Vier Wochen ist Friedrich Merz jetzt Kanzler. Die wichtigsten Ämter sind verteilt, die Schlüsselstellen besetzt. Doch wer ist wirklich wichtig im Merz-Kosmos? Auf wen verlässt sich der 69-Jährige, auf wen hört er  – und wer sagt ihm unverblümt die Wahrheit? Neben vielen bekannten Namen gibt es auch eine echte Überraschung.

CDU-Bundesausschuss
Kanzleramtschef Thorsten Frei© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld

Der Manager: Kanzleramtschef Thorsten Frei ist nicht nur seit Langem ein wichtiger Merz-Vertrauter, er hat auch die Gabe, knallharte politische Positionen im sanften Ton seiner Badener Heimat zu platzieren. Ein Talent, das der 52-Jährige jetzt einsetzen soll, um Merz‘ Politik zu erklären. Während seine Vorgänger eher im Hintergrund blieben, wird erwartet, dass Frei seine Rolle sichtbarer ausfüllen wird. Für die Schlüsselposition in der Regierungszentrale kommt Frei zugute, dass er zuletzt als Fraktionsmanager sein Organisationstalent bewiesen hat.  

Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD
Büroleiter Jacob Schrot© picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Der Mann für alles: Er sieht von Weitem aus wie Friedrich Merz‘ jüngerer Bruder, er ist genauso groß, genauso schlaksig, er hat die gleichen mittelbraunen Haare. Vom Alter her könnte er allerdings eher sein Sohn sein: Büroleiter Jacob Schrot ist 34 – und einer der wichtigsten Berater des Kanzlers. Als Schüler trat der Brandenburger in der ZDF-Show „Ich kann Kanzler“ an – und gewann. Heute gehört Schrot zum engsten Umfeld des Kanzlers, zuletzt war er sein Stabschef in der Unionsfraktion. Merz schätzt Schrots außenpolitische Expertise, auf Auslandsreisen hat er seinen Büroleiter stets in seiner Nähe.

206836_366_cover.jpg
10:1 für die Männer
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 
Regierungs-Pressekonferenz
Regierungssprecher Stefan Kornelius© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld

Der Sprecher: Regierungssprecher Stefan Kornelius ist der Neue in der Runde. Der renommierte Journalist kommt von der „Süddeutschen Zeitung“. Merz und Kornelius kannten sich vom deutsch-amerikanischen Netzwerk Atlantik-Brücke, dennoch war es für beide in der neuen Rolle ein Sprung ins kalte Wasser. Doch die Chemie scheint zu stimmen – was auch daran liegen dürfte, dass der 59-jährige Kornelius ausgewiesener Außenpolitikexperte ist und damit für Merz ein wichtiger Ratgeber.

Fest an Merz‘ Seite: Eine Kritikerin und ein Getreuer

Bundesfamilienministerin Karin Prien
Bundesfamilienministerin Karin Prien © AFP | Tobias Schwarz

Die Kritikerin: Sie war lange Zeit eine der sichtbarsten Merz-Kritikerinnen, doch ihrem Verhältnis hat das nicht geschadet. Die liberale CDU-Frau Karin Prien ist Merz‘ Stellvertreterin im Parteivorstand, seine Ministerin für Bildung und Familie – und die Frau, mit der er sich regelmäßig und auch kontrovers austauscht: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und sprechen sehr offen miteinander“, sagt die 59-Jährige. Zwischen ihr und Merz gebe es ein „Vertrauens- und Vertraulichkeitsverhältnis“.

Carsten Linnemann
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler

Der Getreue: Carsten Linnemann ist eine Mischung aus General (für die politische Attacke), Herbergsvater (für das Adenauerhaus) und Mannschaftskapitän (für die Partei). Nach der Bundestagswahl musste er zwei herbe Enttäuschungen verkraften: das schlechte Ergebnis der CDU und die Besetzung des Kabinetts. Der 47-Jährige wäre gerne Arbeitsminister geworden, musste aber zusehen, wie Merz das Ressort der SPD überließ. Linnemann entschied sich, Generalsekretär zu bleiben. Merz dankte ihm dafür ausdrücklich – auch deshalb, weil er weiß, dass Linnemann mehr erwartet hatte. Ob die Beziehung der beiden nachhaltig Schaden genommen hat, muss sich erst noch zeigen.  

Jens Spahn (CDU)
Unionsfraktionschef Jens Spahn© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler

Erst Angreifer, jetzt Verteidiger: Jens Spahn galt lange Zeit als der Mann, der Merz richtig gefährlich werden kann: politisch ehrgeizig, erfahren, rechtskonservatives Profil. Spahn wollte Parteichef werden, Spahn würde auch gerne Kanzler werden. Und nun? Merz holte Spahn erst als Joker in die Koalitionsverhandlungen, dann schlug er den 45-Jährigen als seinen Nachfolger an der Spitze der Fraktion vor. Es heißt, Merz habe wieder Vertrauen zu seinem einstigen Rivalen, er habe keinen Zweifel mehr an Spahns Loyalität. Aus dem einstigen Angreifer ist ein Verteidiger geworden: Als Fraktionschef muss Spahn Mehrheiten für Merz organisieren.

Kabinett beheimatet große Überraschung

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt© AFP | Tobias Schwarz

Der Diplomat: Ohne ihn wäre es schwer geworden – bei der Zwei-Drittel-Mehrheit für das Schuldenpaket, beim Drama und die Kanzlerwahl im zweiten Anlauf. Der CSU-Politiker und neue Innenminister Alexander Dobrindt ist der Mann, den Merz braucht, wenn er selbst nicht weiterkommt. Verhandlungserfahren, politisch schlau – und, was Merz manchmal fehlt, geschmeidig im Umgang mit politisch Andersdenkenden. Wann immer Merz eine Zwei-Drittel-Mehrheit brauchen sollte, wann immer er Grüne und Linke ins Boot holen muss, wird er Dobrindt anrufen.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Frau an seiner Seite: Im Grunde sind es zwei. Die Juristin Charlotte Merz hat als Ehefrau des Kanzlers großen Einfluss auf ihren Mann. Eine andere Frau aber verdient den Titel genauso: Petra Schauerte hat lange das Wahlkreisbüro im Sauerland gemanagt, jetzt hat sie ein Büro im Kanzleramt: Sie organisiert den Terminkalender, erinnert den Kanzler an Geburtstage, berät ihn auch schon mal bei der Krawattenfarbe. Das Verhältnis der beiden gilt als sehr vertraut, Merz hört auf Schauerte, gerade wenn es um Zwischenmenschliches geht, die angemessene Antwort, den Rückruf zur richtigen Zeit. Eine Verbündete, die ihm auch mal unangenehme Wahrheiten sagen kann.

CDU - Bundesausschuss
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler

Der Meinungsmacher: Der konservative Publizist und Verleger Wolfram Weimer war die große Überraschung in Merz‘ Regierungsteam. Der neue Kulturstaatsminister gehört jedoch schon lange zum Merz-Kosmos – aber bislang eher zum privaten Teil. Aus Treffen am Tegernsee, wo Familie Merz ein Ferienhaus hat und das Ehepaar Weimer lebt, ist eine Freundschaft geworden.