Die Zölle kommen, und Amerikas Verbraucher sind sauer. Wenn am Samstag US-Präsident Donald Trumps flächendeckende Einfuhrzölle greifen, könnten schlagartig die Preise für ein ebreite Palette an Produkten kräftig steigen. Von den populären Haribo-Gummibärchen über Schweizer Käse und französischen Wein bis hin zu Bosch-Küchengeräten und österreichischen Fischer-Skiern. Auch könnten sich Smartphones aus China und Sportschuhe aus Vietnam – für diese Länder gelten dann Sätze von 54 und 46 Prozent – stark verteuern. Einige spüren aber schon heute die Abgaben. Und sie machen aus ihrem Ärger keinen Hehl.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Früher als andere Branchen bekommt nämlich eine Industrie die Folgen der Sanktionen zu spüren. Autohersteller, Händler und verunsicherte Kunden. Fast alle sind scharfe Kritiker der Abgaben. Und viele von denen, die im vergangenen November dem Republikaner ihre Stimme geschenkt hatten, bedauern nun die Entscheidung. Anders als die umfassenden Abgaben in Höhe von 10 Prozent, die am Samstag in Kraft treten werden, gelten die 25-prozentigen Zölle für Autos und importierte Teile schon seit Mittwoch. Das hat zu Panikkäufen und bei Vertragshändlern zu Bildern geführt, wie man sie zuletzt während der Corona-Pandemie gesehen hatte. Kunden haben nämlich Angst, dass wenn sie den für Juni geplanten Kauf einer neuen Limousine, eines Sportgeländewagen oder Kabrios auf die lange Bank schiebe, die Fahrzeuge unerschwinglich sein werden.
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Folglich gehen Autos, die vor Inkrafttreten der Zölle geliefert wurden, weg wie warme Semmeln. Immer häufiger sind Parkflächen vor Autohäusern, wo sonst Hunderte Neuwagen stehen, leergefegt. „Ich habe gerade noch meinen kleinen Toyota SUV bekommen“, sagt Jessica Valor aus Houston. „Hätte ich gewartet, bis die Zölle ihre Wucht entfalten, dann hätte ich mir den Wagen nicht mehr leisten können“, stellt die Projektleiterin bei einer texanischen Tech-Firma fest. Dann fügt sie hinzu. „Absoluter Schwachsinn, ich weiß nicht, was Trump sich dabei denkt, denn seine Sanktionen werden alle Haushalte tief ins Mark treffen“.

Trumps Zölle: Händler und Hersteller klagen über „zerstörerische Wirkung“
Besorgt sind aber nicht nur Kunden. Steve Maus aus Kimball, Minnesota gehört das Autohaus „Maus and Sons“. Er ist besorgt, dass „unsere Klientel nicht nur abbröckelt, sondern über Nacht so gut wie verschwinden könnte“. Fast alle Wagen, die vor dem 2. April geliefert wurden und für die noch die alten Preise gelten, „habe ich längst verkauft oder Vorverträge abgeschlossen“. Maus will nicht sagen, für wen er im November gewählt hat. Doch aber macht er klar, dass „die Zölle eine zerstörerische Wirkung entfalten werden“.
Zutiefst verärgert sind auch die Hersteller. „Machen wir uns nichts vor, Zölle von 25 Prozent werden in unserer Branche ein so großes Loch aufreißen, dass die Folgen kaum abzuschätzen sind“, sagt Jim Farley, Vorstandschef von Ford. Wie auch die anderen US-Autobauer General Motors (GM) und Stellantis kauft nämlich Ford Teile im Ausland ein. Zudem sind mehrere Stufen des Produktionsprozesses in Niedriglohnländer wie Mexiko verlegt worden. Viele der Trucks überqueren, bevor sie beim Händler ankommen, mehrmals die Grenze. Andere Firmen montieren auch teilweise in Kanada. Dies hat zur Folge, dass Zollbeamte für ein und dasselbe Auto bei jeder Grenzüberschreitung 25 Prozent kassieren können.
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Jobverluste beginnen erst
Unterdessen haben die Hersteller mit rabiaten Maßnahmen reagiert. VW hat bereits angekündigt, für Neuwagen in den USA eine „Importgebühr“ in Rechnung zu stellen, die jeden Passat und Tiguan verteuern würde. Der US-Hersteller Stellantis kündigte an, in den USA 900 Arbeitsplätze zu streichen, und auf diese Entlassungen dürften weitere folgen. Zudem hat der Autobauer Pläne für neue Werke in Kanada und Mexiko auf Eis gelegt.
Kritiker hat Trump aber nicht nur in der Industrie. Demokraten, die früher als die eher protektionistische Partei galten, zogen gegen die Zölle zu Felde. „Faktisch ist das nichts anderes als eine Mehrwertsteuer, die jede Familie treffen und Millionen in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte“, sagte der demokratische Senator Dick Durbin. Er zitiert Studien, wonach die Abgaben für den durchschnittlichen US-Haushalt zu einer jährlichen Mehrbelastung von 5.000 Dollar führen werden.
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Experten verwerfen Trumps Theorie
Scharf urteilen auch führende Experten. Der angesehene Nationalökonom Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody‘s Analytics, verwirft Trumps zugrundeliegende Theorie: Dass die Zölle Unternehmen veranlassen werden, mehr in den USA zu produzieren und die „Re-Industrialisierung“ voranzutreiben. „Die Zölle wurden nicht durch ein Gesetz sondern per Dekret verhängt“, sagte Zandi. Bei der Unvorhersehbarkeit dieses Präsidenten, „der mit einer Unterschrift alles wieder ändern kann, werden sich weniger Unternehmen veranlasst sehen, neue Fabriken zu eröffnen und die Produktion in die USA zu verlegen“.
Dave A., ein Immobilienmakler aus Virginia, hat vergangenes Jahr Trump seine Stimme gegeben. „Ich war vorsichtig optimistisch, als er kam. Doch was der Mann macht, ist konzeptlos und einfach verrückt.“ Dave leidet unter dem flauen Häusermarkt und beklagt sich seit Jahren über die hohen Preise, die ihn und seine Familie in Bedrängnis bringen. „Die Preise werden jetzt weiter steigen, für alle möglichen Dinge, die wir brauchen“, klagt Dave. Daran gibt er allein dem Präsidenten die Schuld. „Ich bereue zutiefst, Trump meine Stimme geschenkt zu haben.“











