Nachdem die Schätzung der künftigen Steuereinnahmen kürzlich mau ausfiel, stieg das Aufkommen im April 2025 unerwartet deutlich. 10,2 Prozent mehr Steuern sprudelten im Vergleich zum April des vorherigen Jahres in die Kassen von Bund und Ländern, wie dem Mai-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums zu entnehmen ist. 10 Prozent mehr Steuereinnahmen? Wie kann das sein?

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Ein genauerer Blick in den Monatsbericht zeigt, dass vor allem die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer erheblich wuchsen. Sie nahmen demnach um fast 500 Prozent im Vergleich zum April 2024 zu, wie der Mai-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums darstellt.

Steuern: Ein Einzelfall sorgt für höheres Aufkommen
Ausreißer nach oben: Die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer betrugen im April dieses Jahres 4,4 Milliarden Euro, etwa 3,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahresmonat. Diese Erträge fließen den Bundesländern zu. Als Erklärung für die hohen April-Einnahmen kommt „sehr wahrscheinlich ein großer Einzelfall in Bayern“ in Betracht, sagte Steuerexperte Jens Boysen-Hogrefe vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Ökonom Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin vermutete Ähnliches.
Derartige Summen werden mitunter an den Staat abgeführt, wenn die Besitzer von Unternehmen und großen Aktienpaketen sterben, ihre Vermögen an die Nachkommen übergehen und beispielsweise Familien-Stiftungen gegründet werden. Behörden geben in solchen Fragen keine Auskünfte, weil die Informationen dem Steuergeheimnis unterliegen.

Bauwirtschaft kommt aus der Talsohle – das nützt auch dem Staat
Besonders positiv entwickelten sich auch die Erträge aus der Abgeltungssteuer unter anderem auf Zinsen, die Bund und Ländern gemeinsam zusteht. 2,5 Milliarden Euro flossen im April in die staatlichen Kassen, 55 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Hier schlägt sich nieder, dass die Zinsen auf Erspartes stiegen, damit auch die Abzüge der Finanzämter. Eine leichte Belebung war ebenfalls bei der Grunderwerbsteuer zu verzeichnen. Er wurden mehr Immobilien verkauft, was darauf hindeutet, dass die Bauwirtschaft allmählich aus ihrer Talsohle herauskommt.
Auch interessant
Das gesamte Steueraufkommen nahm von Januar bis April 2025 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2024 um knapp zehn Prozent zu. Die Erklärung könnte darin bestehen, dass sich die Wirtschaft gerade ein wenig erholt. Das wird aber wohl nichts an der grundsätzlichen Stagnation ändern. Die Wirtschaftsweisen rechnen mit null Prozent Wachstum in diesem Jahr. Die Steuerschätzer gehen von gleich bleibenden Einnahmen im Vergleich zu 2024 aus.





