Wieder einmal kocht der Konflikt um die Himalaya-Region Kaschmir hoch. Die Welt ist besorgt, dass der Streit zwischen den Atommächten Indien und Pakistan aus dem Ruder laufen könnte.

Was sind die Auslöser der jüngsten Unruhen?

Im indisch kontrollierten Teil der Himalaya-Region Kaschmir haben mutmaßliche Extremisten am Dienstag auf Touristen geschossen und dabei mindestens 26 Menschen getötet. Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt – seit Jahrzehnten gibt es zwischen den Nachbarstaaten Streit. Auch China kontrolliert einen Teil der Bergregion. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Die indische Polizei fahndete nach drei Angreifern der pakistanischen Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba, die Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat. Es war der folgenschwerste Angriff in Kaschmir seit mehr als 20 Jahren. Indien beschuldigt Pakistan, in Kaschmir „grenzüberschreitenden Terrorismus“ zu unterstützen, was Islamabad zurückweist.

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Am Mittwoch verkündete Neu-Delhi die Aussetzung eines Abkommens zur Verteilung von Wasserressourcen mehrerer Himalaya-Flüsse. Die pakistanische Regierung drohte daraufhin: Jeder Versuch Indiens, den Wasserlauf des wichtigen Indus-Flusses zu stoppen und damit die pakistanische Wasserversorgung zu gefährden, werde als „Kriegsakt“ bewertet. Am Donnerstag eskalierte der Konflikt weiter. Indien ordnete die Ausweisung aller pakistanischen Staatsangehörigen an. Pakistan verwies indische Diplomaten des Landes und kündigte einen Stopp des Handels an. In der Nacht zum Freitag lieferten sich indische und pakistanische Soldaten nach Angaben beider Seiten einen Schusswechsel. Die Vereinten Nationen mahnten die Länder zu „maximaler Zurückhaltung“.

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Warum ist der Streit zwischen Indien und Pakistan so gefährlich?

Indien ist seit 1974 Atommacht und verfügt nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri über 172 nukleare Sprengköpfe. Das pakistanische Atomprogramm begann 1972, das Land besitzt 170 nukleare Sprengköpfe. International wird befürchtet, dass eine Konfrontation der beiden Länder in einen Atomkrieg münden könnte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Einen heiklen Moment gab es 2019. Nach einem Selbstmordanschlag, bei dem 40 indische Soldaten in Kaschmir getötet wurden, führte Indien Luftangriffe gegen mutmaßliche Extremisten in Pakistan durch. Ein indischer Pilot stürzte damals auf pakistanischem Gebiet ab und geriet in Gefangenschaft. Pakistan ließ ihn kurz darauf frei. Aber für ein paar Stunden sah es so aus, als könnte der Vorfall die beiden Nuklearmächte an den Rand eines Kriegs führen.

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#9 Lars Klingbeil über seinen Soldatenvater und das Sterben im Krieg
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Was steckt hinter dem Kaschmir-Konflikt?

Die Region Kaschmir, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird, ist seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans im Jahr 1947 geteilt. Beide Länder beanspruchen das Gebiet vollständig für sich und haben bereits zwei Kriege um die Kontrolle der Bergregion geführt. Beim indisch-chinesischen Grenzkrieg 1962 ging es ebenfalls um Kaschmir. Rebellengruppen kämpfen im indischen Teil Kaschmirs für eine Unabhängigkeit vom mehrheitlich hinduistischen Indien – oder für einen Zusammenschluss mit Pakistan. Indien hat eine halbe Million Soldaten in der Region stationiert und geht dort seit 1989 gegen Rebellengruppen vor. Dabei wurden Zehntausende Zivilisten, Soldaten und Extremisten getötet.