Der ZDF-Talk „Markus Lanz“ ist am Mittwochabend ein Schaufenster des politischen Zustands Deutschlands. Und was sieht man, wenn man hineinschaut? Chaos. Viele Themen, viel Ärger, wenig Lösungen. Von der Türkei über Merz bis hin zu Baerbock – Markus Lanz und seine Gäste springen quer durch die politische Landschaft.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Journalist Deniz Yücel spricht eindringlich über die Proteste in der Türkei: „Damals ging es um Freiheit. Heute geht es vielmehr um Brot als um Freiheit.“ Seit Tagen gehen Zehntausende in der Türkei für die Freilassung des Oppositionspolitikers Ekrem İmamoğlu auf die Straße. Yücel hat selbst ein Jahr in türkischer Untersuchungshaft gesessen – in demselben Gefängnis.

İmamoğlu gilt als Erdogans potenziell aussichtsreichster Herausforderer bei der für 2028 angesetzten Präsidentschaftswahl und wurde von der größten Oppositionspartei als Kandidat aufgestellt. „Er sitzt einzig deshalb im Gefängnis, weil Erdogan in ihm eine Gefahr sieht“, ordnet Yücel die Verhaftung ein. „Das ist ein mafiöses Regime, das Erdogan da installiert hat.“ Die Justiz diene als politisches Werkzeug, Universitäten würden instrumentalisiert, kritische Stimmen mundtot gemacht.

Die Türkei als Sicherheitsrisiko

Nahostexperte Guido Steinberg sieht die Türkei längst als geopolitisches Sicherheitsrisiko: „Ein Großteil der Finanzierung der Hamas läuft durch die Türkei.“ Die Türkei baue ihre Macht aus und erwarte gleichzeitig, dass der Westen sie militärisch unterstütze, als wäre sie ein verlässlicher NATO-Partner. „Im Konfliktfall im Baltikum kann man auf die Türkei nicht zählen“, so Steinbergs Einschätzung.

Türkei-Proteste: Darum hat Erdogan vom Westen wenig zu befürchten

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    Michael Bröcker, Chefredakteur von „Table.Media“, stimmt ihm zu: „Wir sind umzingelt von Autokraten.“ Die Türkei rücke immer weiter von westlichen Werten ab, während Deutschland noch über seine eigene Position in der Weltpolitik hadere. Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner äußert außerdem Besorgnis, dass es immer mehr Nachahmer von Donald Trump gebe, die „die Demokratie abschaffen wollen“. Deswegen erwarte sie deutliches Handeln der neuen deutschen Bundesregierung.

    Muss Friedrich Merz Hendrik Wüst fürchten?

    „Merz muss sich ganz schnell einarbeiten“, fordert auch Bröcker. Zwar möge der CDU-Chef noch nicht Kanzler sein, aber „während der eine noch gar nicht Kanzler geworden ist, hat sich der andere, möglicherweise Werdende, schon warmgelaufen“ – gemeint ist Hendrik Wüst.

    Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen übte nämlich in der „ARD“-Sendung „Maischberger“ am Dienstagabend deutliche Kritik an der CDU. Dort zeigte er sich trotz des Sieges der Christdemokraten bei der Bundestagswahl 2025 unzufrieden mit dem Ergebnis und der neuen Ausrichtung der Partei.

    Die AfD im Bundestag: Eine Gefahr für die Demokratie?

    Besonders alarmierend ist für Bröcker jedoch etwas anderes: die 150 Sitze der AfD im Bundestag. Bröcker spricht von einem „riesigen, fast ausschließlich männlichen Block“, dessen Sprache und Auftreten „verachtend“ sei.

    Das Problem sei nicht nur die bloße Anzahl der Abgeordneten, sondern auch ihre Wortwahl. „Rot-grüne Schrumpfgermanen, Mischpoke – das ist Vokabular aus dem Nationalsozialismus“, mahnt Grünen-Politikerin Brantner. Eine demokratisch gewählte Mehrheit sei kein Kartell. „Die Frage ist, ob Friedrich Merz und Lars Klingbeil wissen, was zu tun ist, damit die nicht noch mehr Plätze bekommen“, merkt Bröcker an.

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    #4 Cem Özdemir über die Bedrohung durch Erdogans Anhänger
    Meine schwerste Entscheidung
     

    Baerbock als Vorsitzende der UN-Generalversammlung

    Als wäre das nicht genug, landet die Runde zum Abschluss bei Annalena Baerbock. Die grüne Außenministerin steht in der Kritik, weil sie Vorsitzende der UN-Generalversammlung werden soll. „Das passt ja wohl nicht zu ihrer feministischen Außenpolitik“, findet Bröcker. Es sei unfair, dass sie einer hochqualifizierten Diplomatin, die sich bereits eine Wohnung gesucht habe, den Job wegnehme.

    Brantner versucht, mit der vergleichsweise hohen Frauenquote der Grünen im Bundestag zu argumentieren. So richtig führt das nirgendwo hin. Außer, dass man das Thema jetzt auch noch abgehakt hat. Ein Abend, der sich mehr nach Presseschau anfühlt denn nach inhaltlich tiefgehender Auseinandersetzung.