Die Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz geht weiter. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will das Gesetz, das auch als Heizungsgesetz bekannt ist, noch in diesem Jahr ändern. Schornsteinfeger und Energieberater Julian Schwark erklärt im Gespräch, welche Regel dabei bleiben muss und welchen Vorschlag die Schornsteinfeger für ein neues GEG haben.

Herr Schwark, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will das Betriebsverbot für Gasthermen, die vor 1991 eingebaut wurden bzw. älter als 30 Jahre sind, abschaffen. Wie viele Heizungen wären von der Abschaffung des Verbots betroffen?

Julian Schwark: Wir haben uns das mal angeschaut: Es sind nicht so viele. Es gibt zu dieser Regel einige Ausnahmen, zum Beispiel wenn es um Brennwertkessel oder selbst genutztes Wohneigentum geht. Nach unseren Daten wären es etwa 90.000 Heizungen, die zukünftig betroffen wären und nicht unter eine dieser Ausnahmen fallen. Und es gibt noch rund 400.000 Kessel, die älter als 30 Jahre sind und das auch jetzt schon sein dürfen. Eine riesige Steuerungswirkung hat es also nicht, wenn man dieses Verbot jetzt abschafft. In Einzelfällen kann es aber hilfreich sein.

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Reiches Ziel ist es nach eigener Aussage, „Ruhe in den Markt“ zu bringen. Erreicht man das so?

Schwark: Unser Problem ist, dass wir nicht genau wissen, was die Ministerin mit abschaffen meint. Paragraf 72 im Gebäudeenergiegesetz – das ist der, um den es hier geht – regelt auch, dass man nur noch höchstens bis zum 31.12.2044 fossile Brennstoffe für Heizungen nutzen darf. Wenn man das mit abschaffen würde, hätte man den Kern des Gesetzes vernichtet. Darauf beruht alles andere. Das wäre verrückt. Wenn das Ziel ist, Ruhe in den Markt zu bringen, nutzen solche Verlautbarungen wenig, solange sie nicht konkret sind. Es gibt jetzt wieder Menschen, die nicht wissen, ob sie betroffen sind, und Sanierungen erstmal lieber hintanstellen, weil sich der Rahmen bald ändern könnte.

Es gibt auch eine Reihe von Verbänden, die Druck machen, eventuelle Änderungen am GEG jetzt möglichst schnell umzusetzen …

Schwark: Manche versprechen sich davon, dass es dann schnell Klarheit gibt. Andererseits muss bis Mitte nächsten Jahres ohnehin die EU-Gebäuderichtlinie in deutsches Recht überführt werden. Da geht es nicht direkt um Heizungen. Aber man muss das auch ins GEG einarbeiten. Wenn man bedenkt, dass die letzte Novelle praktisch drei Jahre gedauert hat, ist der Zeithorizont jetzt schon sportlich. Ob man jetzt vorher noch schnelle kosmetische Änderungen vornimmt, sollte man sich gut überlegen.

Die Schornsteinfeger treffen sich in dieser Woche zu einem Kongress in Berlin. Was beschäftigt die Branche 2025 in erster Linie?

Schwark: Wir sind eines der Klima-Gewerke, wir sind stark betroffen von den gesetzlichen Bestimmungen und den Förderrichtlinien. Wir versuchen, das bestmöglich zu begleiten und auf Klimaneutralität hinzuarbeiten. Momentan haben wir aber viele Fragezeichen, was der Wunsch oder Auftrag an uns ist.

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Friedrich Trump
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?

Schwark: Unser größter Wunsch ist eine gute Teilhabe an den gesetzgebenden Prozessen. Wir sind die Schnittstelle zwischen Politik und Verbrauchern, wir bekommen das direkte Feedback. Deswegen haben wir einen Vorschlag für ein neues GEG vorgelegt, der einerseits so nah wie möglich an der Lebensrealität der Menschen ist und trotzdem die Gebäude in Richtung Klimaziele weiterentwickelt.

Wie sieht der aus?

Schwark: Wir schlagen ein Punktesystem vor, bei dem der Erneuerbaren-Anteil für Gebäude Schritt für Schritt steigt, bis 2045 hundert Prozent erreicht sind. Das hat ein bisschen Gaming-Charakter: Für ein Balkonkraftwerk bekommt man zum Beispiel zwei Prozent EE-Anteil, ein hydraulischer Abgleich auch zwei Prozent, eine Sanierung von Außenwand und Fenstern zehn Prozent. Man sammelt also für sich und sein Gebäude Punkte und wird belohnt für das, was man macht. Gleichzeitig gibt es viel individuellen Spielraum, wann man was macht. Die Hoffnung ist, dass die Leute sich so besser mitgenommen fühlen. Dafür werben wir jetzt.