Sie sind gestartet wie eine der SpaceX-Raketen. Danach ging es für Donald Trump und Elon Musk fast nur noch steil nach oben – der eine wurde Präsident, der andere half mit 300 Millionen Dollar Wahlkampfspenden nach und wurde Top-Berater; manche sagen: Schatten-Präsident. Vier Monate nach dem Steigflug ist das ungleiche Paar abgestürzt. Der reichste Mann der Welt und der mächtigste Politiker des Westens bekämpfen sich in einer beispiellosen Schlammschlacht. Warum? Wie geht das aus? Fragen und Antworten:

Was hat den in den USA alles verdrängenden Streit ausgelöst?

Eine politische Meinungsverschiedenheit: Trump will mit aller Macht im Kongress ein Gesetz durchpeitschen, das Steuernachlässe in Milliardenhöhe zum Kern hat – bei gleichzeitigem Rückbau der Sozialsysteme. Er verkauft das monströse Alles-und-nichts-Gesetz als „big, beautiful, bill”. Nachteil: Dadurch würde nach Kalkulation der Haushalts-Experten des Parlaments das Staats-Defizit nicht (wie Trump versprochen hat) gesenkt – sondern um rund 2500 Milliarden Dollar über zehn Jahre erhöht. Musk findet das unverantwortlich. Seine Rechnung: Amerika muss schon heute 1000 Milliarden Dollar Zinsen pro Jahr für seinen Schuldenstand aufbringen. Wenn nicht radikal gekürzt wird, werde der Staat kollabieren.

Trump nimmt sich davon nichts an. Musk hatte zuletzt die Tonlage verschärft. Er nannte das Gesetz eine „widerliche Abscheulichkeit” und rief die Parlamentarier auf, das Projekt zu „killen”. Trump keilte zurück, warf Musk Eigennutz und anderes vor. Am Donnerstag attackierten sich die Protagonisten gegenseitig mit immer heftigeren Vorwürfen.

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Was hat „Doge” damit zu tun?

„Doge”, das eigens für Musk improvisierte „Ministerium für Regierungs-Effizienz”, hatte über Monate den Staatsapparat brachial nach Einspar-Potenzialen durchforstet, ganze Abteilungen geschlossen und zehntausende Angestellte entlassen. Landesweit brach Protest aus. Der Spareffekt fiel jedoch entschieden mickriger aus, als Musk es versprochen hatte. Jetzt kommt Trump mit einem Gesetz, das den Schuldenstand noch vergrößern würde – das war zu viel für Musk.

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Wie könnte Musk dem Präsidenten schaden?

Der reichste Mann der Welt hatte über 250 Millionen Dollar in den jüngsten Wahlkampf gesteckt – zugunsten Trumps und der Republikaner. Lenkt er derartige Summen um, hätte Trump ein Problem. Dazu kommt: Musk war so nah am Zentrum der Macht, dass er immenses Herrschaftswissen über die innere Mechanik im Trump-Kosmos besitzt. „Er weiß, wo die Leichen liegen”, sagt ein Musk-Anhänger in der republikanischen Partei. Ein erster Vorgeschmack war die Behauptung, dass der Präsident der Vereinigten Staaten in den Epstein-Akten aufgeführt sei.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gemeint sind Tausende Dokumente aus dem Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, mit dem Trump lange Jahre eng befreundet war, und der sich nach Behördenangaben im Gefängnis selbst umgebracht hat.

Lange im Tandem unterwegs: US-Präsident Donald Trump und Elon Musk im Oval Office.
Lange im Tandem unterwegs: US-Präsident Donald Trump und Elon Musk im Oval Office.© AFP | JIM WATSON

Musk könnte auch seine Position als SpaceX-Boss gegen die Regierung einsetzen. Er droht damit, die von seinem Unternehmen durchgeführten „Weltraum-Taxi-Flüge“ für die Nasa einzustellen. Am wirkungsvollsten: Musk hat sich mit Twitter (heute X) eine weltumspannende Kommunikations-Plattform gekauft. Dort folgen ihm 220 Millionen Menschen. Über dieses Megafon ließe sich Widerstand gegen Trump inszenieren. Musk fängt bereits damit an. Er unterstützt die Forderung, ein Amtsenthebungsverfahren („Impeachment“) gegen Trump einzuleiten.

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Ist ein Amtsenthebungsverfahren realistisch?

Derzeit nicht. Die Republikaner sind Trump, bis auf wenige Ausnahmen, treu ergeben. Sie werden im Kongress, und nur dort könnte das bereits zwei Mal im Falle Trumps gescheiterte Verfahren angestrengt werden, auf absehbare Zeit nicht anrühren.

Wie stichhaltig sind die Epstein-Vorwürfe?

In bereits frei gegebenen Unterlagen der Justizbehörden zum Fall des New Yorker Investmentbankers, der vielen Promis die sexuelle Ausbeutung von jungen Frauen ermöglicht haben soll, kommt der Name Trump vor – allerdings ohne Strafvorwurf. Die beiden waren in den 80er Jahren eng befreundete „Party-Tiger“. Danach überwarf man sich. Musk bezieht sich – ohne jeden Beleg – auf Dokumente, die das FBI trotz gegenteiliger Beteuerung immer noch nicht veröffentlicht hat. Warum? Weil Trump es verhindere. Ohne Offenlage der Akten oder klare Belege bleibt Musks schwere Anschuldigung unbewiesen.

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Wie kann sich Trump an Musk rächen?

Trump kokettiert damit, staatliche Aufträge für SpaceX und andere Musk-Unternehmen in Milliarden-Höhe zu stornieren. Zudem könnte er die E-Automobilität weiter erschweren, was Musks Kern-Unternehmen Tesla treffen würde. Wegen des Streits verlor die Aktie zwischenzeitlich 14 Prozent. Dazu steht Trump das gesamte Portfolio des Staates zu Verfügung. Er kann das Justiz-Ministerium gegen ihn in Stellung bringen und Untersuchungen veranlassen. Irgendwas wird sich finden. Er kann Musk von geheimen Informationen aus dem Bereich der nationalen Sicherheit (Militär, Cyber etc.) abschneiden.  

Er könnte über Dritte Musks berichtete Drogenprobleme in die Öffentlichkeit zerren. Signale für eine dreckige Retourkutsche gibt es schon. Trumps früherer „Zuschläger” Steve Bannon behauptet, der gebürtige Südafrikaner Musk lebe illegal in den USA. Man müsse ihn ausweisen und seine Firmen beschlagnahmen.

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Gründet Musk eine eigene Partei? 

Wenn Elon Musk bei seinen 200 Millionen Abonnenten auf dem Schmutz-Portal X die Temperatur fühlen will, macht er kurze Ja/Nein-Umfragen. In der Hitze des Gefechts mit Donald Trump wollte er wissen, ob es Bedarf für eine (neben Demokraten und Republikanern) neue dritte Partei gibt, die „tatsächlich die 80 Prozent der Mitte vertritt“. Resultat wie immer nicht repräsentativ, aber eindeutig: ja. Heißt aber nichts.

Musk will deutlich machen, was altbekannt ist: Die Schar der Partei-Unabhängigen ist in den USA zahlenmäßig die größte Wählergruppe. Sie mit einem neuen Angebot zu bedienen, macht in der politischen Theorie Sinn. In der realen Welt scheitern solche Versuche stets an der Übermacht der traditionellen Demokraten-Republikaner-Strukturen. Musk hat weder die Nerven noch die Zeit dafür, neben seinen Führungsjobs in Top-Unternehmen hier Kärrnerarbeit zu leisten, auch wenn das Geld kein Problem wäre.

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Können die Streithähne wieder zusammenfinden?

Im Weißen Haus wie auch im Umfeld Musks herrscht blankes Entsetzen über die kometenhafte Eskalation des Streits, die „am Ende beiden schadet.“ Man fragt sich, wie die Kontrahenten das bereits Gesagte wieder zurückholen wollen. Musk lässt Trump als Marionette erscheinen, die ohne seine Wahlkampf-Millionen nie Präsident geworden wäre. Trump bezeichnet Musk als „verrückt gewordenen“ Lügner. Nach Informationen des Magazin „Politico“ sollte am Freitag ein Telefonat zwischen den Kampfhähnen stattfinden, um die Chancen auf Abrüstung auszuloten. Trump äußerte allerdings gegen NBC News, daran kein Interesse zu haben.