Im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota läuft im Großraum Minneapolis eine der größten Fahndungsaktionen der vergangenen Jahre. Nach der Ermordung der einer hochrangigen demokratischen Abgeordneten sowie ihres Ehemannes hat die Polizei den auf der Flucht befindlichen Täter Vance B. (57) noch nicht dingfest machen können. Vance B. wird auch dafür verantwortlich gemacht, den demokratischen Senator John Hoffman und dessen Frau Yvette angeschossen und schwer verletzt zu haben.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
B. floh zu Fuß, nachdem er in der Wohnung der getöteten ehemaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses von Minnesota, Melissa Hortman, und ihres Mannes Mark auf die Polizei geschossen hatte. Er hatte sich als Polizist verkleidet und ließ am Tatort ein SUV zurück, das samt Blaulicht wie ein Polizeifahrzeug aussah.
Auch interessant
Im Wagen stellten die Fahnder ein „Manifest“ sicher und eine Liste mit rund 70 Politikern und Institutionen, zum Beispiel Abtreibungskliniken, die der fünffache Vater ins Visier genommen hatte.
Zu den Zielpersonen gehörten Dutzende Top-Demokraten aus Minnesota, von Gouverneur Tim Walz über die Kongress-Abgeordnete Ilhan Omar und die Senatorin Tina Smith bis hin zu Generalstaatsanwalt Keith Ellison. Wie der oberste Kriminalbeamte Minnesotas, Drew Evans, sagte, ist ein genaues Motiv für die Taten bisher nicht erkennbar.

Ehemaliger Mitbewohner vom Attentäter erhielt SMS
In sozialen Medien, öffentlichen einsehbaren Dokumenten und Internet-Einträgen bezeichnete sich B. als christlicher Geistlicher und Sicherheitsexperte mit Erfahrung im Nahen Osten und Afrika. Er gab an, Geschäftsführer einer im afrikanischen Kongo ansässigen Organisation namens Red Lion Group zu sein. Zusammen mit seiner Frau Jennifer betrieb er in Minnesota außerdem einen privaten Sicherheitsdienst namens Praetorian Guard Security Services LLC.
David Carlson, 59, ein ehemaliger Mitbewohner, der B. seit Kindesbeinen kennt, erklärte gegenüber US-Medien, dass er am Samstagmorgen eine SMS von B. erhalten habe. „Er schrieb, dass er vielleicht bald tot sein würde“, sagte Carlson, der danach die Polizei rief.
News aus den USA
Minnesota: Donald Trump verurteilte die Tat
Carlson beschrieb B. als klaren Abtreibungsgegner und Wähler Donald Trumps, der aber nicht fest parteipolitisch verankert gewesen sei. „Er war nicht wirklich wütend über die Politik”, wird Carlson zitiert, er bestätigte, dass B. finanzielle Probleme gehabt habe.
Gouverneur Tim Walz, der im vergangenen Jahr Vize-Präsidentschaftskandidat an der Seite von Kamala Harris war, kannte das Opfer Melissa Hortman aus langjähriger politischer Arbeit. Die 55-Jährige war bis Jahresanfang Sprecherin des Repräsentantenhauses. Walz sprach von einem „Akt gezielter politischer Gewalt“, der absolut abzulehnen sei. „Friedlicher Diskurs muss das Fundament unserer Demokratie sein. Wir lösen unsere Differenzen nicht mit Gewalt oder mit Waffengewalt.“
Der politisch motivierte Doppelmord löste bei republikanischen und demokratischen Politikern im ganzen Land Schockstarre aus. Auch Präsident Donald Trump verurteilte die Tat. In Interviews sprachen Politiker beider Lager von der Notwendigkeit, die zuletzt extrem feindselig gewordene politische Rhetorik unbedingt abzukühlen.
Für Hinweise, die zur Ergreifung von Vance B. führen, der sich mit einer Maske tarnte, die ihn als Glatzenträger auswies, hat die Bundespolizei FBI eine Belohnung von 50.000 Dollar ausgesetzt.









