Doppelverdiener: Das ist so ein Kampfbegriff aus der Zeit, als junge, ehrgeizige Frauen schon mal in die Schranken verwiesen wurden mit der Bemerkung, ihr Mann verdiene ja bereits ordentlich. Die mangelnde Kinderbetreuung, das Ehegattensplitting und die kostenlose Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse taten ihr Übriges, um Frauen zu „Hinzuverdienerinnen“ zu machen. Wer wollte aus dieser Position heraus schon um ein höheres Gehalt feilschen?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Inzwischen hat sich der Begriff „Doppelverdiener“ überholt, übrigens ebenso wie der des „Alleinverdieners“: Es ist nichts Besonderes mehr, dass das Haushaltseinkommen auf zwei Paar Schultern verteilt wird. Aus dem „Hinzuverdienst“ ist die „eigene Karriere“ geworden.

Liebe Arbeitgeber, was für eine Haltung schwingt da bloß mit?
Das ist an sich eine großartige Entwicklung, schließlich schützt die massive Ausweitung der Erwerbstätigkeit vor Altersarmut und stützt die Rentenkasse. Die Frage ist nur: Wie kann es sein, dass Frauen dennoch so hartnäckig weniger verdienen als Männer, vor allem, je weiter sie in ihrer Karriere aufstiegen? Die Lücke liegt derzeit bei 16 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie nur um zwei Prozent kleiner geworden, obwohl der Mindestlohn den Niedriglohnsektor, etwa der Gastronomie, vor ungleicher Bezahlung schützt.
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Total intransparent – und entsprechend ungerecht – ist die Lohnentwicklung bei frei verhandelten Gehältern in Berufen, in denen viele Akademiker arbeiten.
Ein kaufmännischer Leiter etwa verdient 26 Prozent mehr als eine kaufmännische Leiterin. Bei Vertriebsleitern liegt der Unterschied sogar bei 35 Prozent, so die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu. Da muss sich ein Vorgesetzter schon fragen lassen, wie er das rechtfertigt. Schwingt da etwa immer noch die Haltung mit, Frauen brauchten gar nicht so viel Geld wie Männer? Zu viel passiert da hinter verschlossenen Türen; es wird Zeit, sie auf zu reißen.
Tatsache ist: So lange es so klare Unterschiede bei der Bezahlung von Frauen und Männern gibt, so lange kann von einer gleichberechtigten Arbeitswelt – und damit von einer gleichberechtigten Gesellschaft – keine Rede sein.
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