Das Rätselraten ist zu Ende. Friedrich Merz hat seine Regierungstruppe zusammen: Die Union stellt zehn Ministerinnen und Minister – es ist eine Mischung aus bekannten Namen, Quereinsteigern und echten Überraschungen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Noch ist das Kabinett nicht komplett – noch fehlen die SPD-Namen. Das Timing ist deswegen unklug: Es wäre ein starkes Zeichen gewesen, wenn Union und SPD ihr Regierungsteam zusammen vorgestellt hätten – als Signal ans Land, dass die Parteipolitik mal kurz eine Pause macht. Es ist eine verpasste Chance.

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Die Unionsliste aber steht nun – und sie ist ein Wagnis. Merz‘ Rechnung kann aufgehen, aber es gibt auch große Fragezeichen. Viele der Unionsminister haben noch keine Erfahrung in der ersten Reihe der Bundespolitik. Leute wie die künftige CDU-Bildungs- und Familienministerin Karin Prien oder der kommende CDU-Außenminister Johann Wadephul kennen sich zwar exzellent aus auf ihrem Gebiet. Aber: Sie haben noch nicht bewiesen, dass sie im rauen Berliner Wind bestehen können, sie sitzen zudem am Kabinettstisch Leuten wie Lars Klingbeil, Boris Pistorius oder Bärbel Bas gegenüber – sozialdemokratischen Langzeitprofis.

Merz geht mit dieser Mannschaftsaufstellung ein Wagnis ein

Das gleiche gilt für die künftige CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Sie muss die versprochene 180-Grad-Wirtschaftswende im Ringen mit den SPD-Ressortchefs für Finanzen und Arbeit hinkriegen. Oder CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken: Sie ist bislang nicht als Gesundheitsexpertin aufgefallen – muss jetzt aber im knallharten Lobbyzirkus aus Ärzten, Kassen und Kliniken bestehen und gleichzeitig die Beitragszahler entlasten.

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Klar ist bereits jetzt: Das Machtzentrum der neuen Regierung ist nicht das Kabinett. Die großen Linien werden woanders festgelegt: im Koalitionsausschuss, wo die Spitzen von CDU, CSU und SPD alle vier Wochen zusammenkommen. Dort sitzt Markus Söder, dort sitzen auch Merz‘ wichtigste Vertraute, Generalsekretär Carsten Linnemann und sein Kanzleramtsminister Thorsten Frei. Merz geht mit dieser Mannschaftsaufstellung ein Wagnis ein – auch, weil er sich selbst erst in seiner neuen Rolle beweisen muss: als Moderator der Macht.