Wie in einem Gemischtwarenladen hat Sandra Maischberger am Dienstagabend in der ARD über verschiedenste Themen diskutieren lassen – Frauenfragen, Russland und Elon Musk. Aber am energischsten in ihren Wortmeldungen war die Studiorunde bei der Leitfrage, wie es um die Gleichberechtigung von Frauen in der Politik stehe und ob Friedrich Merz (CDU) ein Frauenproblem habe.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Hauptgast, Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von NRW, ging darauf in einer indirekten Weise ein. Aber zunächst musste er nochmal zur Schuldenbremse und der Wende von Merz nach der Wahl Stellung nehmen. „Der Wortbruch steht im Raum, er ist aber begründet“, meinte Wüst. Mit der Rede von James D. Vance in München und der Szene im „Oval Office“ zwischen Trump und Selenskyj sei doch erst belegt worden, dass die USA kein verlässlicher Partner und die Milliardenausgaben notwendig seien, daher die Wende. Er selbst hätte es übrigens anders gemacht als die jetzigen Koalitionsverhandler in Berlin, meinte der CDU-Landespolitiker. Er hätte erst nach Einsparpotenzialen gesucht und dann die notwendigen Ausgaben beziffert.

„Bild“-Journalistin: „Das war Chauvinismus pur“

Für Aufsehen in der Union hatte die CDU-Politikerin Mechthild Heil gesorgt, die die Union als Bauexpertin fachfremd in ihre Arbeitsgruppe Familie schicken wollte und die dies wegen der Gleichsetzung „Frau gleich Familie“ empört abgelehnt hatte. Als Vorsitzende der „Gruppe der Frauen“ in der Unions-Bundestagsfraktion hat Heil dann eine paritätische Besetzung der neuen Regierung und der Unions-Spitzenämter im Parlament verlangt – und Merz unter Druck gesetzt. „In meinem Kabinett habe ich eine paritätische Besetzung“, sagte Hendrik Wüst nun bei Maischberger – ein deutlicher Fingerzeig für Merz. Die Arbeitsgruppe Bauen und Wohnen werde jetzt übrigens von seiner Bauministerin aus Düsseldorf geleitet. Merz wollte Wüst allerdings kein Frauenproblem unterstellen, der werde „da in so eine Ecke gedrängt“.

Emotionaler waren die Wortmeldungen der ins Studio geladenen Journalisten. Ein in der aktuellen Debatte wieder aufgetauchtes Zitat von Merz aus dem Jahr 2024, wonach „wir den Frauen keinen Gefallen tun“ mit einer paritätischen Besetzung von Spitzenämtern, dies zeige doch die Fehlbesetzung des Verteidigungsministeriums mit Christine Lambrecht (SPD), ist in der Runde wütend kommentiert worden. „Das war Chauvinismus pur“, meinte Angelika Hellemann („Bild“), und es sei auch „unglaublich patriarchalisch“, denn über eine Fehlbesetzung von Männern – etwa Minister Andi Scheuer (CSU) mit seinem Maut-Desaster – spreche Merz ja auch nicht. Der Journalist und Moderator Friedrich Küppersbusch bezeichnete Merz als „die lose Kanone von Brilon“.

Diskussion über die Besetzung des UN-Postens

Energisch blieben die Wortmeldungen zum Fall von Außenministerin Annalena Baerbock, die auf den Posten der Präsidentin der UN-Vollversammlung wechseln möchte und dafür die erfahrene Diplomatin Helga Schmid ausgestochen hatte. Es kamen heftige Widersprüche zu den kritischen Kommentaren des Ex-Diplomaten und früheren Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, der Baerbock als „Auslaufmodell“ bezeichnet hatte. Das sei eine „Unverschämtheit“ gewesen gegenüber einer renommierten Außenministerin, die beispielsweise Russlands Außenminister Lawrow die Stirn geboten habe, meinte die Journalistin und Moderatorin Petra Gerster. „Wäre Baerbock ein Mann, wäre ihr die ganze Aufregung nicht passiert.“

Hellemann zeichnete den ehrgeizigen Karriereweg von Heusgen nach, der mal seiner Frau einen UN-Posten in New York besorgt habe, und ausgerechnet so einer kritisiere die Außenministerin als „gnadenlose Emanzen-Ziege“ – im Übrigen steche Ober den Unter. Etwas nüchterner sah Küppersbusch den Fall Baerbock, das sei kein „feiner Zug“ von ihr gewesen und auch wenn eine Frau eine Intrige begehe, werde er das nicht „parfümieren als Female Empowerment“. Auch an der Qualifikation hatte Küppersbusch so seine Zweifel: Baerbock habe den Chinesen Xi als Diktator bezeichnet, die Brics-Staaten als „russisch unterwandert“ und Russland als „Endgegner“ – „da werden sich bei der UN schon viele freuen auf Baerbock“.

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Carsten Maschmeyer nennt Musk „Staatsfeind“

Für die Befragung des früheren russischen UN-Diplomaten Boris Bondarew war das eine perfekte Überleitung – denn Bondarew hält wenig von den derzeit laufenden USA-Russland-Gesprächen über eine Waffenruhe in der Ukraine. Das Trump-Team arbeite sehr unprofessionell, meinte Bondarew, es gebe seine roten Linien bereits preis und mache unilateral Konzessionen, die von Moskau noch gar nicht eingefordert seien. „Putin lehnt sich zurück und wartet ab“, meinte Bondarew. Sein Ziel sei erreicht, wenn die Einheit der Nato zerbrochen sei. Mit einem Tyrannen verhandele man nicht, man müsse gegen ihn in den Krieg ziehen.

So düster wie Bondarews Blick in den Osten, so ähnlich erschreckend war der Eindruck, den der Unternehmer und viel in die USA Reisende Carsten Maschmeyer vom US-Milliardär Elon Musk zeichnete. Musk sei ein „Staatsfeind“, der den Staat und seine Regeln abschaffen wolle. Er selbst sei ja auch dafür, Bürokratie abzubauen, aber nicht im Sinne von Musk. Er sei ja als ehemaliger Bafög-Empfänger selbst ein „Profiteur“ des Staates.

Maischberger
Carsten Maschmeyer im Studio mit Sandra Maischberger.© WDR | Melanie Grande

„In manchen Dingen ist Musk durchgeknallt und revolutionär, er strebt eine Art Weltherrschaft an.“ Dass dies ein „Superoligarch“ tue, das sei schon „bizarr und abschreckend“. Für eine einzelne Person sei jetzt der Zugang zur Macht und zu Daten in aller Welt möglich, auch um sich selbst zu bereichern. Am Phänomen Musk zeige sich, dass der Stärkere alle Macht auf sich ziehen könne. Zu Trump passe das gut, auch der sehe jedes schwache Land als Beute. „Nach dem, was Sie bei uns gesagt haben, können Sie nicht mehr in die USA reisen“, meinte Maischberger am Ende ihrer Sendung. Maschmeyer blieb unbeeindruckt: das werde man ja sehen.