Wenige Tage nach dem 80. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkrieges werden am 31. Mai in Braunsberg (Braniewo) in Nordost-Polen 15 deutsche Nonnen von der katholischen Kirche seliggesprochen. Als Märtyrerinnen waren sie nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpreußen erschossen, vergewaltigt, missbraucht und verschleppt worden. Die Katharinenschwestern starben zwischen dem 22. Januar und dem 25. November 1945.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Zeremonie erfolgt in dem Ort, wo der Orden 1571 von der 1999 seliggesprochenen Regina Protmann gegründet worden ist. Er liegt unmittelbar an der Grenze zur russischen Enklave Kaliningrad (Königsberg). Der verstorbene Papst Franziskus hatte den Termin bewusst in die Nähe der Feierlichkeiten zum Kriegsende gelegt. Er wollte damit auch auf Kriegsverbrechen hinweisen, die insbesondere von russischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine wieder verübt werden.
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Wut der Soldaten gegen religiöse Symbole
„Die Sowjets stürzten sich auf die Schwestern wegen ihres offensichtlichen Status als Ordensleute, und die wilde Empörung der Keuschheit war das offensichtlichste Zeichen dafür“, berichtet Schwester Amanda Steffen, deren Vorfahren aus dem Ermland stammen. Davon zeuge auch die Wut der Soldaten selbst auf die religiösen Symbole der Schwestern: die Schleier, die Rosenkränze, die Bilder und vor allem ihre Kutte, die fast immer zerschnitten und zerrissen wurden. „Sie sind ihrer Berufung treu geblieben, indem sie das Risiko auf sich genommen haben, um den Kranken, Kindern und Waisen nahe zu bleiben. Sie blieben auf ihren Posten und taten ihr Möglichstes für das Wohl anderer“, fügt Schwester Amanda Steffen vom deutschen Provinzialat der Katharinenschwestern in Münster hinzu.
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Vatikan schickt Kardinal Semerano zur Seligsprechung
Insgesamt erwarten die Organisatoren 10.000 Gläubige in dem 17.000-Einwohner-Ort. Aus Deutschland werden nach ersten Schätzungen etwa 100 Teilnehmer erwartet. Zu ihnen zählen Nonnen, Priester und weitere Vertreter der deutschen Ermländer und ihrer Nachkommen. Ebenso werden zahlreiche Angehörige der Familien der künftigen Seligen dabei sein. Als Hauptzelebrant wird Kardinal Marcello Semeraro, dem für Selig- und Heiligsprechungen zuständigen Präfekten im Vatikan, erwartet. Voraussetzung für die Veranstaltung ist, dass bis zu diesem Zeitpunkt das Konklave beendet und der neu gewählte Papst die Entscheidungen seines Vorgängers bestätigt. „Wenn man die Zeit bis zur Wahl des neuen Papstes realistisch einschätzt, ist der Termin unserer Seligsprechung wahrscheinlich nicht in Gefahr“, erklärte Józef Górzyński, Erzbischof von Ermland.

Der Seligsprechungsprozess war vor mehr als 20 Jahren vom polnischen Erzbischof von Ermland, Edmund Piszcz, in enger Zusammenarbeit mit dem international tätigen Orden eröffnet worden. In dieser Zeit wurden zahlreiche Zeugenaussagen über die Schwestern zusammengetragen. Von den insgesamt 104 in den Jahren zwischen 1945 und 1947 in Folge des Krieges gestorbenen Nonnen wurden am Ende 15 für das Seligsprechungsverfahren ausgesucht. Für sie lagen ausreichend Dokumente und Zeugenaussagen vor.
„Unsere Gemeinschaft hat 104 Schwestern verloren. Nun werden aus dieser großen Gruppe 15 unserer Mitschwestern, stellvertretend für viele andere, deren Namen nicht genannt werden, seliggesprochen. Sie haben ihr Leben für den Glauben gegeben“, betont Schwester Christina Clemens, Oberin der deutschen Provinz mit Sitz in Münster. Der Orden hat in Deutschland zudem Einrichtungen in Berlin, Frankfurt am Main, Daun, Xanten und Kelberg.

„Mehr als eine Mahnung im Zeichen des Ukraine-Krieges“
Die Bedeutung der Seligsprechung unterstreicht der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge an den heimatvertriebenen Katholiken und Aussiedlern sowie deren Nachkommen aus dem Ermland (Ostpreußen). „Angesichts von Vergewaltigungen, Verschleppungen von Kindern und Erwachsenen, Erschießungen von Zivilisten und Kriegsgefangenen und Folter, die es in diesen Zeiten wieder im Krieg Russlands gegen die Ukraine gibt, ist die Seligsprechung der Katharinenschwestern mehr als nur eine Mahnung, nicht wegzuschauen und schnell Wege zum Frieden zu finden“, sagt Präses Achim Brennecke, der Pfarrer in Bergheim (Nordrhein-Westfalen) ist. „Wir wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg, dass das Schicksal der Vorfahren in das Bewusstsein der zweiten und dritten Nachkriegsgeneration übergeht.“
Weitere Seligsprechungsverfahren für Priester und Laien laufen
Unterdessen führt das Erzbistum Ermland Seligsprechungsverfahren für weitere 46 vorwiegend deutsche Märtyrer des Zweiten Weltkrieges, darunter 34 Priester, eine Nonne und elf Laien. Für sie war am 5. November 2011 in Allenstein (Olsztyn) die erste Phase des diözesanen Verfahrens zur Seligsprechung abgeschlossen worden. Unter den Kandidaten sind neun Opfer des deutschen Nationalsozialismus und 37 Opfer des sowjetischen Kommunismus. Letztere wurden beim Einmarsch der Roten Armee in Ostpreußen in den ersten Monaten des Jahres 1945 brutal ermordet oder starben an den Folgen weiterer Repressionen.
Beide Verfahren werden im Vatikan getrennt vorangetrieben. 2024 wurden die sterblichen Überreste von einem dieser Märtyrer-Priester, Pfarrer Franz Zagermann aus Glockstein (heute Unikowo) bei Rößel (heute Reszel), der 1945 nach der Ermordung nur auf einem Bauernhof verscharrt wurde, in einer gemeinsamen Zeremonie von Polen und Deutschen neben der Kirche des Dorfes neu beigesetzt.
Mehr zum Schicksal der Katharinenschwestern und zur Seligsprechung:
katharinenschwestern.de, ermlandfamilie.de, beatyfikacja.katarzynki.org.pl
Es ist meine Pflicht, hier zu bleiben, um den Kranken und Alten, den Kindern und Jugendlichen zu helfen.
Schwester Maria Aniceta Skibowski, Märtyrerin, die am 2. Februar 1945 starb und Ende Mai 2025 seliggesprochen wird.







