Die Nacht auf Sonntag war die tödlichste Nacht in Israel seit dem 8. Oktober 2023. Iranische Angriffe mit mehr als fünfzig ballistischen Raketen forderten zehn Tote, immer noch sind sieben Menschen nach einem Einschlag in Bat Yatam, einem dicht bevölkerten Vorort von Tel Aviv, vermisst. Der erste Angriff kurz nach 23 Uhr galt Israels Norden, rund um die Hafenstadt Haifa, in deren Nähe sich große Raffinerieanlagen befinden. Das Stadtgebiet von Haifa konnte von Israels Luftabwehr erfolgreich gegen die ballistischen Raketen verteidigt werden.

Irans Angriffe töten arabische Familienmitglieder

Dramatisch war die Nacht für die – überwiegend arabischen – Bewohner der rund 20 Kilometer entfernt liegenden Stadt Tamra. Ein Treffer in einem Wohnhaus brachte einen Teil des Gebäudes zum Einsturz. In dem Gebäude wohnt der angesehene Anwalt Raja Khatib mit seiner Familie. Khatib selbst war zum Zeitpunkt des iranischen Angriffs nicht zu Hause – doch seine Frau Manar, die zwei Töchter Hala (13) und Shada (20) und ein Junge der Familie kamen bei dem schweren Schlag ums Leben.

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Der Vater soll kurz vor dem Treffer noch in einem Telefonat mit der Familie versucht haben, die Familie zum Aufsuchen des Schutzraums zu überreden – jedoch ohne Erfolg, wie sein Bruder gegenüber israelischen Medien erklärte. Nach dem monatelangen Krieg gegen die Hisbollah, der oftmaligen Raketenalarm, aber in Tamra keine Opfer gefordert hatte, könnten die Familienmitglieder die Gefahr der iranischen Raketen unterschätzt haben.

Ein Holocaustüberlebender aus Trümmern geborgen

In Bat Yam nahe Tel Aviv wurde ein mehrstöckiges Hochhaus getroffen. Bei dem Angriff sollen zehn Etagen des Gebäudes zerstört worden sein. Mit Stand Sonntagmorgen kamen sechs Menschen ums Leben: zwei Frauen, 60 und 55 Jahre alt, ein 70-jähriger Mann, ein zehn Jahre alter Junge, ein achtjähriges Mädchen und ein Achtzehnjähriger. Am Vormittag wurde in den Trümmern des Gebäudes weiter nach Vermissten gesucht. Sieben Menschen galten weiterhin als vermisst, mehr als 200 Personen wurden verletzt, mehrere schwer. In Rehovot nahe Tel Aviv konnte ein Holocaustüberlebender aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes lebend geborgen werden.

Ersthelfer versorgen eine Frau, die durch die iranischen Luftangriffe verletzt wurde
Ersthelfer versorgen eine Frau, die durch die iranischen Luftangriffe verletzt wurde© AFP | JACK GUEZ

Warum fordern die iranischen Raketen so viel mehr Opfer in Israel, als es die Angriffe von Hamas und Hisbollah vermochten? Eine Antwort liegt im Typ der Raketen. Die Sprengkörper der vom Iran eingesetzten ballistischen Waffen wiegen zwischen 500 Kilogramm und einer Tonne. Sie kann mehrere Wände durchdringen und sogar ganze Häuser zum Einsturz bringen.

Kann Israels Abwehr den Angriffen aus dem Iran standhalten?

Die Luftabwehr der Israelis – mit den Abwehrsystemen Iron Dome, Arrow und Davidschleuder – ist zwar hocheffizient, sie kann mindestens 90 Prozent der Raketenangriffe abfangen. Die übrigen zehn Prozent, die potenziell auch in zivile Infrastruktur einschlagen, sorgen wegen des hohen Gewichts jedoch für einen viel größeren Schaden.

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Weltbekannt ist Israels Luftabwehrschirm Iron Dome. Er ist allerdings auf Kurzstreckenraketen ausgerechnet, wie sie von Israels grenznahen Feinden Hamas und Hisbollah eingesetzt werden. Die ballistischen Raketen des iranischen Regimes, bringen den Iron Dome allerdings an seine Grenze. Hier braucht es die komplexen Arrow-Abwehrsysteme und die Davidschleuder.

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Laut israelischen Experten hängt der potenzielle Schaden an der Infrastruktur auch davon ab, wie viel Hilfe Israel von seinen Verbündeten bekommt – nicht nur von den USA, sondern auch von Europa.