Nach etwa zwei Jahren Krieg zwischen Israel und der Hamas zeichnet sich endlich ein Durchbruch ab. Beide Konfliktparteien haben den sogenannten Gaza-Plan von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet. Im Rahmen der Vereinbarung sollen alle Geiseln, die von der terroristischen Organisation Hamas festgehalten werden, an Israel übergeben werden. Man spricht von 48 Geiseln, von denen 20 noch am Leben sein sollen.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Im Gegenzug wird Israel rund 250 Palästinenser freilassen, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, sowie etwa 1.700 weitere, die nach den Ereignissen des 7. Oktober 2023 inhaftiert wurden. Schon in der Vergangenheit hat Israel einen hohen Preis gezahlt, um die Freilassung von Geiseln zu erreichen.
Auch interessant
„Wer keine gangbare militärische oder politische Option zur Befreiung der Geiseln hat, muss sich auf Forderungen des Gegners einlassen“, sagt der frühere ranghohe BND-Agent Gerhard Conrad dieser Redaktion. Conrad ist ein Nahost-Experte, der in der Vergangenheit unter anderem den Austausch von Gefangenen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz verhandelte. Israel habe „immer wieder diesen Kompromiss gegenüber seinen Gegnern eingehen müssen“ – gegenüber der Hamas, der Hisbollah oder palästinensische Gruppierungen wie der PFLP-GC.
Der Tag in Bildern: So wird „Friedenspräsident Donald Trump“ gefeiert
Gilad Shalit: Für den von der Hamas entführten Soldaten ließ Israel 1027 Häftlinge frei
Conrad erinnert an den sogenannten Ahmad-Jibril-Deal von 1985: Damals entließ Israel rund 1100 palästinensische Häftlinge aus dem Gefängnis für die Freilassung von drei israelischen Soldaten, die während des Libanonkriegs 1982 in Gefangenschaft geraten waren. Ein weiteres Beispiel für die Bereitschaft Israels, sehr viele Häftlinge freizulassen, wenn dafür israelische Staatsbürger freikommen, ist der Fall Gilad Shalit.

Der israelische Soldat wurde 2006 von der Hamas in Israel entführt und in den Gaza-Streifen verschleppt. Nach fünf Jahren kam Shalit wieder frei: Damals erklärte sich Israel bereit, den Soldaten gegen 1027 palästinensische Häftlinge auszutauschen. „Aufgrund der hohen Zahlen palästinensischer Häftlinge in Israel ergeben sich disproportionale Forderungen nach ihrer Freilassung im Austausch gegen die stets deutlich wenigeren israelischen Geiseln“, analysiert Conrad das Muster.
Auch interessant
Ex-Verhandler: Leidenszeit wird auch nach einer Freilassung nicht vorbei sein
Shalit habe seine fünfjährige Gefangenschaft „unter überwiegend erträglichen Umständen“ verbracht. „Die am 7. Oktober 2023 gewaltsam entführten Geiseln haben vielfach neben einem entbehrungsreichen Leben im Untergrund ein wesentlich brutaleres und menschenverachtendes Verhalten ihrer Entführer erleiden müssen, wie ja aus vielfachen Zeugenaussagen Betroffener bereits offenkundig geworden ist“, sagt der Ex-BND-Agent. „Die schreckliche Leidenszeit der Geiseln wird auch nach ihrer zu erhoffenden Befreiung daher noch lange nicht vorbei sein.“
Dieser Artikel erschien erstmals im Januar 2025 und wurde zuletzt am 13. Oktober 2025 aktualisiert.
fmg























