Er war vom Stadtmagazin Tip auf Platz 6 der peinlichsten Berliner (Gewinner: Mario Barth vor Beatrix von Storch) 2016 gesetzt worden – und arbeitet hart an seinem Aufstieg. Der Aktivist Martin Lejeune ist mit seiner glühenden Erdogan-Verehrung auch vielen Erdogan-Anhängern unangenehm. Am Donnerstag setzte er wieder zu einer Huldigung für Erdogan an, den er „Reis“ („Der Chef“) nennt. Doch bei den Fotos, die im Stil nordkoreanischer Propaganda die Volksnähe des türkischen Präsidenten zeigen sollten, hätte der 37-Jährige vorher mal genauer hinschauen sollen ...
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Von Lejeune, der auch den Holocaust schon mal angezweifelt und sich später dafür entschuldigt hatte*, sind Sätze wie „Milliarden Muslime auf der Welt stehen hinter Erdogan“, „Wenn das deutsche Volk entdeckt, dass Erdogan im Recht ist, dann ist hier die Hölle los“ und „Niemand verteidigt die Demokratie so sehr wie @RT_Erdogan“. Am Donnerstag twitterte er an seine 25.000 Follower hintereinander drei Fotos, die Erdogan rühmen sollen. Doch sie erzählen zum Teil ganz andere Geschichten.
Erdogan war nach einem schweren Grubenunglück mit fast 300 Toten in die Stadt Soma gekommen, um zu kondolieren – und erlebte die Wut auf die Regierung. Die Toten waren allesamt die gewöhnlichen Leute, mit denen er laut Tweet die Last teilt. Der Regierung wurden Versäumnisse bei der Sicherheit und Ignorieren von Problemen vorgeworfen. Erdogans Energieminister Taner Yildiz hatte die Grube als vorbildlich gelobt, 13 Tage vor dem Unglück war die Forderung nach einer Inspektion zurückgewiesen worden.
Was von Lejeune fehlt: ein Foto, auf dem Erdogan für gutes Wetter sorgt. Vor ein paar Tagen hatte er „den Mächten“ vorgeworfen, die Türkei als Experimentierfeld für Wettermanipulationen zu nutzen, um der Türkei zu schaden. Spätestens seither sehen manche Nutzer auf Twitter in seinen Beiträgen pure Satire und folgen ihm des Unterhaltungswerts wegen. (law)