Als in den ersten Tagen der Vollinvasion die russische Armee auf Kiew vorrückte, war es womöglich auch ein überschwemmter Fluss, der die ukrainische Hauptstadt rettete. Die ukrainische Armee hatte kurz zuvor einen Damm des Flusses Irpin gesprengt. Der zu Sowjetzeiten in ein enges Flussbett gequetschte Fluss kehrte in sein ursprüngliches Bett zurück. Das entstandene Feuchtgebiet war für die Russen unüberwindbar und Kiew so gerettet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dieses Prinzip – Feuchtgebiete als natürliche Barriere gegen Invasoren – weitet die Ukraine nun im größeren Maßstab aus, berichtet nun „Loyal“, das Reservistenmagazin der Bundeswehr. Im Fokus dabei: das Grenzgebiet zwischen Belarus und der Ukraine, das von den ausgedehnten Prypjat-Sümpfen durchzogen ist. Diese hatten schon im Zweiten Weltkrieg die Wehrmacht aufgehalten, deren Panzer dort im Morast versanken. Ganz kontrollieren konnten sie die ausgedehnten Sümpfe nie, weshalb sie sowjetischen Partisanen als Rückzugsgebiet dienten.

Ukraine: Sümpfe als „grüner Schutzschild“

Seit Beginn der russischen Invasion hat die Ukraine in dem Gebiet mehrere Brücken und auch Dämme gesprengt. Laut dem ukrainischen Biologen Bohdan Prots ist dies der wesentliche Grund, warum es seitdem keine russischen Angriffe gegen die Ukraine aus Belarus heraus gab. „Die Nutzung von Feuchtgebieten als Abschreckmittel und Barrieren funktioniert“, sagte er, „loyal“. Der Ökologe setzt sich seit Kriegsanfang dafür ein, die ukrainischen Feuchtgebiete gezielt als „grünen Schutzschild“ zu nutzen.

Dafür schlägt er vor, systematisch Dämme zu beseitigen und früher trockengelegte Gebiete wieder zu renaturieren: „Mit gut geplantem Naturschutz kommt man am besten und schnellsten zu renaturierten Landschaften, die zugleich reich an Biodiversität sind und den Feind effizient abhalten“, sagte Prots.

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Auch Polen will Feuchtgebiete für Verteidigung nutzen

Die Idee, Sümpfe als natürliche Barriere zu nutzen, wird nun auch im Nachbarland Polen diskutiert. Im Rahmen des Programms „Östlicher Schild“ will die polnische Regierung die Grenze zu Belarus und Russland sichern. Bislang kommen dabei vor allem umstrittene Zäune zum Einsatz, die die Urwälder zwischen Belarus und Polen zerschneiden.

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Schon vor einem Jahr hatte deswegen die Polnische Akademie der Wissenschaften vorgeschlagen, im Grenzgebiet Feuchtgebiete zu renaturieren und Überschwemmungsflächen zu erweitern. Naturschutz kann so mit Landesverteidigung verbunden werden. Die polnische Regierung zeigt demnach offenbar Interesse an der Idee.