Ist die Parklücke zu klein, dann schiebt man sie eben mit seinem Auto einfach ein wenig größer: In Paris hat das schon immer funktioniert. Die Pariser Autofahrer legen beim Parken dafür extra keinen Gang ein und ziehen auch die Handbremse nicht an. Eben damit sich ihr Auto auch leicht wegschieben lässt.

Auch interessant

Vielleicht ist es diese pragmatische Mentalität der Pariser, die es der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo ermöglicht, ihren Traum zu verwirklichen und die Metropole zu einer Gartenstadt für Menschen zu verwandeln. Eine Mentalität, für die ein Auto ein Nutzfahrzeug ist, das auch mal eine Beule haben kann. Wird es nicht mehr gebraucht, kann es weg.

In Paris ist Parken richtig teuer, vor allem für große SUVs

Dafür machte Anne Hidalgo Schnellstraßen zu Fahrradpisten und Fußgängerzonen, schneller als 30 Kilometer pro Stunden darf in der ganzen Stadt nicht gefahren werden, Parken ist richtig teuer, erst recht für sperrige SUV. Und nun sollen die Autos auch noch aus weiteren 500 Straßen ferngehalten werden. Spinnen die denn da in Paris?

Bürgerbefragung in Paris über autofreie Straßen
Paris: Menschen verbringen den Abend am unteren Seineufer. Wo jetzt Menschen den Sommerabend genießen, verlief vor einigen Jahren noch eine innerstädtische Schnellstraße. © DPA Images | Rachel Boßmeyer

Diese Umplanung ist ein Albtraum für Autofahrer – aber auch ein Traum für alle anderen. Die Konsequenz: Der Autoverkehr ist drastisch zurückgegangen, an der Seine treffen sich jetzt Jogger, Eltern bringen ihre Kinder mit dem Rad zur Schule, Touristen flanieren. In Paris gehen die meisten Einwohner zu Fuß und bekommen jetzt den Raum dafür.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Offenbar haben sich die Bewohner von Paris längst arrangiert, zumindest diejenigen, die fit sind, die nicht mit dem Auto irgendwohin pendeln müssen, die keine Handwerker oder Lieferanten sind. Wer alt ist, schlecht zu Fuß, wer sein Auto einfach braucht, um voranzukommen, hat da Pech.

Breite Straßen für schnelle Autos: So stellen sich viele Deutsche die optimale Verkehrsplanung vor

Natürlich passt dieses Projekt nicht zu jeder deutschen Stadt. Dennoch sollten sich Politik und Verkehrsplaner die Projekte aus Paris gut ansehen. Lassen sich nicht doch noch mehr Fahrradstraßen verwirklichen, die Menschen animieren, das Auto auf dem Weg zur Arbeit stehenzulassen? Wo kann auch mal Fußgängern Vorrang eingeräumt werden? Wo können und müssen Straßen verkehrsberuhigt und begrünt werden, damit sie nicht mehr mit angehaltenem Atem passiert werden müssen? Kurz: Wie lässt sich die Lebensqualität in den Städten langfristig verbessern? Da ist in vielen verstopften Städten auch bei uns definitiv noch Luft nach oben.