Mexikos Regierung arbeitet mit Hochdruck daran, die drohenden US-Strafzölle auf im Land gefertigte Produkte von 25 Prozent abzuwenden. Präsidentin Claudia Sheinbaum verschärft seit Monaten die Regeln für chinesische Investitionen und Importe, schickt ihre besten Minister nach Washington zu Verhandlungen und hat jetzt sogar in einem beispiellosen Schritt, 29 hochrangige Kartellbosse und Schwerkriminelle an die USA ausgeliefert. Nur ob es nutzt, ist sehr fraglich. US-Präsident Donald Trump bekräftigte trotz des weiten Entgegenkommens Mexikos am Donnerstag: Kommende Woche Dienstag, dem 4. März, wird der generelle Strafzoll auf Produkte aus Mexiko und Kanada erhoben. Nach wie vor täten beide Staaten nicht genug gegen die Drogenkartelle und deren Rauschgiftschmuggel.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Unter den am Donnerstag überstellten hochrangigen Gefangenen befindet sich auch Rafael Caro Quintero, historischer Gründer der mexikanischen Drogenmafia, namentlich des Guadalajara-Kartells, dem Vorläufer der heutigen Gruppierungen. Der 72-Jährige stand auf der Liste der zehn meistgesuchten Kriminellen der US-Bundespolizei FBI. Ihm wirft die US-Justiz vor, 1985 die Ermordung des Undercover-Agenten der US-Antidrogenbehörde DEA, Enrique „Kiki“ Camarena, angeordnet zu haben. Zudem wurden die Brüder Miguel Angel und Omar Treviño Morales, die Gründer des „Zeta“-Kartells, überstellt. Das aus ehemaligen Elitesoldaten gegründete besonders blutrünstige Kartell bekämpfte zu Beginn des Jahrtausends vor allem das Sinaloa-Syndikat, als es noch Joaquín „El Chapo“ Guzmán führte. Die beiden Morales-Brüder, bekannt als „Z-40“ und „Z-42“ gingen über Jahre mit selbst für Mafias ungewohnter Brutalität gegen die Sicherheitskräfte, gegen Rivalen, aber auch gegen Zivilisten und Migranten vor.
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Mexikanische Delegation zuversichtlich – können sie Zölle abwenden?
Diese an Quantität und Qualität beispiellose Auslieferung mexikanische Mafiagrößen sollte ein Treffen von hochrangigen Vertretern des mexikanischen Sicherheitskabinetts mit US-Außenminister Marco Rubio in Washington flankieren. Die mexikanische Seite war durch Außenminister Juan Ramón de la Fuente, den Minister für Sicherheit und Bürgerschutz Omar García Harfuch, sowie Verteidigungsminister Ricardo Trevilla und Generalstaatsanwalt Alejandro Gertz Manero vertreten. Auf US-Seite nahmen zeitweise auch Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstaatsanwältin Pam Bondi an den Unterredungen teil.

Im Anschluss an die Gespräche zeigte sich die mexikanische Delegation zuversichtlich. Das Treffen habe „alle Erwartungen sehr gut erfüllt“, betonte Außenminister De La Fuente, ohne Details zu nennen. Aber ob das bedeutet, dass Trump die Verhängung der Strafzölle ein weiteres Mal aussetzen wird, wie er es bereits vor einem Monat tat, ist unwahrscheinlich. Zu groß ist der Groll von Trump auf Mexiko und das große Handelsbilanzdefizit von nahezu 160 Milliarden Dollar sowie die ungebrochene Allmacht der Kartelle in vielen Regionen Mexikos. Auch wenn die Regierung in den zurückliegenden Wochen viel erreicht und Aktionismus demonstriert hat: Am Ende sind die Erfolge nicht ausreichend, um die Macht der Mafias ernsthaft zu gefährden.
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Mexikos Präsidenten versucht Trump milde zu stimmen
Seit ihrem Amtsantritt im Oktober hat Präsidentin Sheinbaum alles dafür getan, um den neuen Herrscher im Weißen Haus milde zu stimmen. Seit damals haben das Militär, die Nationalgarde und die Polizei mehr als 13.000 Verdächtige wegen schwerer Straftaten festgenommen, mehr als 6500 Schusswaffen sichergestellt und mehr als 1,3 Millionen Pillen der synthetischen Droge Fentanyl beschlagnahmt. Zudem entsandte sie, wie von Trump gefordert, mehr als eintausend Nationalgardisten zur Sicherung der Grenze zu den USA und zur Abschreckung von Migranten.
Auf wirtschaftlicher Ebene beschloss das Kabinett, asiatische Importe durch regionale nordamerikanische Produktion möglichst weitgehend zu ersetzen. Außerdem hat Mexiko zu Jahresbeginn einen Zoll von 19 Prozent auf Produkte verhängt, die über die chinesischen Online-Plattformen Temu oder Shein importiert werden. Jetzt wird erwartet, dass in einer nächsten Phase Zölle in Höhe von 25 Prozent auf technologische Komponenten wie chinesische Mikrochips und Halbleiter erhoben werden.
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Mexiko und USA eng verzahnt - welche Auswirkungen hätten Zölle?
Für die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas wären die Strafzölle existenzbedrohend. Mit allgemeinen Aufschlägen von 25 Prozent auf alle Exporte des Landes steht das ganze mexikanische Wirtschaftsmodell auf der Kippe und das Land vor der Rezession, wie Analysten fürchten. Mexikos Wirtschaft ist komplett auf den Norden ausgerichtet, 80 Prozent der Exporte des Landes gehen in die USA.

Für beide Seiten ist der jeweils andere Nachbar der wichtigste und größte Handelspartner. Mehr als 15 Prozent ihrer Einkäufe tätigen die USA in Mexiko. Dabei sind beide Ökonomien aufs engste verzahnt, vor allem im Automobilsektor. Bis zur Endfertigung wechseln die Komponenten eines Fahrzeugs oft mehrfach die Grenze, was die Anwendung der neuen US-Zölle extrem kompliziert macht. Die Strafzölle wären auch eine Verletzung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA, das die drei Staaten USA, Mexiko und Kanada vereint.







