Mit Freudenschreien und Tränen wird er empfangen, als Ofer Calderon Samstagmittag nach 15 Monaten Todesangst erstmals wieder seine Kinder in die Arme nehmen kann. „Wir sind alle okay, Papa, alles ist gut“, sagt seine älteste Tochter Gaia, die an dem Schwarzen Samstag, der alles veränderte, in Tel Aviv war – fern von der Hölle, durch die ihr Vater und ihre Geschwister gingen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als die Terroristen aus Gaza in den Morgenstunden des 7. Oktober 2023 den Kibbutz Nir Oz überfielen, hielt sich Ofer mit den zwei jüngsten Kindern in seinem Haus in dem grenznahen Dorf auf. Er bemerkte, dass sich die Terroristen dem Haus näherten, und sprang mit den Kindern aus dem Fenster, um in einem Busch Deckung zu suchen. Doch die Terroristen entdeckten sie – und verschleppten Vater und Kinder nach Gaza. Die 16-jährige Sahar und der 12-jährige Erez kamen im Zuge des ersten Geisel-Deals im November 2023 frei. „Bitte geht zu den Demonstrationen, kämpft für uns“, soll Ofer den Kindern damals zum Abschied gesagt haben. Der Kampf zeigte Wirkung: Die Familie ist nun wieder vereint.
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Geisel Yarden kehrt in ein Leben ohne Familie zurück
Anders als Ofer kehrte Yarden Bibas am Samstag in ein Leben ohne Familie zurück. Er hatte am 7. Oktober versucht, seine Frau Shiri und die Kinder Ariel und Kfir vor den Terroristen zu beschützen – doch die Männer verschleppten zuerst ihn und danach auch Kfir, Ariel und Shiri. Ganz Israel zitterte seither um das Schicksal der Jungen mit dem markanten roten Haar – Kfir war erst neun Monate alt, als sie mit ihrer Mutter und Bruder Ariel auf einen Transportwagen verladen und nach Gaza verschleppt wurde. Von ihnen fehlt jede Spur. Ob sie noch am Leben sind, ist unklar – die Armee sagt, es gebe „ernste Besorgnis um ihr Schicksal“.

Als Yarden zum ersten Mal seit 15 Monaten wieder israelischen Boden betrat und von seinem Vater und der Schwester empfangen wurde, hatte er ein müdes Lächeln im Gesicht. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, eine Botschaft auf eine Tafel zu schreiben, die er während des Helikopterflugs in ein Krankenhaus nahe Tel Aviv vor die Kameras hielt. Es ist eine Botschaft an die Israelis, die nicht aufhörten, für die Rückkehr der Geiseln zu kämpfen. „Ich danke dem ganzen Volk Israel für seine Unterstützung und Hilfe“, schreibt er. „Ich weiß das sehr zu schätzen, es ist keine Selbstverständlichkeit.“ Und zum Schluss: „Alles Gute zum Geburtstag, Großvater.“
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„Hier ist er, hier ist er! Er sieht gut aus!“
Blass, müde und mager ist der 65-jährige Keith Siegel, als er vom Roten Kreuz in Gaza an das israelische Militär übergeben wird. Der Israeli mit US-amerikanischen Wurzeln war gemeinsam mit seiner Frau Aviva aus dem Kibbutz Kfar Aza verschleppt worden, wo sie 42 Jahre lang gelebt hatten, bis die Terroristen aus Gaza das Dorf überfielen und vernichteten. Aviva, die im Zuge des ersten Geisel-Deals befreit wurde, erzählte danach in Radio-Interviews von den Qualen, die sie und Keith erlitten: Tage ohne Essen, furchtbarer Durst, quälende Angst vor dem Erstickungstod und grausame Behandlung durch die Terroristen – das war der Alltag in Gaza. Als Aviva aus der Ferne die Videoaufnahme sieht, von jenem Moment, als Keith in Gaza dem Roten Kreuz übergeben wird, überschlägt sich ihre Stimme vor Freude: „Hier ist er, hier ist er! Er sieht gut aus!“, ruft sie.

Am kommenden Samstag sollen die nächsten drei Geiseln nach Israel überstellt werden. Wie immer weigert sich die Hamas zu sagen, wer diesmal auf der Liste steht. Die Angehörigen müssen zittern – bis zum letzten Moment.
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