Deutschland, im Jahr 2025: Jeder Dritte hat ausländische Wurzeln, die Einwanderungsgesellschaft ist Realität. Doch ist das Land schon bereit für einen Regierungschef mit türkischen Wurzeln? In einem Jahr wird in Baden-Württemberg gewählt – und es geht (auch) um diese Frage.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Fünf Landtagswahlen gibt es im nächsten Jahr, eine der wichtigsten ist am 8. März im Südwesten. Hier steht ein echter Generationswechsel an: Wer folgt auf Winfried Kretschmann, den grünen Langzeit-Landesvater in Stuttgart? Eines ist so gut wie sicher: Es wird ein Mann. Und es wird ein echtes Duell.
Özdemir contra Hagel: Wer folgt auf Grünen-Urgestein Winfried Kretschmann?
Seit dem Wochenende ist der Wahlkampf eröffnet: Für die CDU tritt der bundesweit noch relativ unbekannte Landeschef Manuel Hagel an – für die Grünen wird es Cem Özdemir. Noch ist Özdemir geschäftsführender Bundeslandwirtschafts- und Bundesbildungsminister. Doch der Schwabe, dessen Eltern einst aus Anatolien nach Deutschland kamen, wird seit langem als der Mann gehandelt, der zum ersten Regierungschef mit türkischen Wurzeln werden könnte.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der Konservative mit dem grünen Parteibuch, landete bei der Wahl 2021 noch mit deutlichem Vorsprung vor der CDU – doch die Zeiten sind vorerst vorbei: In den Umfragen liegt die CDU seit vielen Monaten mit deutlichem Vorsprung vor dem grünen Koalitionspartner. Zuletzt kamen die Christdemokraten auf 33 Prozent, die Grünen auf 22 Prozent. Kann Özdemir den Vorsprung aufholen?
Sein Konkurrent von der CDU, der 36-jährige Hagel, ist kein Politneuling. Im Eiltempo setzte er sich an die Spitze des zweitgrößten CDU-Landesverbands, weitete seine Macht zuletzt mehr und mehr aus. Hagel bespielt mittlerweile auch erfolgreich die bundespolitische Bühne: Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin führt er die Verhandlungsgruppe von SPD, CDU und CSU zum Thema Digitalisierung.

Hagel ist halb so alt wie der Mann, den er in der Staatskanzlei beerben will. Doch genauso wie Grünen-Urgestein Kretschmann kommt er aus der schwäbischen Provinz; aus Ehingen, wo er zunächst Karriere bei der örtlichen Sparkasse machte. Der ehemalige CDU-Landeschef Thomas Strobl förderte ihn, machte das Polittalent aus der Jungen Union 2016 zum Generalsekretär. 2021 wurde Hagel Fraktionschef im Landtag, seit 2023 ist er Parteichef im Südwesten. Hagel ist katholisch, verheiratet und Vater dreier Söhne.
Hagels Auftrag ist klar: Er soll die bittere Phase der Südwest-CDU beenden, die es im Grunde ehrabschneidend findet, seit Jahren als Juniorpartner der Grünen unterwegs zu sein. Zwar funktioniert das grün-schwarze Regierungsbündnis relativ geräuschlos – doch eine Neuauflage mit Cem Özdemir als Regierungschef mag sich in der CDU niemand vorstellen.
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Für Hagel gibt es nun zwei Probleme. Problem Nummer eins: Konkurrent Özdemir ist beliebt, erfahren und könnte von Kretschmanns Amtsbonus profitieren. Der sagt im Übrigen ganz klar, dass die Menschen anders als früher im Land heute bereit wären für einen Regierungschef mit türkischem Namen. Problem Nummer zwei: Die Union ist nach der Bundestagswahl und Friedrich Merz‘ 180-Grad-Wende bei den Schulden in den Umfragen abgerutscht, auch das könnte sich auf die Landtagswahl auswirken.








