsministerium wurden 629 Geflüchtete in Sicherheit gebracht. Sie seien vorübergehend in einer Sporthalle untergebracht.
Der griechische Rundfunk „ERTnews“ berichtete von chaotischen Szenen in den frühen Morgenstunden, als Bewohner, Helfer und Sicherheitskräfte gemeinsam die Einrichtungen in aller Eile räumten.

Lesen Sie auch: Santorini-Vulkan als Gefahr? 1650 löste er einen Tsunami aus
Kroatien kämpft gegen Brände bei Split und Omiš
Auch Kroatien erlebt einen Brandsommer. In der Region Split-Dalmatien stehen Teile der Adriaküste in Flammen. Bei den bei Urlaubern beliebten Orten Makarska und Omiš griff das Feuer in den vergangenen Tagen auf bewohnte Gebiete über.
In Omiš mussten 94 Menschen ihre Unterkünfte verlassen, darunter zahlreiche Urlauber. Die Evakuierungen erfolgten unter Zeitdruck. Zwar konnten Feuerwehrteams in der Nacht einzelne Brandherde eindämmen, doch der Schaden bleibt erheblich: Rund 300 Hektar Land wurden zerstört. Betroffen sind auch Wohnhäuser, ein Waldstück, eine Ölmühle sowie mehrere Fahrzeuge. Ein Feuerwehrmann und mehrere Anwohner wurden leicht verletzt.
Die kroatische Polizei geht inzwischen ebenfalls Hinweisen auf vorsätzliche Brandlegung nach – ein Verdacht, der sich mit der Situation in Griechenland überschneidet.
Lesen Sie auch
Die Ursachen für die Waldbrände sind vielfältig: klimatische Faktoren, menschliches Versagen und möglicherweise auch kriminelle Energie. Was die Ereignisse jedoch eint, ist ihre neue Regelmäßigkeit. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Feuer ausbricht, sondern wann – und wie gut eine Region vorbereitet ist, die eigentlich anderes im Sinn hat: Tourismus, Landwirtschaft, Leben.











