Sie haben ihm die Zunge herausgerissen, den Kehlkopf und dann auch das Herz. Damit bleibt unklar, wie der Deutsche Jamshid Sharmahd in iranischer Geiselhaft starb. Wurde er hingerichtet, erhängt oder erdrosselt? Kam er durch die Haftbedingungen ums Leben? Ein halbes Jahr nach seinem Tod wurden nun bei der Trauerfeier in Berlin die Autopsie-Ergebnisse veröffentlicht. Klarheit bringen sie nicht, allerdings die Erkenntnis: Der Körper hat in den in den vier Jahren der Geiselhaft massiv gelitten.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Für diese Qualen sieht Tochter Gazelle Sharmahd die scheidende Ampelregierung von Olaf Scholz mit in der Verantwortung: „Ihr habt den Repräsentanten des Regimes die Hände geschüttelt, während mein Vater im Kerker mit seinem Leben rang“, sagte sie während der Trauerfeier. Der Sarg, vor dem sie stehe, sei das Ergebnis der Geschäfte zwischen Iran und Deutschland. Und der Stille, was den Umgang mit Regimekritikern und Geiseln angehe.
Auch interessant
Neben der ehemaligen Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), sprach auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir bei der Trauerfeier der Familie sein Beileid aus. Gefragt nach der Verantwortung rot-grünen Bundesregierung für den Tod Sharmahds erklärte Özdemir, noch ist er geschäftsführender Minister, er glaube nicht, dass man Mörder und Diktatoren beeindrucke, „wenn man nicht deutlich ist.“
Cem Özdemir erinnert an seinen alten Yogamatten-Vergleich
Ob die Bundesregierung richtig gehandelt habe, könne er nicht beantworten, sagte er dieser Redaktion – und verwies auf seine Worte aus dem Jahr 2014. Damals sprach er sich – anders als seine Partei – dafür aus, Waffen in den Nordirak zu liefern, um den Kampf gegen den IS zu unterstützen. Man könne sich dem IS schließlich nicht mit der Yogamatte entgegenstellen. Deutschland dürfe sich nicht „vornehm an der Seitenlinie aufstellen und eine Bauchnabeldebatte führen.“ Die Äußerungen hatten eine heftige Debatte innerhalb der Grünen ausgelöst.

Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich in den vergangenen Jahren vergeblich als Pate für die Freilassung von Jamshid Sharmahd eingesetzt. Bei der Trauerfeier ließ er ein Grußwort vorlesen, indem er einen neuen Kurs im Umgang mit dem Iran ankündigte.
„Der Tod macht uns betroffen, wütend und tief traurig“, hieß es darin. Er habe größte Hochachtung vor dem Einsatz, mit dem Tochter Gazelle Sharmahd für die Freilassung ihres Vaters kämpfte. „Ich bedauere es sehr, dass es mir nicht gelungen ist, ihr dieses Schicksal zu ersparen.“ Sein Tod sei nun die Verpflichtung der künftigen Bundesregierung, sage Merz und versprach: „Der Kurs wird klarer und härter werden“.

Menschenrechts-Aktivistin Düzen Tekkal erwartet nun von der neuen Bundesregierung, „dass mit der Appeasement-Politik gegenüber der Islamischen Republik Schluss ist“, sagte die Gründerin der Hilfsorganisatin HÁWAR.help nach der Trauerfeier dieser Redaktion.
Dazu gehöre, die Revolutionsgarde auf die EU-Terrorliste zu setzen, einen Abschiebestopp für Menschen aus dem Iran zu verhängen und bundesstaatsanwaltschaftlich Ermittlungen gegen die Verantwortlichen für Sharmahds Tod aufzunehmen. „Wir werden den Paten und designierten Bundeskanzler daran erinnern“.
- Um Vorurteile abzubauen: Jüdin lernt Arabisch – „Sie dachten, ich sei vom Geheimdienst“
- FUNKE Podcast: Nahost in der Sackgasse von Gewalt und politischem Versagen
- Geologe liefert Analyse: Tunnel-Experte hält Gazastreifen für langfristig unbewohnbar
- WHO: Gesundheitswesen im Gazastreifen dem Zusammenbruch nahe
Der deutsche Ingenieur, Journalist und Aktivist Jamshid Sharmahd wurde im Sommer 2020 vom iranischen Geheimdienst in Dubai entführt. Nach jahrelanger Haft, wahrscheinlicher Folter und ohne Rechtsbeistand wurde er 2023 zum Tode verurteilt. Im Oktober 2024 berichteten iranische Medien zunächst über die Vollstreckung. Später erklärte aber die iranische Justizbehörde, Sharmahd sei vor der Vollstreckung gestorben.






