Liebe Leserin,
lieber Leser,
die Berliner Hauptstadtpresse hat heute den kürzesten Rücktritt seit langem erlebt. Genau 45 Sekunden dauerte der Abgang von FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai wegen der D-Day-Papiere aus dem Innersten der FDP. In der „offenen Feldschlacht“ – um im aktuellen liberalen Sprech zu bleiben – ist also der „General“ gefallen und jetzt stellt sich die Frage: Hält sich der „Oberkommandierende“ Christian Lindner? Das Bauernopfer Djir-Sarai hat Kugeln aufgefangen, die dem Vorsitzenden galten. Aber es ist fraglich, ob damit das Feuer aus den eigenen Reihen gestoppt ist.
Das Schlachtfeld, auf das Lindner von seinem Feldherrenhügel derzeit blickt, könnte für die FDP nicht grausamer sein: Er selbst als Finanzminister gefeuert, vier Prozent in den Umfragen, ein wichtiger Minister fahnenflüchtig, Spione in den eigenen Reihen. Außerdem fehlt jetzt der mächtige Parteimanager, und schon am 23. Februar ist nicht D-Day, sondern Wahltag.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Das ist – militärisch gesprochen – ein Himmelfahrtskommando für einen Anführer. Außerdem entsteht der Eindruck mangelnder geistiger Reife bei Lindners Leuten, die solche Papiere schreiben. D-Day war freie Welt gegen die Nazi-Herrschaft. Am D-Day starben 9000 Alliierte und tausende deutsche Soldaten. Solche Metaphern sind unpassend bezogen auf Regierungspartner. Meine Kollegin Julia Emmrich beantwortet alle Fragen zur FDP-Feldschlacht und Thorsten Knuf hat den Kommentar dazu.
Wer könnte theoretisch auf einen Christian Lindner folgen? Ich habe diese Frage mit meinen besten Politik-Experten erörtert und niemand fiel spontan ein Name ein. Und die Dominanz des Vorsitzenden ist ein Teil des FDP-Problems. In den elf Jahren unter Christian Lindner ist kein Kronprinz oder gar Kronprinzessin gewachsen. Und an Frauen herrscht grundsätzlich Mangel an der Spitze. Wären in der „D-Day“-Runde mehr Frauen gesessen, wäre es zu dieser militärischen Jungs-Sprache nie gekommen.

Auch Robert Habeck hat derzeit manches politische Problem – aber keinen Mangel an starken Frauen. Der Wirtschaftsminister schätzt die Zusammenarbeit mit Frauen über alle Maßen und zeigt das auch gerne. Im Regierungsflieger posierte er mit einer rein weiblichen Wirtschaftsdelegation, und auch im Wahlkampf setzt er bewusst auf starke Frauen. Allen voran Franziska Brantner, bislang treue Staatssekretärin Habecks und jetzt Parteichefin. Wer die anderen wichtigen Frauen hinter Habeck sind, steht hier.
Robert Habeck hat mit seinem Heizungsgesetz bereits viel Verwirrung gestiftet, aber Deutschlands Hausbesitzer sehen auch nach dem Ampel-Aus nicht viel klarer. Die CDU will das Gesetz wohl abräumen, und jetzt stellt sich vielen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern die Frage: Soll ich die üppige Habeck-Prämie noch schnell mitnehmen (es gibt bis zu 21.000 Euro), oder legt Merz als Kanzler vielleicht noch was drauf? Beim Geldbeutel hören politische Präferenzen schließlich auf.
Wir werden bei diesem Thema für Sie hartnäckig dranbleiben. Ein Meinungsstück meines Kollegen Tobias Kisling wird den Nerv der Heizungsbranche treffen und gibt es hier. Die Gemüter der Heizungsbauer sind wegen des ewigen Hin und Her nämlich fast am Kochen. Zu Recht, wie ich finde.

A propos Handwerk. Diese Branche, die das Potenzial hat, uns alle glücklich zu machen, kommt meines Erachtens in der politischen Debatte viel zu selten zu Wort. Direkt auf der anderen Straßenseite unserer Redaktion sitzt Handwerkspräsident Jörg Dittrich und vertritt mit seinem Verband eine Million Handwerksbetriebe, 5,6 Millionen Beschäftigte und 350.000 Azubis. Der Dresdner hat einen großen Dachdeckerbetrieb und sechs Kinder, steht also mit beiden Beinen fest im Leben. Im Interview mit unserer Redaktion formuliert er Wünsche an die Politik und gibt ein Lagebild aus Sicht des Handwerks. Seine traurige Diagnose: „Es gibt ein stilles Sterben“.
Angela Merkels Memoiren „Freiheit“ haben sich am ersten Tag schon 35.000-mal verkauft. Bei der Signierstunde in der Berliner Buchhandlung Dussmann standen die Kunden – trotz Selfie-Verbots – um den Block an, um Merkels Autograph zu ergattern. Sogar Wladimir Putin hat reingelesen und sich öffentlich entschuldigt, dass er bei einem Treffen in Sotschi 2007 seine Labradordame „Kino“ ohne Leine auf die hundeängstliche Kanzlerin losließ.
Der russische Präsident muss sich für ganz andere Dinge entschuldigen, findet mein Kollege Jan Jessen, der gerade mit dem Fotografen Andre Hirtz in der Ukraine unterwegs ist. Er bekommt hautnah mit, wie brutal die russische Armee ukrainische Zivilisten angreift und versucht, die im Winter lebensnotwendige Infrastruktur zu zerstören. Jessen traf dieses Mal einen besonderen Krieger, der sich nicht mit der Waffe, sondern mit seinem Computer gegen den russischen Angriff wehrt. Er hackt russische Konten und Websites und riskiert, weil er immer mutig sein Gesicht zeigt, damit sein Leben.
Zum Schluss erlaube ich mir ein bisschen Eigenlob: Die FUNKE Mediengruppe ist für ihre Nachhaltigkeitsstrategie und ihr Engagement, das Unternehmen zukunftsfähig, ressourcenschonender und klimafreundlicher zu gestalten, mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ ausgezeichnet worden. Ich gratuliere meinen fleißigen Kolleginnen und Kollegen, die das mit ihrer engagierten Arbeit möglich gemacht haben und wünsche Ihnen ein nachhaltig erholsames Wochenende,
herzlich, Ihr Jörg Quoos.





