Ein Video, das offenbar ein Passant mit seinem Handy vor dem Jüdischen Museum in Washington aufgenommen hat, soll Elias R. zeigen, laut ersten Polizeiangaben 30 oder 31 Jahre alt, aus Chicago, Bundesstaat Illinois. R. trägt ein weißes Hemd, ein dunkles Jackett, Turnschuhe. Ein Polizist und offenbar ein weiterer Passant fassen R., fesseln seine Hände am Rücken. Der Polizist und der Mann führen Elias R. ab, bringen ihn in ein Gebäude. Dann ruft Elias R. laut in die versammelte Menge: „Free, free Palestine!“ Mehrfach hintereinander: „Befreit Palästina“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der kurze Handyfilm soll unmittelbar nach einer Tat gedreht worden sein, die heute die Welt erschüttert. Elias R. steht im Verdacht, zwei Mitarbeitende der israelischen Botschaft in Washington erschossen zu haben. Die Opfer, eines von ihnen hatte offenbar einen deutschen Pass, hatten Behördenangaben zufolge gerade eine Veranstaltung im Jüdischen Museum in der US-Hauptstadt besucht.
Das Video ist bisher nicht von der Polizei bestätigt. Nur der vollständige Name des Täters ist polizeilich bekräftigt. Recherchen unserer Redaktion und anderer Medien zeigen, dass der mutmaßliche Täter auf dem Video mit anderen Fotos von Elias R., die im Internet zu finden sind, stark übereinstimmt.

Washington: Attentat auf israelische Botschaftsmitarbeiter – Tatverdächtiger soll „Free Palestine“ gerufen haben
Die Polizeiführung in Washington bestätigt zudem in einer Pressekonferenz, dass der Tatverdächtige bei seiner Festnahme den pro-palästinensischen Ausruf gerufen haben soll. Elias R. soll laut Berichten US-amerikanischer und israelischer Medien die Tat noch vor Ort während der Festnahme gestanden haben. Die Medien berufen sich auf Augenzeugenberichte.
Wenig weitere Details sind bisher zum mutmaßlichen Täter und dem Tatmotiv bekannt. Die Ermittlungen sind in einem frühen Stadium. Und doch deutet neben dem politischen Schlachtruf für Palästina auch einzelnes anderes darauf hin, dass Elias R. politisch motiviert war. Die Tat könnte damit als anti-israelischer Terrorakt bewertet werden. Zugleich gilt: Die Polizei forscht weiter nach dem Motiv, befragt den Täter, will mehr über die bei ihm beschlagnahmte Tatwaffe herausfinden.
Yaron and Sarah were our friends and colleagues. They were in the prime of their lives.
— Embassy of Israel to the USA (@IsraelinUSA) 22. Mai 2025
This evening, a terrorist shot and killed them as they exited an event at the Capital Jewish Museum in DC.
The entire embassy staff is heartbroken and devastated by their murder. No words… pic.twitter.com/2HytKDp8Fr
Bisher gehen die Ermittler von einem Einzeltäter aus. Elias R. soll unmittelbar vor der Tat vor dem Jüdischen Museum schnell auf und ab gegangen sein. Passanten hielten ihn zunächst für verwirrt, ihm soll sogar Wasser angeboten worden sein, berichten Augenzeugen. Ob er seine Opfer gezielt ausgesucht hat, ist ebenfalls Teil der Ermittlungen.
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Washington: Täter soll bisher nicht als Straftäter bekannt gewesen sein
Die US-amerikanische Polizei gab bisher wenig über Elias R. bekannt. Er soll aber den Sicherheitsbehörden bisher nicht als Straftäter oder politischer Extremist aufgefallen sein. Einige Informationen über Elias R. sind durch Recherchen im Internet und Medienberichte bekannt. Laut seinem Profil auf einer Jobplattform, das allerdings nicht verifiziert ist, arbeitete R. zuletzt für eine Organisation, die sich als Dienstleister für Osteopathen versteht.
Davor soll R. demnach anderthalb Jahre als „Logistikkoordinator“ und „Oral History Researcher“ bei einer Bildungsorganisation, die sich nach eigenen Angaben verschrieben hat, die „bisher nicht erzählten Geschichten“ der schwarzen African-American-Community stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, gearbeitet haben. In dem Online-Autorenprofil von Elias R. heißt es, er sei in Chicago geboren und aufgewachsen. Dort soll er demnach auch studiert haben. Er möge „Lesen und Schreiben, Live-Musik, Film und neue Orte zu entdecken“, beschreibt er sich.
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Der Angriff Israels auf den Gazastreifen hat die linksradikale Szene stark mobilisiert
Auf ein politisches Engagement findet sich auf der Webseite der Organisation wenig, auch Texte von R. sind nicht zu entdecken. Aufschluss über eine zumindest frühere politische Ausrichtung von R. gibt schon eher ein Online-Beitrag einer extrem linken Partei in den USA von 2017, in dem es um den 17 Jahre alten Laquan McDonald geht – ein junger Schwarzer, der 2014 durch einen Polizisten erschossen wurde. Die linke Szene in den USA hat immer wieder gegen die Polizeigewalt im Zusammenhang mit diesem und anderen Fällen demonstriert.
Der Link zu dem Beitrag ist mittlerweile gelöscht, lässt sich aber im „Webarchiv“ rekonstruieren. In dem Beitrag der linksradikalen Zeitschrift wird R. als Vertreter der Partei beschrieben. Das ist bisher nicht offiziell durch Ermittlungsbehörden bestätigt, die Gruppierung dementiert, dass R. Mitglied gewesen ist und distanziert sich von dem Attentat.
Ein Foto in dem Beitrag zeigt R. auf einer Demonstration, auf der die Protestierenden „Gerechtigkeit für Laquan McDonald“ fordern. Zugleich demonstrieren die Menschen am Jahrestag der Tötung von McDonald gegen ein angebliches Angebot der Stadt Chicago über mehrere Milliarden Dollar etwa an Steueranreizen für den Internetriesen Amazon, um deren Hauptquartier in der Metropole anzusiedeln. Die Demonstration war damals offenbar nicht durch die sozialistische Partei organisiert.
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Das Foto auf der Webseite der linken Partei zeigt R., wie er ein Protestschild hält und „Dollar für die Bedürfnisse der Menschen“ fordert, „und nicht für Amazon“. Die Partei selbst distanziert sich nun in einem Beitrag auf der Plattform X, früher Twitter, von Elias R. und gibt an, dieser sei niemals Mitglied der Gruppierung gewesen. Er habe lediglich eine „lose Verbindung“ zu einem Zweig der Partei gehabt. Diese Verbindung sei 2017 geendet. Seitdem habe die Gruppe keinen Kontakt mehr zu R. gehabt. Die linksradikale Organisation distanziert sich in dem Beitrag zudem deutlich von dem mutmaßlichen Attentäter und der Tat in Washington.
Wer sich das Profil der Partei zuletzt anschaut, entdeckt viele Beiträge, die eine klare Position für Palästina und gegen Israel deutlich macht. Von einem „Massaker“ und einem „Genozid“ durch Israel im Gazastreifen wird dort in Beiträgen gesprochen. Die Organisation ruft auch zu Demonstrationen gegen die US-Hilfen für Israel auf.
Am Tag nach der Tat veröffentlicht der US-Journalist Ken Klippenstein auf seiner Webseite ein angebliches „Manifest“, das Elias R. vor dem Attentat online publiziert haben soll. Der Inhalt des Schreibens wäre ein weiterer wichtiger Hinweis, gibt R. doch an, dass die Lage im Gazastreifen ihn zu der Tat motiviert habe. Allerdings haben die US-Behörden die Echtheit des Dokuments bisher nicht bestätigt.
Aktuell steht die israelische Regierung massiv in der Kritik für die Angriffe auf den Gazastreifen, bei dem Tausende Zivilisten, darunter viele Kinder sterben. Die Kritik kommt auch von engen Verbündeten wie Frankreich und Großbritannien. Internationale Organisationen warnen vor Hungerkatastrophen, weil Hilfsgüter durch Israel nicht in die Kriegsregion durchgelassen wurden.

Durch die jüngste Verschärfung der Angriffe durch Israel hat sich offenbar auch die Szene um die Partei, zu der Elias R. gehören soll, radikalisiert. Die Aufrufe gegen die israelische Politik wurden zuletzt auf dem Profil im Internet schärfer und häufiger. Eine starke politische Mobilisierung der pro-palästinensischen Szene beobachten auch deutsche Sicherheitsbehörden für linksradikale Gruppierungen.
Es sind bisher erste Hinweise, die sich über ein Tatmotiv von Elias R. finden lassen. Zugleich ist noch vieles unklar, die Ermittlungen laufen. Ob sich der mutmaßliche Täter und die beiden getöteten Opfer kannten, ist bisher nicht bekannt.






