Erst der Doppel-Mord an israelischen Botschaftsmitarbeitern vor dem jüdischen Museum in Washington vor wenigen Tagen, jetzt eine Attacke mit Flammenwerfer und Molotov-Cocktails auf friedliche Pro-Israel-Demonstranten in Boulder/Colorado mit sechs Verletzten – jüdisches Leben in den USA steht unter Beschuss.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Unter dem Motto „Run for Their Lives“ erinnern Mitglieder der jüdischen Gemeinde in ganz Amerika seit Langem in regelmäßigen Abständen an die Geiseln, die bei dem Terror-Anschlag der radikal-islamischen Hamas in Israel im Oktober 2023 verschleppt wurden und teilweise immer noch in Gefangenschaft sind. 

Bei einer Veranstaltung in der Innenstadt von Boulder im Rocky Mountains-Bundesstaat Colorado mussten am Sonntagmittag Teilnehmer besagter Solidaritätsveranstaltung selbst um ihr Leben rennen. 

Injuries Reported In Colorado After Attack On Vigil For Jewish Hostages
Polizeichef Stephen Redfearn geht von einem Einzeltäter ohne Hintermänner aus.© Getty Images via AFP | Chet Strange

Ein Mann, der antisemitische Parolen schrie, Israel Kindermord in Gaza vorwarf und „Freiheit für Palästina” forderte, warf nach Zeugen-Aussagen, die später vom FBI bestätigt wurden, Molotov-Cocktails in die Gruppe an der beliebten Pearl Street Mall. Zudem soll er einen behelfsmäßigen Flammenwerfer bei dem Angriff benutzt haben. Mehrere Teilnehmer erlitten teils schwerste Brandverletzungen.

Boulder: Täter setzte selbstgemachten Flammenwerfer ein

Der Täter, der vor dem jüdischen Feiertag Shavuot zuschlug, wurde von der Polizei als Mohamed Sabry Soliman identifiziert. Der 45-Jährige ließ sich am Tatort widerstandslos festnehmen. Über sein Motiv gibt es bisher keine offiziellen Erklärungen. „Ein Rache-Akt wegen Gaza ist nicht unwahrscheinlich”, heißt es in US-Regierungskreisen. 

Soliman soll nach Angaben des Heimatschutzministeriums ägyptischer Nationalität sein und seit Sommer 2022 in den USA gelebt haben. Sein Visum sei bereits Anfang 2023 abgelaufen. Er besaß danach eine unter der Biden-Regierung erteilte Arbeitserlaubnis, die bis März dieses Jahres gültig war. Soliman war demnach illegal in den Vereinigten Staaten.

Die Opfer, zwischen 67 und 88 Jahre alt, werden nach Angaben von Polizeichef Stephen Redfearn in Krankenhäusern versorgt. Zwei Personen mussten mit dem Rettungshubschrauber ins benachbarte Denver geflogen werden. Über ihren Zustand machten die Behörden bisher keine offiziellen Angaben.

Die Tat in Colorado löste umgehend einen Großeinsatz der Behörden aus. Kash Patel, Chef der Bundespolizei FBI, sprach (anders als der örtliche Polizeichef) sofort von einem „gezielten Terroranschlag”, der eine Anklage nach Bundesrecht nach sich ziehen werde. Soliman könnte danach im Falle einer Verurteilung bis ans Lebensende im Gefängnis landen. Phil Weiser, der Justizminister des Bundesstaates, sprach von einem „Hass-Verbrechen”. Andere Sicherheits-Experten äußerten sich verhaltener. „Eine psychische Erkrankung könnte eine Rolle spielen.” 

FBI chief says probing 'targeted terror attack' in Colorado
Der Bereich um den Tatort an der Pearl Street wurde weiträumig abgesperrt. Dort demonstrieren seit Monaten Mitglieder der jüdischen Gemeinden friedlich für die Freilassung der Hamas-Geiseln in Israel.© AFP | ELI IMADALI

Angriff in Colorado: Druck auf Trump nimmt zu

Präsident Donald Trump wurde laufend über den Ermittlungsstand unterrichtet. Auf ihn wächst der Druck, den Schutz jüdischen Lebens in den USA zu verstärken. Der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, forderte globale Maßnahmen. „Es ist Zeit, konkrete Maßnahmen gegen die Anstifter zu ergreifen, wo auch immer sie sich befinden.”

Als die Polizei gegen 13.30 Uhr Ortszeit am Tatort eintraf, bot sich ihnen ein schlimmes Bild. Mehrere Opfer lagen mit verbrannten Gliedmaßen und anderen Verletzungen am Boden. Passanten kümmerten sich bis zum Eintreffen der Notärzte um sie, versuchten mit Wasser die Flammen zu löschen. Brooke Coffman, eine 19-jährige Studentin, war Augenzeugin, als der Täter mit nacktem Oberkörper nach dem Anschlag weiter Parolen skandierte und dabei zwei weitere Molotov-Cocktails in den Händen hielt. 

Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund erhöhter Spannungen in den Vereinigten Staaten wegen des Krieges im Gazastreifen. Das Vorgehen der israelischen Regierung hat sowohl zu einer Zunahme antisemitischer Hassverbrechen als auch zu Bestrebungen konservativer Israel-Anhänger unter Führung von Präsident Donald Trump geführt, pro-palästinensische Proteste als antisemitisch zu brandmarken. Die US-Regierung hat Kriegsgegner ohne Anklage festgenommen und Elite-Universitäten in den USA, die solche Demonstrationen zugelassen haben, die Finanzmittel gestrichen.